- Synopsis
Snàporaz (Marcello Mastroianni) ist während der Zugfahrt eingenickt. Als er nach einer Tunnelfahrt die Augen öffnet, fällt sein Blick auf eine attraktive Dame. Nachdem der schnelle Sex mit ihr auf der Toilette gescheitert ist, folgt der lüsterne Snàporaz der attraktiven Unbekannten, die mitten in der Pampa nach einem Nothalt ausgestiegen ist. Aus dem Gleichgewicht gebracht, landet der ewige Frauenheld Snàporaz in der Höhle des Löwen – auf einem Kongress militanter Feministinnen, die sich in einem abgeschiedenen Hotel versammelt haben. - Der Kommentar zum Film
Aus heutiger Sicht wirken die Beschimpfungen, die Frederico Fellini anlässlich der Premiere von Stadt der Frauen auf den Filmfestspielen in Cannes 1980 über sich ergehen lassen musste, schon ziemlich grotesk: das Purgatorium, dass der Frauenliebhaber Snàporaz rund um einen Frauenkongress in einem Hotel durchlebt, sei eine die weibliche Emanzipationsbewegung denunzierendes Zerrbild, schrieen die Feministenverbände auf. Doch die Kritik schoss am Ziel vorbei – ging es Fellini doch um den italienischen Mann und eine Karikatur seiner Ängste, Vorurteile und Projektionen zum Thema ‚Und ewig lockt das Weib’. Stadt der Frauen ist statt dessen vielmehr eine Fortsetzung seiner Entmystifizierung des männlichen Überlegenheitswahns, die Fellini schon 1976 mit Donald Sutherland als Casanova betrieben hatte.
Fellinis aufwändige Auseinandersetzung mit den Unzulänglichkeiten des eigenen Geschlechts hat ihm nicht nur Anfeindungen, sondern darüber hinaus auch seinen ganz persönlichen Albtraum beschwert, wie er einmal zugegeben hat: 7 Millionen Euro verschlang sein bislang opulentester Film – und das mitten auf dem Höhepunkt der Krise der italienischen Filmwirtschaft - was ihm viele Neider und Kritiker bescherte. Ursprünglich als Episodenfilm unter der Mitwirkung von Ingmar Bergmann geplant, nahm die Realisierung seines Projekts insgesamt 10 Jahre in Anspruch. Als einer seiner Hauptakteure – Ettore Manni - während der Dreharbeiten Selbstmord beging und auch seine Affäre mit der Hauptdarstellerin Donatella Damiani publik wurde, stand das Projekt kurz vor dem Scheitern. Dann starb im Frühjahr 1979 auch noch sein Freund, der langjährige Fellini-Komponist Nino Rota.
Wenn man diesen Film unter all diesen Vorzeichen noch einmal sieht, dann erkennt man in Marcello Mastroianni, alias Snàporaz, in der lustvoll und schmerzhaft zelebrierten Demontage männlicher Allmachtsphantasien auch das Eingeständnis des Scheiterns eines traurigen Regisseurs auf dem Gipfel seines Ruhmes.
Extras: Was „Kinowelt“ dazu bewogen hat, diesem modernen Klassiker nur drei schäbige Texttafeln über Marcello Mastroianni als Ausstattung hinzuzufügen und diese mit dem euphemistischem Titel „Extras“ zu versehen, bleibt allein ihr Geheimnis.
Martin Rosefeldt
- Fellinis Stadt Der Frauen
Label: Arthaus
Genre: Drama
Produktionsjahr: 1980
Produktionsland: Italien/Frankreich
FSK: keine Jugendfreigabe
Lauflänge: ca. 134 Minuten
- Darsteller
Ettore Manni (In der Glut des Mittags, Wilde Pferde)
Bernice Stegers (Ein gefährliches Mädchen, Julies Geist)
Anna Prucnal (Organitäten, Ohne Datenschutz)
- Stab
Drehbuch: Federico Fellini, Bernardino Zapponi
Kamera: Giuseppe Rotunno
Produktion: Renzo Rossellini
- Technische Angaben
DVD Sprachen/Ton: Italienisch, Deutsch (Mono Dolby Digital)
DVD Untertitel: Deutsch
DVD Extras: Trailer, Starinfos Marcello Mastroianni






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