- 8. März 2006
Der EADS-Konzern legt für 2005 noch nie da gewesene Ergebnisse vor: Der Reingewinn ist um 39 % auf 1,58 Milliarden Euro gestiegen; der Umsatz beträgt 34,2 Milliarden Euro, eine Steigerung um 8 %. Als die beiden Konzernchefs Noël Forgeard und Thomas Enders das Jahresergebnis bekannt geben, verkündet Forgeard, 2005 sei für EADS das bisher beste Jahr in seiner Geschichte gewesen. - 12. Mai 2006
Jean-Louis Gergorin, Mitglied des Executive Committees von EADS, wird beurlaubt, nachdem in der Clearstream-Affäre Anklage gegen ihn erhoben wurde. - 13. Juni 2006
Airbus kündigt erneut eine Lieferverzögerung von sechs bis sieben Monaten für den A380 an (Ein Missverständnis zwischen dem Hamburger Werk und den anderen Standorten des Konzerns bezüglich der Verwendung einer Software soll zu Problemen bei der Verkabelung geführt haben). Bereits am nächsten Tag fällt der Kurs der EADS-Aktie um 26,32 %: Dies bedeutet innerhalb eines Tages einen Verlust von 5,5 Milliarden Euro.
Zugleich wird laut, Noël Forgeard, drei seiner Kinder sowie französische und deutsche Mitglieder der Konzernleitung hätten noch im März EADS-Aktien für mehrere Millionen Euro verkauft. Die französische Börsenaufsicht (Autorité des marchés financiers, AMF) eröffnet ein Ermittlungsverfahren wegen Insiderhandels. Weiterhin wird bekannt, dass Daimler und Lagardère je die Hälfte ihrer Anteile verkauft haben. - 2. Juli 2006
EADS-Kopräsident Noël Forgeard und Airbus-Präsident Gustav Humbert treten zurück. An ihre Stelle treten Louis Gallois (der Generaldirektor der französischen Staatsbahn SNCF) und Christian Streiff. Thomas Enders, der deutsche Kopräsident von EADS, bleibt im Amt. - Oktober 2006
Louis Gallois, der neue Mann an der Spitze von Airbus nach dem Rücktritt von Christian Streiff, will mit einem „Power 8“ getauften Restrukturierungsplan den Flugzeughersteller sanieren. Vorgesehen sind Fertigungsverlagerungen, die Einsparung von 10.000 Arbeitsplätzen und Werksschließungen. - Herbst 2007
Der Verdacht auf Insidergeschäfte bestätigt sich. Im September legt die AMF der Pariser Staatsanwaltschaft die Schlussfolgerungen eines Voruntersuchungsberichts vor, der Aktionäre und Manager von EADS stark belastet: Die Aktionäre sollen im November 2005 und im März 2006 und die Manager im April 2006 verdächtige Aktienverkäufe getätigt haben. - 30. Mai 2008
Noël Forgeard, der eine Abfindung von 8,4 Millionen Euro erhielt, wurde für ein Insiderdelikt in Untersuchungshaft geschickt.
Die Pariser Staatsanwaltschaft erhebt ferner Anklage gegen:
• den Franzosen Jean-Paul Gut, ehemals stellvertretender CEO der EADS (Juni 2008)
• den Deutschen Gustav Humbert, ehemaliger Airbus-Präsident (Juni 2008)
• den Deutschen Andreas Sperl, ehemaliger Airbus-Finanzchef und heutiger Leiter des EADS-Werks in Dresden (Juli 2008);
• den Franzosen Olivier Andriès, ehemaliger Airbus-Vizepräsident (Dezember 2008)
Diese Aufzählung ließe sich noch fortsetzen. Im Anschluss an ihre Untersuchung empfiehlt die französische Börsenaufsicht auch die Einleitung eines Verfahrens gegen Airbus-Verkaufsdirektor John Leahy und gegen den heutigen A380-Programmleiter Alain Flourens. Außerdem werden die Konzerne Daimler und Lagardère namentlich verdächtigt.
Insiderhandel ist eine Straftat, die in Frankreich mit zwei Jahren Gefängnis und Geldstrafen in bis zu zehnfacher Höhe des Gewinns aus dem Handel geahndet wird.
Abschließend sei erwähnt, dass alle Verdächtigen – ob angeklagt oder nicht – die Anschuldigungen bestreiten.







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