Premiere im Pariser Theatre de la Colline: Stanislas Nordey inszeniert "Elektra" von Hugo von Hofmannsthal. Worum es geht? Um die Bru- talität des Schicksals jedes Einzelnen, um die Schwierigkeit, sich zu entscheiden, um die Schwierigkeit, zu sein. "Von allen Mythen und von allen Neuinterpreta- tionen des Elektra-Mythos ist diese Elektra die einzige, die am Ende stirbt. Und sie stirbt nicht, weil sie getötet wird, sondern sie stirbt vor Erschöpfung. Das allein ist schon eine sehr starke Aussage über diese Frau, Elektra" betont Stanislas Nordey.
Seine Elektra ist sportlich, athletisch. Man kann sich vorstellen, dass sie etwas für ihren Körper tut, jeden Tag ihre Liegestütze macht. Aber sie isst nicht mehr, sie trinkt nicht mehr, sie macht gar nichts mehr. Ihr ganzes Tun ist auf nur EIN Ziel gerichtet: Aigisthos und Klytemnestra ins Grab zu bringen.Und dahin will sie ihnen folgen.
Zerrt ihr mich mit euren Reden und Gegenreden nicht zu Tode? Ich will nicht mehr hören: dies ist wahr und das ist Lüge.
Hoffmannsthals Elektra bricht mit dem Bild der griechischen Tragödie als Inkarnation eines harmonischen Menschenbildes, des idealen Gleichgewichtes zwischen physischer und geistiger Schönheit. Elektras Persönlichkeit tritt in den Hintergrund, sie ist der Vater, sie ist die Mutter, aber sie ist nicht sie selbst und damit unfähig zu handeln.
Als Hofmannsthal sich Ende des 19. Jahrhunderts an Sophokles' Figur wagte, stand er ganz unter dem Einfluss eines anderen Wiener: Sigmund Freud. Der revolutionnierte den Blick auf das Wesen, das Sein und seine Schattenseiten. In Hofmannsthals Stück wird die Mutter Klytemnestra, eine lebende Tote, von zwei gegensätzlichen Strömungen eingerahmt. Die der jüngeren Tochter Chrysothemis, die das Licht und das Leben verkörpert, und die der älteren Tochter Elektra, die den Tod und die Vernichtugn verkörpert. Somit schuf er eine der spannungsgeladensten Überarbeitungen des klassischen Mythos.
Linksbis zum 6. April 07
Théâtre de la Colline
15, rue Malte-Brun, Paris
>> Théâtre National de la Colline






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