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17.09.04 UM 20.00 / ARTE KULTUR - 21/09/04

Sondersendung aus dem VOLKSPALAST in Berlin

Sendung sehen

Er ist wohl die wuchtigste architektonische Altlast der DDR, der Palast der Republik. Im nächsten Jahr soll er abgerissen werden um an seiner Stelle das alte Berliner Stadtschloss wiederauferstehen zu lassen. Bis 9. November beherbergt der astbestsanierte und entkernte 70er Jahre-Bau nun ein experimentelles Kulturzentrum. Erstmals steht der Palast damit nach 14 Jahren wieder für einen längeren Zeitraum für das Publikum offen. Anlass genug für ARTE Kultur die Aktionen vor Ort in Augenschein zu nehmen und sich mit dem künslerischen Leiter Matthias Lilienthal über das Projekt VOLKSPALAST zu unterhalten.


Für die verschiedenen Darbietungen wird der ehemalige "Palazzo Prozzo" auf dem Schlossplatz je nach Bedarf in einen Theatersaal, eine Sportarena oder einen künstlichen See für Schlauchbootfahrten verwandelt. Besondere Höhepunkte sind die Projekte „Dialoge 04“ der Tänzerin Sasha Waltz, das Stück "Richtfest", in dem Regisseur Ruedi Häusermann die Besucher in das Jahr 1975 zurückversetzt oder das Projekt „Fassadenrepublik“, für das der Palast mit 300.000 Kubikmeter Wasser geflutet wird, und die Besucher in einem Schlauchboot herumzuschippern können, vorbei an einer labyrinthischen Fassadenstadt.

Die Veranstalter nennen das Spektakel eine "typische Zwischennutzung". Dass durch die Aktion aber auch die Gegner eines Abrisses wieder auf den Plan gerufen hat, ist kein Geheimnis. Laut Bundestagsbeschluss sollen im nächsten Frühjahr die Bagger anrücken und den Palast endgültig abreißen, doch sind weder die 80 Millionen Euro Spenden für den Aufbau der Stadtschloss-Fassade gesammelt, noch haben Bund und Land die 20 Millionen Euro beisammen, die der Palastabriss kosten würde. Was es in Fülle gibt, sind Zukunftspläne der Künstler.



Zur Geschichte des Palast der Republik -
Vom "Haus des Volkes" über den "Palazzo Prozzo" bis zum VOLKSPALAST
Der Grundstein für den aufwändigsten Neubau Ostberlins nach dem zweiten Weltkrieg war 1973 vom damaligen DDR-Staatschef Honecker gelegt worden. Der Palast wurde anstelle des im Krieg stark beschädigten Hohenzollernschlosses errichtet. Er war Sitz der DDR-Volkskammer und wurde zugleich für Kultur-, Show- und Ball-Veranstaltungen genutzt. Der Volksmund prägte für den Bau eigene Namen wie "Palazzo Prozzo" und "Erichs Lampenladen".
1990 wurde der Bau wegen Asbestverseuchung geschlossen. Jahrelang wurde über eine eventuelle neue Nutzung gestritten. Es gab verschiedene Vorschläge von Restaurierung, Umbau, Kombination mit dem Stadtschloss bis zur Abrissforderung und verschiedenen Varianten zum Schloss-Neubau. Die Entscheidung fiel im November 2003, als der Bundestag für den Abriss des Palastes stimmte, geplant für Februar 2005.
Im Januar 2004 bekam der seit März 2003 gegründete Verein "Zwischen Palast Nutzung" nach einem Sitzungsmarathon und nicht enden wollenden Verhandlungen mit Politikern, Verwaltungsbeamten und Vertretern der Wirtschaft, nach diversen Konzeptvorschlägen und Diskussionen mit Kuratoren, Künstlern und Kulturschaffenden endlich das grüne Licht für eine kulturelle Zwischennutzung.

>> Mehr Details im chronologischen Abriss



Biographie Matthias Lilienthal

Während seiner vierjährigen Arbeit in Basel (1988-1992) arbeitete Matthias Lilienthal als Dramaturg mit Christoph Marthaler, der ihn an die Berliner Volksbühne holte, wo Lilienthal von 1992 bis 1998 Chefdramaturg war. In dieser Zeit arbeitete er mit theatergeschichtlich bedeutsamen Künstlern zusammen wie Intendant Frank Castorf, Christoph Marthaler, Johann Kresnik, Christoph Schlingensief, Andreas Kriegenburg und vielen anderen. Von 2000 bis 2002 organisierte Lilienthal das Theater der Welt im Ruhrgebiet. Seit Oktober 2003 hat er nun das traditionsreiche Hebbel-Theater übernommen und mit ihm das Theater am Halleschen Ufer, die ehemalige Spielstätte der Schaubühne unter Peter Stein, sowie das Theater am Ufer, einige Jahre lang Heimat von Andrei Worons Teatr Kreatur. Für das Projekt VOLKSPALAST ist er Ko-Leiter zusammen mit Amelie Deuflhard.



(Sabine Lange)

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Projekt VOLKSPALAST
vom 20. August bis zum 9. November 2004
Palast der Republik
bis Mitte November 2004
Schloßplatz
Berlin / Mitte
>> Website des VOLKSPALAST




In der Sendung angesprochene Projekte:

FASSADENREPUBLIK
Ein Projekt von raumlabor-berlin (Benjamin Foerster-Baldenius, Markus Bader, Matthias Rick) und Peanutz - Architekten (Elke Knoess, Wolfgang Grillitsch)
>> Mehr Infos zur Fassadenrepublik auf den Seiten des VOLKSPALAST

Being the future
Konzept: Boris Ondreicka
Mit: Boris Ondreicka, den Konzeptkünstlern Jiri Kovanda, Jef Geys, Stano Filko und Vertretern des Laton-Labels Franz Pomassl, Anna Ceeh, CM von Hausswolff u.a.
>> Mehr Infos zu Being the future auf den Seiten des VOLKSPALAST


Links

>> Artikel: Bund und Berlin streiten um Abrisstermin
>> Artikel: Endgültiges Aus - Palast der Republik wird abgerissen
>> Artikel: Palastfahrt per Schlauchboot - Die Berliner Off-Kultur hat den Palast der Republik gerettet (Märkische Allgemeine 21.08.2004)
>> TAZ-Artikel: Palastrevolte - Land unter im Volkspalast
>> Spiegel-Artikel : Paddeln im Lampenladen
>> Spiegel-Artikel: Flut im Labor

>> Website des Hebbel am Ufer
>> Info zu Matthias Lilienthal
>> NZZ-Artikel: Matthias Lilienthal übernimmt im Herbst das Berliner Hebbel-Theater
>> Spiegel-Artikel : Hebbel am Ufer ist Theater des Jahres

Photos © David Baltzer


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ARTE Kultur

Von Montag bis Samstag um 20.00
Angaben unter Vorbehalt

Erstellt: 15-09-04
Letzte Änderung: 21-09-04