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Zitaten - Ballade

„Europa – was ist das eigentlich?“, so fragen sich viele Europäer seit den Anfängen des Aufbaus eines gemeinsamen Europas. Die Definitionen von Historikern, (...)

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05/11/08

Slavoj Zizek (Slowenien)

Slavoj Zizek respektiert das Nein zur europäischen Verfassung im Namen des universellen Europas


Der slowenische Intellektuelle Slavoj Zizek passt in keine Schublade und ist heute eine der bekanntesten Figuren in europäischen Philosophenkreisen. Der Philosoph und Psychoanalytiker wurde 1949 in Ljubljana geboren, wanderte Anfang der 70er-Jahre nach Frankreich aus und lebt heute teils in Slowenien, teils in Argentinien und teils in den USA. Er ist Forschungsleiter am Institut für Sozialforschung in Ljubljana. Zizek ist entschiedener Kapitalismusgegner und verbindet eine auf dem Marxismus fußende radikale Kritik am globalen Kapitalismus mit an Lacan angelehnten Überlegungen zur Ideologie der liberalen Massendemokratien. Slavoj Zizek predigt eine „Repolitisierung“ der Wirtschaft. Sein Werk verbindet die Analyse von Hollywood-Blockbustern mit Bezügen zu modernster politischer Philosophie von Giorgio Agamben bis Toni Negri. Die Analyse des kapitalistischen Imaginären in Fight Club gehört zu den originellsten Aspekten seines Werks. Sein Kulttext über Matrix, der 2004 veröffentlicht wurde, ist ein Höhepunkt Lacanscher Analyse. Slavoj Zizek hat zahlreiche Werke veröffentlicht, die in viele Sprachen übersetzt wurden. Als Beispiele seien genannt: „Willkommen in der Wüste des Realen“ (2005) und “What does Europe want?” In letztgenanntem Werk beschäftigt er sich mit der Entwicklung Europas, wo eine Wiederaneignung demokratischer Werte einen neuen Weg öffnen könnte: einen Weg zwischen amerikanischem und chinesischen Kapitalismus. Für ihn hat der Philosoph die ethisch-politische Aufgabe herauszufinden, wo es Möglichkeiten gibt, etwas zu bewegen. In diese Richtung geht auch seine Interpretation des „Neins“ beim Referendum in Frankreich.

„Auch wenn wir nicht wissen, was wir machen sollen, besteht unsere wichtigste Aufgabe heute darin, Freiräume zu bewahren. Ein ethischer Akt ist für mich die Tat einer Minderheit und hat den Anspruch, Universelles neu zu artikulieren […]“
„Wenn man zum Beispiel einer substanziellen Ordnung angehört, d.h. einer (christlichen, jüdischen, politischen oder anderen) Gemeinschaf, dann ist die wirkliche Entscheidung, der Moment, in dem man seine Gemeinschaft im Namen von deren eigenen grundlegenden Werten  verraten muss. So das Nein zur europäischen Verfassung. Diese Verfassung war ein bürokratischer Kompromiss! Natürlich bin ich mir bewusst, dass unter den Gegnern der Verfassung auch einige reaktionäre Kräfte sind. Es ist leicht, im Namen eines proto-populistischen, nationalistischen  Provinzialismus nein zu Europa zu sagen.  Aber ein Nein zu Europa im Namen Europas, im Namen eines universellen Europas, das ist wirklich ein Akt, und ich glaube, dass das Raum schaffen kann“.

Auszüge aus einem Interview mit Le Monde vom 7. April 2006, erschienen in Le Monde des livres unter dem Titel „Rencontre“.

Erstellt: 20-06-06
Letzte Änderung: 05-11-08