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12/06/2007 - Southern Soul - 28/08/08

Southern Soul from the Chitlin' Circuit

„Motel Lovers“


In ihren Heimatstädten Alabama, Jackson und Mississippi werden sie wie Superstars gefeiert, doch der Rest der USA ignoriert ihre Musik. „Motel Lovers“ präsentiert die Local Heroes des Southern Soul erstmals in Europa.

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Bobby Rush - Night Fishin (Real Audio, 1'29")
Big Cynthia - Don't Rock the Boat (Real Audio, 1'29")
Lee Fields - I'll Go to Jail (Real Audio, 1'29")




Der Southern Soul ist eine spezifische Variante des R’n’B. Ihn zeichnet ein schnörkelloser und zurückgelehnter Funkrhythmus aus, gepaart mit Bluesgitarren und einem souligen Gesang. An den Wochenenden locken die charismatischen Sängerinnen und Sänger Massen von Familien zu Blues Picnics und Open-Air-Konzerten. Ihre Songs werden von der Black Community geliebt und sind die Hits regionaler Bluessender. Dennoch ist der Southern Soul oberhalb des Bible Belts unbekannt, da er von nationalen Radiostation ignoriert und gar als „Chitlin’ Circuit“ Phänomen marginalisiert wird.

Damit einhergehend bleibt der nationale als auch internationale Erfolg aus. So muss bei mancher Produktion gespart werden. Für ein Streicherensemble fehlt meist das Geld, manchmal sogar für den Bläsersatz und Schlagzeuger. Doch der „billig“ klingende Ersatz aus dem Keyboard wird von den stimmgewaltigen Sängerinnen und Sängern wettgemacht. Wenn Barbara Carr, Bobby Rush oder Lee Fields loslegen, dann vibrieren die Lautsprecher. Auf Plakaten und CD-Cover setzen sich die Stars des Southern Soul bewusst lasziv und sexy in Szene. Die Frauen zwängen sich in enganliegende Kleider, deren aufdringlichen Farben oder Tigermuster ins Auge stechen, und die Männer setzen auf figurbetonende Anzüge. Sie behängen sich mit reichlich Gold und posieren vor schrillen Hintergründen, direkt aus der selbstgemachten Welt des Photoshops. Ihre klischeehafte Selbstdarstellung ist Spiegel ihrer Songs, denn der Southern Soul handelt zumeist von leidenschaftlichem Sex, vom Lieben und Betrügen in der Ehe. Während sich die Männer über die Nebenbuhler und heimlichen Liebhaber ihrer Gemahlinnen beschweren, argwöhnen die Frauen über den homosexuellen Angelfreund ihres bisexuellen Gatten.

Die meisten Sängerinnen und Sänger erfüllen nicht das Idealbild der Majorlabels, da ein Großteil entweder übergewichtig oder schlichtweg zu alt ist. Um so mehr fasziniert das selbstbewusste und emanzipierte Auftreten der Big Mamas im Rentenalter, die kein Blatt vor den Mund nehmen. Wie zum Beispiel Denise Lasalle, die sich in „Long Dong Silver“ über einen schlechten Liebhaber beklagt: „you told me you would ride me like a mule / from dust to dawn / you know I stayed there, laid there but you couldn’t deliver“. Oder wenn Big Cynthia ihrem Gespielen in „Don’t Rock The Boat“ erklärt, wie er eine große Frau am besten beglücken kann.

Aber wahrscheinlich ist es ja gerade dies, die selbstbewusste Sinnlichkeit und nach außen getragene Sexualität des Southern Soul, die den Rest der USA so verstört. Denn im Vergleich dazu, ist die aufgesetzte Erotik einer Aguilera oder Spears so verrucht und sexy, wie ein Telefonbuch.
Die ausgezeichnete Kompilation „Motel Lovers“ widmet sich einem diskreditierten Part der Black Music Culture und legt darüber hinaus das bigotte Sittenbild der USA offen.


Matthias Schneider

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Motel Lovers
Trikont / Indigo / Nocturne

www.trikont.de
www.trikont.com
www.nocturne.fr

Erstellt: 11-06-07
Letzte Änderung: 28-08-08


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