Seitdem ist es Touristen offiziell verboten, an Hochzeiten teilzunehmen. Und auch verschleierte Frauen erlauben nur noch in Ausnahmefällen, dass man sie fotografiert oder filmt. Die Angst vor dem Missbrauch der Bilder geht so weit, dass viele glauben, man könnte sie durch digitale Bildbearbeitung nachträglich entkleiden.
Mit der Familie unseres Protagonisten, die ich bereits einige Wochen vor Drehbeginn bei meinen Vorrecherchen kennengelernt hatte, gab es eine Verabredung: Wir würden die Ehefrau verschleiert filmen können, nicht aber die älteste 18-jährige Tochter. Die Stimmung am ersten Drehtag war gelöst, abends haben wir uns alle gemeinsam die ersten Szenen angeschaut und hatten viel Spaß dabei. Doch schon am nächsten Tag herrschte plötzlich eine angespannte Atmosphäre. Ab jetzt waren immer irgendwelche Nachbarn da, um zu sehen, was auf dem Bauernhof vor sich geht. Und verbreiteten Gerüchte: dass wir auch die Tochter drehen; dass wir mit unserer Kamera in die Höfe des nächsten Dörfes (ca. 5 Kilometer entfernt) spähen würden um heimlich die Frauen zu beobachten. Natürlich bekam die Familie Angst um ihren Ruf, und wir konnten fortan nur noch mit den Männern drehen.
Die Gerüchte über unsere Dreharbeiten drangen bis in den 65 Kilometer entfernten Hauptort, wo eine aufgebrachte Gruppe von Männern drohte, unser Drehmaterial von der Polizei beschlagnahmen und auf Frauenbilder hin überprüfen zu lassen. Nur mit großer Not ließ sich das abwenden.
Bei aller Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Sokotris hat dieses Misstrauen unsere Dreharbeiten immer wieder belastet. Zweimal ist es vorgekommen, dass Männer, mit denen wir gedreht haben, ihre Frauen und Töchter regelrecht vor uns versteckt haben. Mitunter gegen den vehementen Widerstand der Frauen, die neugierig waren, uns kennenzulernen und die Dreharbeiten zu beobachten.
Zeitgleich mit uns hat auch ein jemenitisches Team einen Film über Sokotra gedreht. Zufällig begegneten wir uns, als wir am Flughafen drehten. Der Regisseur bat, mich zu meinen Eindrücken von der Insel interviewen zu dürfen. Vor laufender Kamera erklärte er, ich sei „der erste Mann - pardon,“ er druckste etwas herum, „vielmehr das erste menschliche Wesen“, das er auf Sokotra interviewe.
Als Ausländerin konnte ich zwar unverschleiert vor eine Kamera treten. Aber offenbar nicht als Frau...







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