In seiner Rede spricht Ivan Langer nicht etwa vom Budget seines Ministeriums für 2010 oder von den besorgniserregenden Zusammenhängen zwischen der Polizei und der rechtsextremen Szene in Nordböhmen. Er zieht es vor einen kleinen Scherz zu machen: „Meine Damen und Herrn, ich denke wir müssen wieder ein bisschen Disziplin walten lassen. Zu diesem Zweck haben wir heute morgen beschlossen die Truppen der inneren Sicherheit wiedereinzuführen [Politische Geheimpolizei in der kommunistischen Tschechoslowakei, die für die Entführung und den Tod Dutzender politischer Gefangener verantwortlich ist, Anm.]. Seien Sie also nicht überrascht, wenn Sie beim Herausgehen Panzer auf der Straße vorbeifahren sehen.“ Und Premierminister Topolánek fügt hinzu: „Ich habe schon den Ausnahmezustand ausgerufen. Ha, ha, ha.“
Der Abgeordnete Jan Kasal, dessen Autorität durch diesen Witz direkt untergraben wurde, erklärte seine Gleichgültigkeit: „Wenn jemand während meiner Abwesenheit scherzt, nehme ich das nicht ernst. Unser Parlament ist doch kein Friedhof.“ Andere Volksvertreter zeigten sich weniger gelassen: „Diese Intervention ist eine Beleidigung für unser Parlament“, brüskierte sich der sozialdemokratische Nationalratspräsident Miroslav Vlček. Ein andere Sprecher der sozialdemokratischen Fraktion meinte nur zynisch: „Das Verhalten der Regierung war wieder einmal fehl am Platz.“
Eine recht berechtigte Kritik: Vor kurzem antwortete der gleiche Ivan Langer einem Team des tschechischen Fernsehens, das ein Interview mit ihm wollte, mit erhobenem Mittelfinger. Schon im Dezember 2008 zeigte der Finanzminister Miroslav Kalousek dem streitbaren sozialdemokratischen Abgeordneten David Rath den Stinkefinger, nachdem dieser ihn als „geistesgestört“ bezeichnet hatte.
Ivan Langer hat es letztendlich vorgezogen sich zu entschuldigen. Doch nicht ohne seinen innersten Wunsch kundzutun: „Ich hoffe, dass die Tschechen trotz meines Scherzes nicht ihren Sinn für Humor verlieren.“ Denn bei dieser Regierung werden sie ihn wohl auch in Zukunft bitter nötig haben...







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