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Tatsächlich gab es vorher einen Werbe-Overkill in São Paulo. Überall meist illegal aufgehängte Anzeigetafeln. Die Stadtverwaltung hält das bisher Erreichte deshalb für revolutionär: Es gehe um die Ästhetik der Stadtlandschaft, um mehr Lebensqualität. Die Werbebranche protestiert. „Wenn das Schule macht“ - sagt Dalton Silvano, Chef einer Agentur und einziger Stadtverordneter, der gegen das Gesetz „Saubere Stadt“ stimmte – „dann wird die Stadt ein traurigerer, tristerer Ort werden. Werbung kann Kunst sein – und natürlich auch eine Form der Unterhaltung.” Der Streit um die Radikalmaßnahme des Bürgermeisters hat längst eine weitergehende Diskussion angestoßen. Tatsächlich wollen Rio und andere brasilianische Großstädte, aber auch Buenos Aires, dem Beispiel von São Paulo vielleicht schon bald folgen.
Metropolis spricht mit dem international renommierten Architekten und Urbanisten Jorge Wilheim, bis vor kurzem Leiter des Stadtplanungsbüros von São Paulo. In seinem Büro im Zentrum, mitten im Herzen des brasilianischen Kapitalismus, überrascht er Interviewer gern mit der Gegenfrage: "Warum sollten wir die Werte der Konsumgesellschaft gesetzlich fördern, wo es viel wichtigere ethische und kulturelle Werte gibt?" Und manche erinnern sich jetzt, was David Ogilvy, Gründer der weltberühmten Werbeagentur Ogilvy & Mather, schon 1963 zu Protokoll gab: „Wenn ich mal in Pension gehe, werde ich eine Geheimgesellschaft gründen – maskierte Männer, die im Schutz der Dunkelheit die Werbetafeln und Billboards niederreißen. Welcher Richter wollte uns dafür verurteilen, für diesen Akt wohlmeinenden Bürgersinns?“







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