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22/10/05

Samaria - Die Samariterin

Ein Film von Kim Ki-Duk


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  • Synopsis

Yeo-Jin und Jae-Young sind beste Freundinnen. Damit sie eines Tages gemeinsam nach Europa fahren können, schwänzen sie beide die Schule und Jae-Young geht anschaffen, während Yeo-Jin aufpasst, dass die Polizei nicht kommt. Alles geht gut, bis eines Tages Jae-Young bei einer Polizeirazzia aus dem Fenster springt, und sich lebensgefährlich verletzt ...

Im Gespräch mit Kim Ki-Duk (Real Video)
Teil 1
Teil 2
Interview : Nana Rebhan, Berlinale 2004
Aufnahme/ Schnitt : Boris Bouscayrol

  • Der Kommentar zum Film

Wie weit geht eine Mädchenfreundschaft? Wie weit über den Tod hinaus geht sie? Der koreanische Regisseur Kim Ki-Duk hat bereits in seinen letzten Filmen The Isle und Bad Guy Liebesbeziehungen zwischen Menschen beschrieben, die auf viele Zuschauer extrem provokativ wirkten. In The Isle beschreibt er eine sadistisch-masochistische Liebe, während Bad Guy die Entwicklung eines normalen Schulmädchens zu einer hörigen Prostituierten erzählt.

In Samaria geht es um die Freundschaft, besser die Liebe zwischen zwei Mädchen. Als Jae-Young nach dem Sprung aus dem Fenster stirbt, ist Yeo-Jin bereit alles für ihre Freundin zu tun, was sie kann. Um für sie ein besseres Karma zu erlangen, schläft sie mit allen Freiern Jae-Youngs, deren Adressen sie in ihrem Tagebuch findet und gibt ihnen anschließend ihr Geld zurück.

Im Gedenken an Jae-Young, die sogar mit einem Lächeln auf den Lippen gestorben ist, gelingt es ihr, ihr schwere Aufgabe zu erfüllen. Ihr Vater kommt ihr auf die Schliche, und er ist zutiefst verstört. Er versucht, die Freier von ihrem Vorhaben abzuhalten. Eines Tages prügelt er vor lauter Wut einen von ihnen zu Tode, was nicht ohne Konsequenzen bleibt.

Für europäische Zuschauer ist Kim Ki-Duks neuer Film verstörend, es ist schwer zu begreifen, warum der Vater mit seiner Tochter nicht einfach über deren Verhalten spricht. Doch nach asiatischer Auffassung würde sie dann ihr Gesicht verlieren. Einen ihrer Freier, einen älteren Familienvater konfrontiert der Vater vor seiner Familie mit der Wahrheit, und es bleibt ihm nichts anderes übrig, als Selbstmord zu begehen, um nicht noch mehr Schande auf seine Familie kommen zu lassen.

Kim Ki-Duk kreiert eine intensive Atmosphäre mit vielen poetisch anmutenden Bildern, eine Welt mit ihren ganz eigenen Regeln, in der jede Tat Sinn macht, solange man sich in ihr aufhält. So denkt Yeo-Jin stets an eine Geschichte, die ihr ihre beste Freundin einst erzählt hat: In Indien gab es eine Prostituierte namens Vasumitra. Alle Männer, mit denen sie schlief, verwandelte sie in gute Buddhisten. Yeo-Jin ist überzeugt, Gutes zu tun, indem sie mit den Männern schläft und ihnen ihr Geld zurück gibt, und den Männern erscheint sie wie eine Samariterin.

