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KurzSchluss

"KurzSchluss - Das Magazin" zeigt die neuesten Kurzfilme aus aller Welt - und wirft einen Blick hinter die Kulissen: mit Porträts, Drehberichten, aktuellen Festival- und Filmtipps und vielen spannenden Interviews.

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Mittwoch 01. März 2006 um 00.30 Uhr - 14/02/06

Sondersendung Australien

Australien - ein Land, von dem man viele Klischees im Kopf hat: Wüste, Weite, Koalas und Kängurus. Aber Australien hat auch eine reiche, sehr spezifische Filmkultur und viele Talente auf dem Gebiet des Kurzfilms zu bieten. Wie sich Landschaft, Geschichte und geopolitische Lage auf die Ästhetik und die Inhalte von Kurzfilmen auswirken, diesen Fragen ging Autorin Daniela Thiel nach und machte sich auf die Reise, um zwischen Melbourne und Sydney den australischen Kurzfilm, seine Förderer und seine Macher zu besuchen.

Unter anderem traf sie Lisa Pieroni, die für das Australien Center for the Moving Image arbeitet und verschiedene Kurzfilmfestivals organisiert. Außerdem sprach sie mit Jenny Sabine, Leiterin der School of Film and Television und einem ihrer Studenten, Johnnie Stanley. Es folgt ein Gespräch mit Peter Kaufmann arbeitet für die landesweite Filmförderanstalt Australian Film Commission, die jedes Jahr zehn bis zwölf Kurzfilme fördert.

Darüber hinaus hat die sie ein spezielles Förderprogramm für Filme der Ureinwohner, der Aborigines. Interviews führte "KurzSchluss" zudem mit der Kurzfilm-Produzentin Carmel McAloon und dem Filmemacher Adam Elliot, der für seinen Knetanimationsfilm Harvey Krumpet 2004 mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. "KurzSchluss - Das Magazin" zeigt Filmausschnitte aus Harvey Krumpet von Adam Elliot, The Road Ahead von Carmel McAloon, Cracker Bag von Glendyn Ivin, We Have Decided Not to Die von Daniel Askill, Burn Out von Johnnie Stanley und The Djarn Djarns von Wayne Blair.


  • Eine Reportage von Daniela Thiel

Australien ist ein spannendes Reiseland, in dem man alles findet, was die Medien in Europa darüber berichten: fremdartige Tiere, meilenweit Einsamkeit und extreme Landschaften. Aber außerdem bietet Australien auch eine reiche Filmkultur, viele Regie-Talente und international ausgezeichnete Filme.

Ich bin nach Melbourne gereist, um zu erfahren, wer auf der anderen Seite der Welt – 20.000 Kilometer von uns entfernt - Filme macht und welchen Einfluss Landschaft, geografische Lage und die multikulturelle Gesellschaft auf ihre Themen und ihren Stil haben.

In Melbourne treffe ich mich als erstes mit Lisa Pieroni, die sich durch langjährige Festivalerfahrung gut in der Kurzfilmszene auskennt. Von ihr erfahre ich, dass die Australier ein starkes Interesse an Kurzfilmen haben, es gibt eine große Anzahl von Festivals und viele Kneipen zeigen eigene Kurzfilm-Programme. Die große Begeisterung dafür kommt Lisas Einschätzung nach vor allem durch die internationalen Erfolge, die australische Kurzfilme in letzter Zeit hatten: Wie zum Beispiel „Harvie Krumpet“ von Adam Elliot, der 2004 den Oscar als beste Animation erhielt, oder „Cracker Bag“ und „Blue Tongue“, die beide in Cannes liefen.

Es gibt in Australien zwei große und bekannte Filmschulen. Die eine ist in Sydney, die andere ist Teil des „Victorian College of the Arts“ (VCA) in Melbourne. An der VCA treffe ich Jennifer Sabine, die Leiterin. Sie erzählt, dass es hier, in dieser Schule, vor allem um die Geschichten geht, die man erzählen möchte – die Technik steht an zweiter Stelle, man braucht sie, weil man damit etwas ausdrücken will.
Jeder Student schreibt seine Drehbücher selbst und führt zusätzlich Regie. Die meisten schneiden ihre Filme sogar selbst. Es gibt also keine Unterteilung in Kamera-, Drehbuch- oder Regie-Klassen, entscheidend ist die Art von Film, die man machen möchte. Deshalb gibt es die Aufteilung in Animations-, Spielfilm- und Dokumentarfilmklassen.

Auch Oscar-Preisträger Adam Elliot hat am VCA studiert. Nachdem er 5 Jahre lang mit großem Erfolg selbst bemalte T-Shirts auf Märkten verkaufte, bewarb er sich an der Schule, die ihn erst nicht aufnehmen wollte. Als ein anderer Student absprang, rückte er im Aufnahmeverfahren nach. Heute ist er Australiens bekanntester Kurzfilmer. An der VCA studierte er Animation – und erweckte so seine zweidimensionalen T-Shirt-Wesen zum Leben.

Nach dem internationalen Erfolg mit seiner Knetanimation „Harvie Krumpet“ erhielt er viele Angebote aus dem Ausland, unter anderem auch von Disney. Doch da er sich seinem Land sehr verbunden fühlt, hat er beschlossen, in Australien zu bleiben und arbeitet dort gerade an dem ersten langen australischen Knetanimationsfilm, der bis Ende 2008 fertig werden soll.

In Australien gibt es in jedem Bundesland eine staatliche Filmförderanstalt. Zusätzlich deckt „The Australian Film Commission“ das ganze Land ab. Umgerechnet stellt sie etwa 600 000 Euro für die Produktion von 8-10 Kurzfilmen pro Jahr zur Verfügung. Zusätzlich gibt es ein Budget für Animationen und für Filme von Aborigines.

Seit etwa 10 Jahren hat sich bei den Aborigines eine Filmemacherszene entwickelt. In den Anfängen ging es vor allem um sehr ernste, kritische Inhalte. Die Regisseure setzten sich mit ihrer Geschichte, dem oft problematischen Zusammentreffen mit der weißen Bevölkerung und dem Leben in den Reservaten auseinander. Viele Filme waren eine Aufarbeitung der traumatischen Erlebnisse der so genannten „Stolen Generation“: Noch bis in die 60er Jahre wurden Kinder der Ureinwohner häufig von ihren Eltern getrennt und in Kinderheime oder weiße Familien gebracht.

Heute entstehen immer häufiger auch humorvolle Filme, die die Kultur der Aborigines und die der Weißen miteinander verbinden.
Peter Kaufmann von der „Film Commission“ ist beeindruckt von der Einzigartigkeit der Filme von Aborigines. Als „weißer“ Australier erfährt er durch diese Filme mehr über deren Kultur. Sie gehen mit einer besonderen Sensibilität an die Geschichten heran, auch der Stil und die Stimmung sind ganz besonders.

Erst nach zwei Monaten reise ich nach Europa zurück. Ich habe viel erfahren über die Filmkultur Australiens, die sehr eigenständig und ausgeprägt ist. Durch die räumlich isolierte Lage behandeln die Filme oft Themen, die sich mit den ganz speziellen Eigenheiten des Landes auseinander setzen. Das macht die Geschichten für uns so überraschend und neuartig. Ich hoffe, dass wir in Europa mehr von diesen Filmen und Geschichten zu sehen bekommen.

Daniela Thiel

Erstellt: 13-02-06
Letzte Änderung: 14-02-06