12/11/10
Shirin Ebadi
Als erste Muslimin erhielt Shirin Ebadi 2003 den Friedensnobelpreis. Bereits 1974 wurde sie als erste iranische Frau Richterin.
Sie musste das Amt niederlegen, als die Islamische Republik Iran ausgerufen wurde, und drei Jahrzehnte später konfiszierte diese auch ihren Nobelpreis. Doch dadurch ließ sich Shirin Ebadi nicht entmutigen. Mit beherrschtem Gesichtsausdruck, sicherer Stimme und klaren Argumenten setzt sie sich unablässig für die Rechte der Frauen und Kinder ein. In ihren Vorlesungen, Schriften und Plädoyers als Anwältin prangert sie die Verirrungen ihres Landes an, so auch die blutige Niederschlagung der Demonstrationen nach den Wahlen 2009. Im Mai hat sie den Internationalen Demokratiepreis in Bonn erhalten - eine weitere Chance, auf das Los der Menschen im Iran aufmerksam zu machen. Kamerateams und Journalisten reißen sich um die wortgewandte, sachlich argumentierende Anwältin.
Zwischen all den Interviews findet Shirin Ebadi noch Zeit, ihre Freundin Parastou Forouhar zu treffen. Die beiden Frauen erinnern sich, wie sie nach langen Kämpfen endlich Einsicht in die Akten erhielten - und die Todesliste fanden. Dort stand: "Die nächste ist Shirin Ebadi".
Geboren 1947 in einer Mittelschichtsfamilie, wird das begabte Mädchen von ihren Eltern früh gefördert. Shirin Ebadi studiert Jura und absolviert in kürzester Zeit eine glänzende Karriere. Sie wird die jüngste Gerichtspräsidentin im Iran. Ihr Wunschtraum: Justizministerin zu werden. Doch dann kommt die Islamische Revolution - und das Berufsverbot für Richterinnen. Das Leben einer Frau ist fortan nur noch halb so viel wert wie das Leben eines Mannes. Shirin Ebadi erinnert sich, wie sie das neue Gesetz las: "Ich dachte, das kann doch nicht sein, das habe ich falsch verstanden. Aber dann habe ich mich so aufgeregt, dass ich Migräne bekam, und ab diesem Zeitpunkt hat mein Interesse für Frauenrechte begonnen."
Mitten in Krieg und Revolution bekommt Shirin Ebadi zwei Töchter. Bis heute versteht sie sich zuallererst als Mutter: "Die Menschenrechtsarbeit beginnt in der Familie." Sie gründet einen Verein zum Schutz der Kinder und beginnt ihre inoffizielle Arbeit für die Rechte von Frauen und Kindern. Ihre Töchter sind dabei ihr größter Ansporn: "Wenn meine Töchter mich später fragen, was ich für ihre Belange als Frauen gemacht habe, muss ich eine gute Antwort parat haben!"
Erstellt: 07-06-10
Letzte Änderung: 12-11-10