Nana A.T. Rebhan


  • Das Bonusmaterial

Sowohl die komplett mitgeschnittene Pressekonferenz von Samaria, der bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin im Wettbewerb lief als auch das knapp 30-minütige Making Of liefern interessante Hintergrundinformationen zur Entstehungsgeschichte des Films. In zwei Wochen wurde der Film gedreht, der nur etwa ein Drittel eines durchschnittlichen koreanischen Films zur Verfügung hatte, umgerechnet etwa 400.000 Euro. Immer wieder trieb Regisseur Kim Ki-Duk sein Team zu Höchstleistungen an, egal wie das Wetter war, auch bei Regen wurde gedreht. Kwak Ji-Min die die Hauptrolle des Schulmädchens spielt und für ihre tote Freundin die Ehre zurückgewinnen will, stand zum ersten Mal vor der Kamera. Für sie war es sehr schwierig, die Rolle eines depressiven Mädchens zu spielen, beim nächsten Film will sie auf jeden Fall „ein fröhliches und lustiges Mädchen spielen.“ Zwischendurch – das sieht man im Making Of – musste Kim Ki-Duk sie auch zum Weiterspielen ermutigen – sonst hätte sie vorzeitig aufgegeben. Doch Kim Ki-Duk hält alle Fäden locker in der Hand, bei ihm laufen sie alle zusammen. Er zeichnet die Storyboards für die nächsten Einstellungen, schreibt das Drehbuch gemäß den Locations um, probt mit den Schauspielern, wie sie ihren Text sagen sollen, und zeigt dem Kameramann von wo bis wo genau er schwenken soll.

In einer Szene gibt der Vater einem Mann mehrmals Ohrfeigen – vor den Augen seiner Frau und seine Töchter. „Warum lässt Du Dir das gefallen?“ fragen sie ihn voller Empörung. „Er hat meine Tochter gevögelt – sie ist jünger als seine eigene Tochter,“ erwidert der Vater und schlägt ihm erneut ins Gesicht. Nach dem „Cut“ des Regisseurs fällt Lee Uhl, der den Vater spielt, dem Schauspieler um den Hals, den er eben mehrfach geschlagen hat. Beide lachen lauthals. „Jetzt gibst du mir aber einen aus,“ sagt der Geschlagene zu Lee Uhl. Er nickt.

Gleich zu Beginn der Dreharbeiten, am 2. Drehtag wird Kim Ki-Duk interviewt. Er hat kein so gutes Gefühl, wollte den Dreh schon abbrechen, aber sein Team hat sich entschlossen, weiterzuarbeiten. „Ich bin nicht sicher was für ein Film dabei herauskommt. Der Lärm hier in Seoul ist ein echtes Problem.“ Auf der Pressekonferenz wird der Regisseur von einem Journalisten gefragt, ob Europäer seine Filme richtig verstehen. Seine Filme seien zwar auf vielen wichtigen Festivals (Berlin, Venedig, Locarno, Cannes) zu sehen, aber er habe noch nie einen wichtigen Preis gewonnen. Kim Ki-Duk: „ Mein Ziel ist es, keine Preise auf europäischen Festivals zu gewinnen, denn ich mache keine Standardfilme. Die meisten Filme, die Preise gewinnen, sind Standardfilme. Ich bitte darum, keine Preise zu bekommen, denn dann kann ich mir meinen Blick auf die Welt bewahren. (...) 50% der Zuschauer mögen meine Filme und 50% mögen sie überhaupt nicht. Ich möchte eigentlich, dass dies so bleibt.“

Bei den 54. Internationalen Filmfestspielen Berlin gewann Kim Ki-Duk für seinen Film Samaria den Regiepreis.

Nana A.T. Rebhan


  • Samaria
Label: rapid eye movies (Alive AG)
Genre: Drama
Originaltitel: Samaria
Land/Jahr: Korea 2004
Kinostart: 09.12.2004
Regie: Kim Ki-Duk
Darsteller: LEE Uhl, KWAK Ji-Min, SEO Min-Jung, KWON Hyun-Min, OH Young

  • Technische Daten:
Sprache / Ton: Deutsch DD 5.1, Koreanisch DD 2.0
Bildformat:1,85:1 (16:9)
Untertitel: Deutsch
Digi-Pack + Schuber und Poster
Laufzeit Film: 95 Min.
Laufzeit Bonus-Material: ca. 60 min

  • Extras:
Making of, Interviews, Berlinale Pressekonferenz
Kinotrailer, Hidden Features.
Set Inhalt: Digi-Pack + Mini-Poster

Erstellt: 13-10-05
Letzte Änderung: 22-10-05