Spider wird nach mehreren Jahren psychiatrischer Behandlung in geschlossener Anstalt in ein im Osten Londons gelegenes Heim zur Wiedereingliederung verlegt. Nur wenige Straßen von diesem Heim entfernt hatte er als Kind die Tragödie erlebt, die sein Leben zerstört hatte: Er war noch keine zwölf Jahre alt, als sein Vater – darin ist er sich ganz sicher – seine Mutter umgebracht und durch eine Prostituierte ersetzte. An den Ort dieser Tragödie zurückgekehrt, wird Spider nach und nach wieder von seinen Erinnerungen eingeholt.
Die Kritik zum Film
Entgegen allen vorauseilenden Gerüchten bestätigt „Spider“ die Obsessionen des kanadischen Regisseurs, obwohl man von dem Film eine Richtungsänderung in der Filmografie David Cronenbergs erwartet hatte. Von der Idee der Reproduktion mentaler Bilder fasziniert („Naked Lunch“), von der Zweideutigkeit und Komplexität „der Realität“ gefangen und als Liebhaber von Täuschungen und trügerischen Bildern („Dead Zone“, „M. Butterfly“, „eXistenZ“) war Cronenberg natürlich an Patrick McGraths Szenario interessiert. Die Geschichte erzählt detailliert das Grauen, das ein verhaltensgestörter Schizophrener durchlebt. Ralph Fiennes, der sich als Darsteller von Anfang an für das Projekt stark gemacht hatte, komponiert die Figur aus kaum wahrnehmbaren Nuancen; er flucht mehr als er spricht, geht mit unstetem Blick durch die Welt und sieht miserabel aus.
Er ist Spider, er ist der personifizierte Verlust der wichtigsten Orientierungen, der seine Erinnerungen körperlich erlebt und die mentalen Bilder seines Versagens und seiner Gestörtheit auf seine Umgebung projiziert. Da Cronenberg auf die Verwirrung Spiders und des Zuschauers abzielt, entschied er sich für eine gemischte Komposition. Die von ihm gefilmte Stadt London bildet den Kontext, sie wechselt zwischen Traum und Realität und scheint in ihrer Verlassenheit - kein Leben, keine Menschen, keine Autos sind zu sehen - niemals wirklich greifbar zu sein. Die Wände der Zimmer bröckeln ab, die im gleichen Ockerton gehaltenen Tapeten sind wie eine Allegorie auf die Innerlichkeit des Helden und entfernen uns nur noch mehr von jeglicher Konkretheit.
Wenn Cronenberg drei zusammenhängende, aber getrennte Rollen von derselben Miranda Richarson darstellen lässt, um so die erleuchtende Erkenntnis eines Kindes zu veranschaulichen, dass der Vater die Mutter durch eine Fremde ersetzt hat, folgt er der gleichen Strategie und entfernt uns von sich, ohne uns vollkommen aufzugeben. Eine kluge List, durch die der Regisseur uns schließlich von der extremen Intelligenz seines Inszenierungsprozesses überzeugt: Der Zuschauer ist sich der Unordnung bewusst und weiß doch bis zum Schluss nicht, wo die Wahrheit ist. So nimmt er engsten Anteil an Spiders Wahnsinn.
Das Bonusmaterial
In den drei etwa zehnminütigen Featurettes erfährt der interessierte Zuschauer viel über die Entstehungs- und Finanzierungsgeschichte des Films. Etwa, dass die Macher so sehr an das komplizierte und komplexe Projekt glaubten, dass sie alle auf Rückstellung arbeiteten. Das bedeutet, dass die Mitarbeiter erst dann ihre Gage erhalten, wenn der Film an der Kinokasse oder durch Vorabverkäufe Geld einspielt. Das ist eine sehr unübliche Vorgehensweise bei einem Film mit Starbesetzung und einem Regisseur, der sich bereits einen Namen gemacht hat. Nach drei Wochen Drehzeit in London blieb Produzentin Catherine Bailey als „Geisel“ für das noch vollständig unbezahlte Filmteam zurück, während Cronenberg zu seinem Team in Kanada weiter zog, um dort weitere fünf Wochen zu drehen. Cronenberg: „Dieser Film war Himmel und Hölle zugleich – die Finanzierung war die Hölle, die Dreharbeiten der Himmel. Manchmal ist das auch umgekehrt, aber besser ist es auf jeden Fall so.“
Der kanadische Regisseur David Cronenberg fühlte sich stets von düsteren Themen angesprochen. Werke wie EXISTENZ (1999) und CRASH (1996) führen dem Zuschauer Angstvisionen vor, denen er sich nur schwer entziehen kann. Ganz bewusst taucht das Wort Schizophrenie in SPIDER selbst nie auf: „Schizophrenie wird im Film nicht gelabelt, damit der Zuschauer sich nicht bewusst distanziert. Ich wollte aber, dass er sich wie Spider fühlt.“
Ralph Fiennes spielt die schwierige Rolle mit Bravour. Er muss den ständig im Kopf Spiders stattfindenden Monolog ohne Worte umsetzen. Cronenberg: „Ralph spielt subtil und brillant. Zu einer anderen Zeit wäre er ein Kinoidol gewesen. Er spielt eine unattraktive, gefährliche Rolle und hat dabei keinen Dialog.“ Die drei Featurettes kombinieren Interviewausschnitte mit David Cronenberg, dem Drehbuch- und Romanautor Patrick McGrath, der Produzentin Catherine Bailey und den Hauptdarstellern Ralph Fiennes und Miranda Richardson mit Filmszenen, die in den Interviews erwähnt werden.
Der Audiokommentar David Cronenbergs erweitert mit vielen interessanten Details die Hintergrundinformationen zum Film und seinem Team. Bio- und Filmografien der Hauptdarsteller und des Regisseurs und eine Programmvorschau runden das Angebot dieser informativen Bonus Tracks der DVD ab.






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Ein sehr schöner Film, ohne
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