Plot

(USA, 1949, 117 Min.)
Mit Joseph Cotten, Ingrid Bergman, Michael Wilding, Margaret Leighton

Hitchcock im Bild
Drei Viertel seiner Filme „signiert“ Hitchcock, indem er selbst im Bild erscheint. Normalerweise baut er diesen kleinen Scherz in den ersten drei Minuten ein, um den Zuschauer nicht von der Handlung abzulenken. In „Sklavin des Herzens“ wohnt Hitchcock der Parade zu Ehren des Gouverneurs bei. Er trägt einen blauen Mantel und einen braunen Zylinder. Es ist einer der wenigen Filme, in denen er im historischen Kostüm erscheint. Ausnahmsweise tritt er hier zehn Minuten später ein zweites Mal auf: zusammen mit zwei anderen Männern auf den Stufen des Gouverneurshauses.Was sonst noch geschah …
Zwei Anekdoten: 1964 gaben sich Margaret Leighton und Michael Wilding, die schon mehrere gemeinsame Filme gedreht hatten, das Jawort. Nach der Hochzeit hängte Wilding den Schauspielerberuf an den Nagel und wurde zum größten Bewunderer seiner Frau.Der Schauspieler Joseph Cotten erlaubte sich in seiner Autobiographie „Mein unbescheidenes Leben“ ein despektierliches Wortspiel: Er verwandelte den Originaltitel des Films, „Under Capricorn“ (wörtlich: Unter dem Wendekreis des Steinbocks), anagrammähnlich in „Under Corny Crap“ (sinngemäß: Unter dem Wendekreis des Schnulzenfilms)!
Ein Shakespeare’sches Drama
Wie die schreckliche Mrs. Denver, die in dem wunderbaren Film „Rebecca“ (1940) ihre junge Herrin manipuliert, setzt die Haushälterin Milly Lady Henrietta seelischer Folter aus, erniedrigt sie, verleitet sie zum Trinken und versucht am Ende sogar, sie zu vergiften. Wie Jago in Shakespeares „Othello“ flüstert sie Sam ein, seine Gattin sei eine Ehebrecherin. Die Szene, in der Milly das vergiftete Getränk bringt, erinnert an das berühmte Pendant in „Verdacht“.Joseph Cottens schauspielerischer Stil erinnert an den des großen Shakespeare-Darstellers Orson Welles. Dieser hatte mit Cotten zusammen das berühmte Mercury Theatre in New York gegründet, drehte mehrere Filme mit ihm und war vom Spiel und von der tiefen Stimmlage her Cottens Vorbild.
„Bewegliches“ Technicolor
„Sklavin der Liebe“, Hitchcocks zweiter Technicolor-Film, stellte in vieler Hinsicht eine ungeheure technische Herausforderung dar. Teilweise drehte der Regisseur - wie schon 1948 in „Cocktail für eine Leiche“ - elfminütige Einstellungen, was damals der vollständigen Dauer einer Filmspule in der Kassette entsprach. Die subjektive oder beinahe subjektive Kamera folgt Charles, wie er zuerst eine für ihn neue Welt entdeckt und dann Henriettas Geschichte wie ein Puzzle zusammensetzt. Ein großes Verdienst kommt dem genialen Kameramann Jack Cardiff zu, der wegen seiner technischen Erfindungen in der Fachwelt das „Enfant Terrible des Technicolor“ genannt wurde. Manchmal verwendete er nur „Kerzenlicht“ wie in der Party-Szene. 1949 wog die Technicolor-Kamera ebenso schwer wie ein Auto, war über 2 Kubikmeter groß, und das 3-Farben-Verfahren war bei Lichtschwankungen nicht sehr stabil. Hitchcock musste übrigens Lehrgeld für seine Experimente zahlen: Bei einer Liebesszene zwischen Wilding und Bergman fiel ihm die Kamera auf den Fuß und brach ihm den großen Zeh!Ingrid Bergman, eine gotische Heldin
In „Sklavin der Liebe“ konzentrierte sich Hitchcock auf die Vergangenheit der Protagonisten und das Dreiecksverhältnis. Die mangelnde Spannung und das etwas zu dick aufgetragene Happy End erklären möglicherweise den relativen Flop des Films in den USA. Wie in „Rebecca“ gibt es auch hier zahlreiche gotische und phantastische Elemente wie den Schrumpfkopf auf dem Kopfkissen oder die Inschrift des Flusky-Wohnsitzes „Minyago Yugilla“ (was soviel bedeutet wie „Warum weinst du?“). Dennoch schrieben Chabrol und Truffaut 1958 in den „Cahiers du Cinéma“ begeisterte Kritiken über den Film. Das Abbild der Heldin in einem improvisierten Spiegel, ihr Geständnis oder die Großaufnahme ihrer Augen, als sie ihre Haushälterin bei deren Mordversuch überrascht – dank dieser ungewöhnlichen Szenen war der Film für die beiden Kritiker eine Ode an das Antlitz der Bergman.Filmanfang (mit Vorspann) in nicht-untertitelter Originalfassung:
Filmmusik – Komponist: Richard Addinsell:
Vergleich zwischen „Psycho“ und „Sklavin des Herzens“: die Szene der Entdeckung des gotischen Hauses (Michael Wilding geht auf das Minyago-Yugilla-Haus zu und Vera Miles auf das Haus von Norman Bates)
Ingrid Bergmans Monolog in nicht-untertitelter Originalfassung:
Spoilerwarnung, Filmende: der Schrumpfkopf auf dem Bett und das Gift in nicht-untertitelter Originalfassung:







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