Regie: Guka Omarova
Mit Olzhas Nusuppaev, Olga Landina, Eduard Tabischev,
Un Certain Regard
Kritik: In langen ruhigen Totalen führt die Regisseurin Guka Omarova die Umgebung ein, in der ihr Held Schizo zu Hause ist. Kasachstan, irgendwann in den 90er Jahren ist ein unwirtlicher Ort. Die Menschen misstrauen einander und jeder ist sich selbst der Nächste. Der Kampf ums Überleben ist hart. Schizo, der von der Schule geworfen wird, und dem keiner so recht etwas zutraut verliebt sich zum ersten Mal. Er entwickelt für die alleinstehende Zinka und ihren kleinen Sohn ein tiefes Verantwortungsgefühl, und wird dadurch langsam erwachsen.
Mal verweilt die Kamera entspannt in der Totalen, mal pirscht sie sich dicht an Schizo heran. Schizo ist kein gesprächiger Typ, aber Guka Omarova versteht es, viel über ihn zu erzählen, in dem sie ihn in den unterschiedlichsten Situationen zeigt. Da klaut er etwa dem kleinen Jungen Zinkas zu Beginn eines seiner beiden Autos. Als Zinkas Freund bei einem Boxkampf tödlich zusammengeschlagen wird, verspricht er ihm, das Geld Zinka zu bringen, und er tut es auch. Als der Freund seiner Mutter nach einem gemeinsamen Überfall ihn linken will, da erschießt er ihn ohne lange zu zögern. Das mag zwar drastisch sein, zeigt aber das ausgeprägte Rechtsgefühl Schizos.
SCHIZO erzählt in einer unaufdringlichen, unprätentiösen Art das Schicksal eines Jungen, der trotz seiner angeblichen Krankheit die Verantwortung für sein Handeln übernimmt. Die Möglichkeit, ins nahe gelegene China zu fliehen steht jederzeit im Raum, doch sowohl Zinka als auch Schizo bekennen sich zueinander und bauen auf eine gemeinsame Zukunft. Indem sie ihre Geschichte erzählt, erzählt Guka Omarova in ihrem Debutfilm auch gleichzeitig viel über ihre Heimat. Sie weiß es, die karge Natur und die alleinstehenden barackenartigen Häuser so in Szene zu setzen, dass diese einen minimalistischen Charme entwickeln. Diese Reduktion beinhaltet eine ganz eigene Schönheit. SCHIZO gibt Hoffnung, denn selbst in einer Gegend in der jeder des anderen Wolf ist, keimt noch die Liebe.
Nana A.T. Rebhan






per E-Mail verschicken
Facebook
Twitter
RSS

