
Antonia (Real Audio, 0'40")
Impro II (Real Audio, 0'40")
Maple Leaf Rag (Real Audio, 0'40")Hochbegabt erhält Bollani bereits mit elf Jahren die Möglichkeit, auf dem Florentiner Konservatorium die deutsche und französische Klassik und Romantik zu studieren. Als er mit 15 Jahren erstmals die Musik Charlie Parkers hört, fängt er sofort Feuer und begibt sich daraufhin heimlich in Jazzclubs, um mit eigenen Bands gierig die Freiheit der Improvisation zu erkunden. Nach seinem Studium, das er mit Bestnote abschließt, kommt für ihn jedoch eine Laufbahn als klassischer Musiker nicht in Frage. „Ich liebe die klassische Musik, aber mit der Atmosphäre, dem Ernst und der bedingungslosen Treue zum Notentext komme ich nicht zurecht.“
Stattdessen macht sich Bollani zunächst einen Namen als begehrter Studiomusiker, unter anderem ist er Keyboarder für den Italo-Rapper Jovanotti. Zum Jazz bekehrt wird er 1996 von dem Trompeter Enrico Rava, mit dem er sowohl im Duett als auch in wechselnden Besetzungen zahlreiche Alben einspielt. Darüber hinaus arbeitet Bollani bei Aufnahmen und Liveauftritten mit klassischen Orchestern und Big Bands, oder mit Loops und Samples. Aktuell überrascht der umtriebige Kreativpianist mit seinem ersten Solo-Album.
Anfänglich waren für „Piano Solo“ einzig Kompositionen des russischen Komponisten Sergej Prokofjew vorgesehen. Doch Bollani stellt schnell fest, dass ihn diese formale Vorgabe zu sehr in seinen musikalischen Ansprüchen einengt und ihn stilistisch zu wenig fordert. Stattdessen entscheidet er sich, zu spielen was ihn interessiert. Das Resultat kann sich absolut sehen lassen, denn es ist ihm sowohl ein mannigfaltiges als auch in sich geschlossenes Album gelungen. Neben Joplins Jazzklassiker „Maple Leaf Rag“ und dem Beach Boys Song „Don’t Talk“ finden sich satiehafte Kompositionen Bollanis und auch ein Stück von Prokofjew. „Ich liebe sehr viel Musik aus allen möglichen Richtungen, Klassik, Tango, Brasilianisches und Jazz aller Art natürlich.“Voller Leidenschaft und mit einer gesunden Portion Humor gelingt es Bollani elegant, verschiedenste Musikstile zu kombinieren, diese hingebungsvoll zu interpretieren und dadurch seinem beeindruckenden Solo-Debüt, eine abwechslungsreiche und spannende Dramaturgie zu verleihen. „Man möchte sich das eigentlich nicht eingestehen, aber die beste Musik ist oft aus ganz einfachen Molekülen aufgebaut. Je einfacher sie sind, desto mehr kann man aus ihnen entwickeln.“
Matthias Schneider







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