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Montag, 5. Februar 2007 um 23.10 Uhr - 01/03/07

Soldaten der IRA 1&2

Nach eingehenden Recherchen und mit sorgfältig ausgewähltem Archivmaterial sowie der Gegenüberstellung der Aussagen von irischen, englischen und amerikanischen Politikern gelingt der Dokumentation eine Darstellung von rund 30 Jahren des irisch-britischen Konflikts.

Der erste Teil befasst sich mit den wichtigsten Fakten der teilweise bewaffneten Auseinandersetzungen und den verschiedenen strategischen und politischen Ausrichtungen der Protagonisten in den Jahren 1969 bis 1986. Sie erzählt von der Wiedergeburt der IRA über den Gefängnisaufstand bis hin zum Sieg der Partei Sinn Féin, des politischen Flügels der IRA.

Die zweite Folge befasst sich mit den Verhandlungen, den militärischen Untergrundaktionen bis 1986 und mit der neuen politischen Entwicklung des Konflikts nach diesem Datum. Sie erörtert auch die daraus entstandenen Friedensperspektiven.


23.10 Uhr : Die blutigen Jahre (1/2)

Dokumentation, Großbritannien 1997, ARTE F, Synchronfassung
Regie: Andrew Williams, Peter Taylor

Unter dem Einfluss der früheren IRA, die dem bewaffneten Kampf abgeschworen hatte, vereint eine Bürgerrechtsbewegung 1968 nach amerikanischem Vorbild die Katholiken Nordirlands, um sich gegen die bürgerlichen und sozialen Ungleichheiten in der Region aufzulehnen. Politiker und Loyalisten reagieren heftig. So stürmt im August 1969 die Polizei das Wohnviertel Bogside in Derry, während loyalistische Paramilitärs die katholischen Wohnviertel Belfasts in Brand setzen. In diesem rechtsfreien Raum bilden sich die "Provo's" (die "Provisorischen") als die neue IRA heraus. Binnen eines knappen Jahres werden die britischen Soldaten, die 1969 wie Retter empfangen wurden, zu Feinden. Der als "Bloody Sunday" in die Geschichte eingegangene 30. Januar 1972, bei dem nationalistische Demonstranten brutal niedergeschossen wurden, beschleunigt den Prozess, und die provisorische IRA geht von einer Verteidigungs- zu einer Angriffsstrategie über.

Nach Klärung der geschichtlichen Hintergründe schildert die Dokumentation die Hauptetappen des Konflikts. 1972 bis 1975: Die britische Regierung unterstellt Nordirland nach Auflösung des nordirischen Parlaments 1972 ihrer direkten Kontrolle. Die britische Internment-Politik wird eingeführt, und es kommt zu ersten Verhandlungen mit den Nationalisten. Doch es folgen der Bruch mit England und die erste Attentatserie auf englischem Boden. 1975 kommt es zum Waffenstillstand und der Anerkennung von Sinn Féin als vollwertiger Partei. Doch ein erneuter Bruch mit England lässt sich nicht vermeiden.

1976 bis 1981: Die Strategieänderung der Engländer führt zur "Kriminalisierung der IRA". Es kommt zur Änderung der Rechtsverhältnisse und zur Fortführung der Internment-Politik. Die IRA reagiert mit der Aufnahme des Kampfes innerhalb der Gefängnisse, beginnend mit dem Blanket-Protest, das heißt mit der Weigerung, die Häftlingskleidung zu tragen, gefolgt von der Weigerung, sich zu waschen ("no wash campaign") und schließlich dem großen Hungerstreik, dem zehn republikanische Häftlinge zum Opfer fallen.

1981 bis 1986: Der breite Aufstand im Anschluss an den Tod Bobby Sands, der an den Folgen des Hungerstreiks starb, rüttelt Sinn Féin auf. Die Partei erklärt den demokratischen Weg zum vorrangigen Ziel und legt bei den Wahlen kräftig zu. Die neue Generation republikanischer Politiker triumphiert, allen voran Gerry Adams, der Abgeordneter im britischen Parlament wird.

00.15 Uhr: Vom Terrorismus zur Politik (2/2)

Dokumentation, Großbritannien, ARTE F, Synchronfassung
Regie: Andrew Williams, Peter Taylor

Auf dem Höhepunkt der Attentatserie in England im Jahr 1974 werden geheime Kontakte zwischen einem britischen Geheimagenten (Deckname "The Moutain Climber") und der IRA hergestellt, die einen Waffenstillstand bewirken. Das Scheitern der Gespräche im Jahr 1975 bringt diese Verhandlungen jedoch wieder zum Stillstand, der "geheime Krieg" gewinnt die Oberhand.

Der Hungerstreik des Jahres 1981 führt eine neue Generation zum bewaffneten Kampf. Die Attentatserie, die im Bombenanschlag von Brighton kulminiert, ändert nichts an der öffentlichen Meinung der Briten, und die IRA gerät immer tiefer in den radikalen bewaffneten Kampf. Sie bezieht Waffen aus Libyen und versucht - allerdings vergeblich - sich moderne Raketen aus den USA zu besorgen.

Die britische Regierung reagiert mit der Verschärfung ihres Krieges gegen die IRA. Sie entwickelt ein dichtes Informantennetz, betreibt eine langfristige Unterwanderungsstrategie und setzt Spezialtruppen ein. IRA-Mitglieder werden in tödliche Fallen gelockt, und die Familien der Republikaner werden von den loyalistischen Paramilitärs angegriffen.

Doch dieser "schmutzige Krieg" bringt keinen Erfolg, und erneut wird ein politischer Weg favorisiert. Die Diskussionen zwischen Gerry Adams und dem nationalistischen Politiker John Hume münden 1988 in die Ausarbeitung einer gemeinsamen nationalistischen Strategie.

1990 wird der Kontakt zu "The Mountain Climber" wieder aufgenommen, und die Verhandlungen bewegen die IRA 1994 dazu, einen einseitigen Waffenstillstand auszurufen. Trotz der Schwierigkeit der britischen Regierung, sich im Konflikt zu positionieren, und trotz des Attentats auf das Canary Wharf Financial Centre 1996 gewinnt der politische Weg an Boden.

Die Dokumentation endet mit einer Analyse der Friedensperspektiven vor dem Hintergrund des im April 1998 unterzeichneten Karfreitags-Abkommens, dem ersten Schritt zu einer relativen Befriedung des nordirischen Konflikts, der nach wie vor einen politischen Brennpunkt in Europa bildet.

Erstellt: 18-01-07
Letzte Änderung: 01-03-07