Schriftgröße: + -
Home > Film erleben > Fernsehfilme auf ARTE > Diesen Monat > Freitag > Schläfer

Freitag, 20. Oktober 2006, um 20.40 Uhr - 03/11/06

Schläfer

Johannes, ein junger Wissenschaftler, wird vom Geheimdienst gebeten, Informationen über seinen algerischen Kollegen Farid - einen vermeintlichen Schläfer - zu liefern. Er lehnt ab, aber der Samen des Zweifels ist gesät. Trotzdem entwickelt sich eine fragile Freundschaft. Als beide Männer sich in dieselbe Frau verlieben, trifft Johannes eine Entscheidung.


Kurz bevor Johannes Merveldt beim renommierten Professor Behringer seine Doktorandenstelle am Münchner Institut für Virologie antritt, wird er von einer Mitarbeiterin des Verfassungsschutzes angesprochen. Frau Wasser bittet ihn, Informationen über einen Kollegen zu liefern.

Es handelt sich um Farid Madani, einen jungen, aus Algerien stammenden Wissenschaftler, der sich mit einem anderen Ansatz dem gleichen Forschungsvorhaben wie Johannes widmet. Obwohl Johannes dieses Anliegen entsetzt von sich weist, beginnt sich sein Blick auf den Kollegen zu verändern.

Bald bewegt sich die Freundschaft, die zwischen Johannes und Farid entsteht, auf einem schmalen Grat zwischen Zuneigung und Misstrauen. Zwar sind sich beide sympathisch und beschließen, mit ihrer beruflichen Konkurrenzsituation freundschaftlich umzugehen, aber Johannes glaubt immer wieder Hinweise auf dubiose Aktivitäten Farids zu erkennen.

Als sich Beate, eine junge Kellnerin, in Farid verliebt, spitzt sich die Rivalität zwischen Farid und Johannes zu, denn auch Johannes interessiert sich für Beate. Privates und Berufliches, moralische und politische Verantwortung beginnen sich untrennbar zu vermischen. Johannes lässt sich letztlich doch auf die Zusammenarbeit mit dem Verfassungsschutz ein.


Benjamin Heisenberg über seinen Film:"'Schläfer' ist ein Film über einen gesellschaftlichen Zustand der Verunsicherung, mehr als über die Gefahr durch den islamistischen Terror, oder die Schuld oder Unschuld einzelner Charaktere. Er beschreibt Konstellationen, in denen der Mensch aus der gewohnten Weltwahrnehmung geworfen wird und das Vertraute, seine Unschuld verliert. Im schleichenden Strudel aus Verunsicherung, Angst, Zwiespalt und Misstrauen kann ein Augenaufschlag, ein falsches Wort, eine Berührung zum Auslöser einer politischen und menschlichen Tragödie werden. Das Drama liegt in der Entfremdung, der inneren Verarmung der Menschen, im Gegenüber von Moral und Triebhaftigkeit und in der unheilvollen Verflechtung von makroskopischen und mikroskopischen Fragen des Lebens."

"Schläfer" hatte seine Premiere 2005 beim Filmfestival in Cannes in der Reihe "Un certain regard" und lief auf zahlreichen nationalen wie internationalen Festivals. Er erhielt mehrere Preise, darunter 2005 den First Steps Award als bester Nachwuchsspielfilm, 2006 den Max-Ophüls-Preis und beim 18. Festival Premiers Plans in Angers den "Prix Spécial du Jury".

Der Autor und Regisseur Benjamin Heisenberg wird 1974 in Tübingen geboren, studiert zunächst Freie Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in München und wird Mitbegründer der Filmzeitschrift "Revolver". 1997 nimmt er sein Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen München auf. Im Jahr 2003 wirkt er als Koautor an dem Film "Milchwald" von Christoph Hochhäusler mit. "Schläfer" ist sein erster langer Spielfilm.

Bastian Trost wird 1974 in Düsseldorf geboren. Seine erste große Arbeit vor der Kamera ist "Maries Lied" (1993/94). Es folgen "Aimée und Jaguar" und "Der Campus" (beide1997/98), "Solino" (2002) und "Das Leben der Anderen" (2006). Seit 2002 ist er ständiges Mitglied der Performance Group Gob Squad.

Mehdi Nebbou wird 1971 als Sohn algerisch-deutscher Eltern in Frankreich geboren. Bevor er seine erste größere Rolle in "My sweet home" (2000) bekommt, ist er Bühnenschauspieler in Italien und Frankreich. Er spielt 2004 die Hauptrolle in dem Fernsehfilm "Folgeschäden" und wird ein Jahr später von Steven Spielberg für den Spielfilm "München" engagiert.

Freitag, 20. Oktober um 20.40
Schläfer
Deutschland 2004, ARTE/ZDF, Stereo, Erstausstrahlung, 16:9 / 99 Min.

Regie: Benjamin Heisenberg, Drehbuch: Benjamin Heisenberg, Kamera: Reinhold Vorschneider, Musik: Lorenz Dangel, Kostueme: Stephanie Rieß, Redaktion: Burkhard Althoff, Schnitt: Stefan Stabenow, Karina Ressler; Maske: Wiltrud Derschmidt; Fotograf: Renate Schmaderer; Ton: William Franck, Stephan Michalik, Produktion: coop99 (Wien), Produzent: Barbara Albert, Martin Gschlacht, Jessica Hausner, Antonin Svoboda, Peter Heilrath

Mit: Bastian Trost (Johannes), Mehdi Nebbou (Farid), Loretta Pflaum (Beate), Gundi Ellert (Frau Wasser), Wolfgang Pregler (Prof. Behringer)

 

Erstellt: 29-09-06
Letzte Änderung: 03-11-06