Schriftgröße: + -
Home > Kultur entdecken > Kultur Digital > > Software goes Art

Kultur Digital

Transmediale Sk-interfaces Ars EMAF 2009 teil 3 teil 2 teil 1 Transmediale Article Ars electronica Tuned City Sonar Màtica oder das grosse Staunen (...)

Kultur Digital

12/05/04

Software goes Art

Am 19. und 20. März diesen Jahres veranstaltete das "Centre de Recherches d'Esthétique du Cinéma et des Arts Audiovisuels" (Forschungszentrum für Film- und Fernsehästhetik) der Universität Paris I an der Sorbonne ein internationales Symposium unter dem Titel "Programmation orientée art" (etwa: "Software goes Art").

Genausogut hätte das Motto der Veranstaltung auch "Art goes Software" lauten können, denn ihr Thema war die Rolle von Softwareprogrammen in der modernen Kunstszene: Software kann hier einmal als funktionales Instrument dienen (d.h. wenn Programmcode und Programmiersprachen auf unterschiedlichen Ebenen als Hilfsmittel für den künstlerischen Schaffensprozess eingesetzt werden), zum anderen kann die Software selbst das gestalterische Ziel sein (nämlich dann, wenn das vom Künstler geschriebene Programm selbst zum künstlerischen Werk wird). Daher auch die Bezeichnung "Software Art", ein Phänomen, das in den letzten Jahren zunehmend in den Blickpunkt des Interesses gerückt ist.


Das Symposium mit dem Untertitel "Dekodierung und Kritik" wurde mit einem Vortrag von Bernard Stiegler eröffnet. Der Philosoph und Leiter des Ircam (Institut de Recherche et Coordination Acoustique/Musique) bestreitet die Existenz einer "digitalen Kunst" im eigentlichen Sinne und zieht es vor, vom "digitalen Zeitalter der Kunst" zu sprechen.


Im weiteren Verlauf des Symposiums beschrieben und demonstrierten zahlreiche Künstler, wie sie das Programmieren von Software in ihrer kreativen Praxis einsetzen. Charles Sandison präsentierte seine Installationen, bei denen der Besucher einen abgedunkelten Raum betritt, in dem die Wände die Rolle des Bildschirms übernehmen und Tausenden von vorbeiwandernden weißen Wörtern als Projektionsfläche dienen, so dass man das Gefühl hat, in ein Meer von Text einzutauchen. Paul Devautour sprach über die Installation "Black Box" des Cercle Ramo Nash, und Frédéric Durieu stellte seine Web-basierten User-Interfaces vor. Bei dieser Gelegenheit konnte man auch das Künstlerpaar Steina und Woody Vasulka kennenlernen. Sie galten bereits in den 60er Jahren als Pioniere der elektronischen Kunst. Auch heute noch experimentieren die Vasulkas noch eifrig mit akustischen und visuellen Signalen, die sie verfremden und mischen.


Neben diesen Künstlern, die sich auf raffinierte Weise der Computertechnologie bedienen, um Musik, Videos etc. zu produzieren, betrachten andere das Programmieren - und Software als die Umsetzung dieser Computerbefehle in ausführbare Programme - nicht nur als Ausgangpunkt ihrer Arbeit, sondern als deren eigentliches Ziel. Olga Goriunova, Florian Cramer , Matthew Fuller, und Andreas Broeckmann sprachen über "Software Art" und vertraten hierbei ganz unterschiedliche Ansichten. Antoine Schmitt stellte die Arbeiten seines "Open Online Studio" vor und führte dem Publikum vor, auf welche Weise er nicht nur als Künstler, sondern auch als Programmierer agiert. Geoff Cox und Alex McLean brachten den Begriff der "Generativen Kunst" in die Diskussion ein; Alex McLean präsentierte zudem mit Hilfe der von ihm entwickelten Software-Tools eine kurze Sound-Performance. Robin Fercoq stellte seine Programmiersprache Ca2 vor, die er entwickelt hat, um die im Innern eines Computers permanent ablaufenden Rechenprozesse simulieren zu können. Robin gehört zum Künstlerkollektiv "Téléférique", dessen Mitglieder an einem der Abende eine gemeinsam gestaltete Performance präsentierten. Téléférique ist auch der Name ihrer Website, auf der von verschiedenen Computerkünstlern geschriebene Softwareprogramme als Download verfügbar sind.

Das Symposium widmete sich daneben auch dem "Hacktivismus" (zusammengesetzter Begriff aus "Aktivismus" und "Hacking", dem unberechtigten Eindringen in fremde Rechnersysteme mit Hilfe spezieller selbstgeschriebener Programme). Zu diesem Thema fand eine Podiumsdiskussion unter Leitung von Nathalie Magnan statt. Zu den Teilnehmern gehörten: Matthew Fuller, Isabel Vojdani, die das Konzept von "Copyleft_Attitude" erläuterte, der witzige und abgedrehte Frederic Madre sowie Christophe Bruno, der 2002 sein Google AdWords Happening veranstaltete, wobei er sich der inhärenten Funktionen der bekannten Suchmaschine bediente, um eine pfiffige Anzeigenkampagne zu starten.

Nach zwei Tagen dieser fesselnden, aber auch strapaziösen Marathonveranstaltung hatte das Duo Jodi seinen Auftritt. Die beiden Net-Artists präsentierten eine unterhaltsame Teleshopping-Show rund um ihre DVD, auf der sie ihren Dialog mit einem Computerfossil, dem ZX Spectrum-Heimcomputer aus dem Jahre 1982, aufgezeichnet haben. Die Hauptrolle spielt hier der Code, der auf rudimentäre Befehle hin ebenso einfache grafische Formen auf dem Bildschirm generiert; eine vergnügliche und elegante Spielerei mit den damals noch begrenzten Hard- und Software-Ressourcen. Ganz ähnlich funktionieren auch Jodis zweckentfremdete Internet-Browser, die sie als "%WRONG Browser" bezeichnen, oder auch "Untitled Game", ihre stark reduzierte, minimalistische Parodie des Videogames "Wolfenstein".
.....................................................
On line
>> runme .org

>> Charles Sandison
>> "Black box" des Cercle Ramo Nash
>> Frédéric Durieu "Le ciel est bleu"
>> Steina und Woody Vasulka

>> Andreas Broeckmann
>> Antoine Schmitt "gratin.org"
>> Geoff Cox "l'art génératif"
>> Alex McLean
>> Robin Fercoq

>> Nathalie Magnan
>> Matthew Fuller und Isabelle Vodjdani "Copyleft_Attitude"
>> Frederic Madre
>> Christophe Bruno "Google AdWords Happening"

>> Jodi
>> %WRONG Browser
>> Untitled Game

Erstellt: 10-05-04
Letzte Änderung: 12-05-04


+ aus Kultur entdecken