Offizieller Wettbewerb
Synopsis: Die junge Tänzerin Tao arbeitet in Pekings „World Park“. Vor wenigen Jahren ist sie mit ihrem Freund Taisheng aus einer nördlichen Provinz Chinas in die Metropole gekommen, um hier ihr Glück zu versuchen. In ihrer Beziehung kriselt es, denn beide haben andere Erwartungen aneinander. Tao flüchtet sich in eine Traumwelt, und die Arbeit im Themenpark hilft ihr dabei.
Kritik: „Wir zeigen Dir die Welt in einem Tag“ ist der Slogan des Welt-Parks der unweit von Peking existiert. Hier gibt es den Eiffelturm, den Big Ben, die berühmten ägyptischen Pyramiden. Alles in Miniatur, eine Welt zum greifen nah und doch so fern. Dieser seltsame Ort, an dem THE WORLD spielt, ist ein wichtiger Hauptdarsteller, vielleicht sogar der Wichtigste in diesem Film. Tao und ihr Freund arbeiten hier. Sie haben außer ihrer Heimatprovinz im Norden nie etwas anderes gesehen. Hier wird ihnen klar, wie groß die Welt eigentlich ist, und dass sie hier scheinbar die Möglichkeit haben, diese kennen zu lernen. Dass dies nur eine Illusion ist, ist klar, denn Tao weiß auch, „dass sie keinen Menschen kennt, der je in einem Flugzeug gesessen hat.“ Und doch sind die Arbeiter des Parks stolz darauf, dass sie noch beide Türme des New Yorker World Trade Centers zeigen können, auch wenn diese viel kleiner als das Original sind. Der Weltpark ist Projektionsfläche für große und kleine Illusionen.
Seinen mit 133 Minuten etwas zu lang geratenen Film unterteilt der junge chinesische Regisseur Jia Zhang-Ke in verschiedene Kapitel, denen er Städtenamen gibt. Diese sind jeweils mit der in dem Kapitel erzählten Geschichte verknüpft. Eine hübsche Idee ist es, den inneren Gedankenstrom und die heimlichen Wünsche Taos in knallig bunte Animationen umzusetzen, die ab und an in den Film eingesprenkelt werden. Ein weitere sehr schöne kleine Geschichte ist die beginnende Freundschaft zwischen der Russin Anna und Tao. Beide sprechen zwei völlig unterschiedliche Sprachen und doch nähern sie sich einander an, ein Verstehen ohne Worte. Als sie sich einige Zeit später in einer Hostessen Bar zufällig wieder begegnen, und Tao versteht, dass Anna nun hier arbeitet, liegen sie sich für einen Moment weinend in den Armen – dies ist einer der emotional stärksten Momente des Films.
Für die Tanznummern im Park hat Jia Zhang-Ke wundervoll farbige, glamouröse Kostüme entwerfen lassen. Vor allem die elektronische Musik des Komponisten Giong Lim, der sowohl die Tanznummern als auch den Soundtrack entworfen hat, unterstreicht die Atmosphäre des Films, die künstliche Welt, in der sich Tao und die anderen Tänzerinnen befinden. Für Tao ist ihre Welt weder der ferne echte Eiffelturm oder der Big Ben, noch ist es der Weltpark oder Peking, es ist einfach ihr Freund Taisheng, mit dem sie aus der heimatlichen Provinz gekommen ist. Einmal sagt sie zu ihm: „Du darfst mich nie betrügen, denn du bist mein kleines Leben. Wenn du mich betrügst, dann habe ich gar nichts mehr.“ Jia Zhan-Ke gelingt es, das Lebensgefühl dieser jungen Menschen zu vermitteln, die alle auf der Suche nach einem neuen, einem besseren Leben sind, und deren Hoffnungen oft unerfüllt bleiben. Jia Zhang-Ke hat für THE WORLD ein poetisches, und doch hoffnungsvolles Ende gefunden, wie es schöner nicht sein könnte.
Nana A.T. Rebhan
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Shije (The World)
China 2004, 133 Min.
Buch und Regie: Jia Zhang-Ke
Mit Zhao Tao, Chen Taisheng, Jing Jue, Jiang Zhongwei






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