
Il Fiore Canta e Poi Svanisce (Real Audio, 2')
Alone Together (Real Audio, 2')
Sardita (Real Audio, 2')Mit sechs Jahren beginnt Bollani Klavier zu spielen und eifert seinem Idol Adriano Celentano nach. Als Elfjähriger beginnt er am Florentiner Konservatorium, die deutsche und französische Klassik und Romantik zu studieren. Und obwohl er sehr unter den strengen und altmodischen Methoden seines Lehrers leidet, dankt er ihm heute für die erlernte Technik, die er über die Jahre verfeinert hat. Mit 15 Jahren entdeckt Bollani für sich die Musik Charlie Parkers und lebt daraufhin heimlich in Jazzclubs die Freiheit der Improvisation aus. Nach seinem Studium ist Bollani ein erfolgreicher Keyboarder, unter anderem für den Italo-Rapper Jovanotti. Erst als er 1996 auf den Jazz-Trompeter Enrico Rava trifft, lässt er sich von seinem zukünftigen Mentor ganz zum Jazz bekehren.
Fünfzehn Alben spielen die beiden Seelenverwandten ein, ob als Duo oder in wechselnden Besetzungen. Unabhängig von Rava experimentiert Bollani in Soloprojekten mit klassischem Orchester und Big Band, oder mit Loops und Samples. Sein aktuelles Album, die Doppel-CD „I Visionari” hat er mit seiner „working band“, seinem Quintett aufgenommen.
Bollanis Quintett besteht aus dem Saxofonisten Mirko Guerrini, Klarinettisten Nico Gori, Bassisten Ferruccio Spinetti und Schlagzeuger Cristiano Calcagnile. Zudem sind als Gastmusiker die Sängerin Petra Magoni, der Trompeter Paolo Fresu und der Violinist Mark Feldmann zu hören. Bollani verbindet in seinen Eigenkompositionen all die gegensätzliche Musik, die ihn von seiner Kindheit an geprägt hat, von traditioneller italienischer Musik bis Schlager, von Jazz bis Klassik und Klezmer. Und für die Texte lässt er sich sowohl von den Schriftstellern Haruki Murakami als auch Alejandro Jodorowsky inspirieren. Oftmals wechselt das Quintett innerhalb des Stücks den Musikstil und springt von Jahrmarktsmusik zu Free-Jazz, von eingängigen Popmelodien zu elegischen Pianopassagen. „I Visionari“ spiegelt den impulsiven Charakter Bollanis wider. Und obwohl das Album mit Stolpersteinen und Stilbrüchen gespickt ist und sich der Hörer einem Wechselbad des Jazz ausgesetzt fühlt, gelingt es dem Quintett, der Vielfalt eine stimmige Form zu verleihen, die es zu einem der interessantesten Jazz-Alben dieses Jahres macht.
Matthias Schneider







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