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1968

1968 - ARTE geht auf die Barrikaden! Themen-Schwerpunkt

1968

Donnerstag, 17. April 2008 um 23.45 Uhr - 21/04/08

Sterben mit 30    

Ein Dokumentarfilm von Romain Goupil


Selten stellt sich ein Dokumentarfilmer selbst in den Mittelpunkt seines eigenen Werkes. Romain Goupil hat es getan und zeigt seine Jugend in der 68er-Bewegung. "Sterben mit 30" wird so zu einem der wichtigen Zeugnisse über den Pariser Mai 1968. Romain Goupil beleuchtet die Ereignisse an der Schnittstelle zwischen Film und Politik, gibt Einblicke in die Zeit vor und nach den Protestaktionen im Mai 1968 und zeichnet ein persönliches und zugleich gesellschaftlich relevantes Porträt dieser wichtigen Epoche. Gleichzeitig macht Filmemacher Romain Goupil den Zuschauer mit seinem Freund und Weggefährten Michel Recanti bekannt, der sich 1978 das Leben genommen hat.

© ARTE F / MK2
Romain und Michel besuchen zwar nicht das gleiche Gymnasium, sind aber unzertrennlich. Das politische Bewusstsein der beiden 15-Jährigen erwacht im Zusammenhang mit dem Vietnamkrieg. Sie sind Mitbegründer der Gymnasiasteninitiative "Comités d'Action Lycéens" (CAL), die drei Jahre später zur Speerspitze des "Pariser Mai 68" werden soll. Der Dokumentarfilm erzählt bis zu Michels Selbstmord im März 1978 vom leidenschaftlichen politischen Engagement und den Enttäuschungen der beiden Aktivisten.

Das Besondere an dieser Produktion ist, dass sich Filmemacher Romain Goupil selbst als Jugendlicher im Kreis seiner Freunde zeigt. 1982 hält er als Erwachsener Rückschau auf die Zeit seiner Jugend und die Anfänge seines politischen Engagements. Sein kritischer Geist, sein jugendlicher Überschwang und sein Freiheitsstreben haben ihn ganz selbstverständlich zur Kritik an Autorität und etablierter Macht veranlasst. Im Zuge der ersten Begegnungen mit politischem Aktivismus klebt er Plakate, nimmt an Versammlungen teil und träumt in leidenschaftlichen Diskussionen von einer anderen Welt. Mitstreiter machen ihn mit theoretischen Schriften und mit dem praktischen politischen Kampf bekannt.

Aus dieser bei aller cineastischen Freiheit historisch zutreffenden Darstellung der jungen Jahre bezieht der Film seine eigentliche Kraft: Ein Regisseur filmt sein eigenes politisches Engagement. Es ist also keine fiktive Rekonstruktion von Ereignissen, sondern das gefilmte persönliche Zeugnis von selbst gelebter Geschichte. Die daraus entstehende Wirkung beruht auf Realismus und absoluter Ehrlichkeit.

© ARTE F / MK2
Dieses Bemühen um Wahrheit kommt besonders dann zum Tragen, wenn Goupil von seinem verstorbenen Freund Michel Recanati erzählt. Der zurückhaltende und zugleich leidenschaftliche Recanati fasziniert und beeindruckt. Er hat das Zeug zum politischen Anführer. Im Film sprechen Freunde über den Menschen Recanati, der sich 1978 das Leben nahm, über seine Gefühle und seine Überzeugungen. Romain Goupil - und mit ihm der Zuschauer - will verstehen, wie es zu dem Selbstmord kam, will die Spuren der Verzweiflung, der schmerzlichen Geschichte finden, die Michels Tat erklären können. Der Filmemacher erforscht die Geschichte seines Freundes und versucht, dessen Wahrheit durch das Prisma seines politischen Kampfes zu begreifen.

Wesentliche Bestandteile des Films sind die Zeitdokumente der Jahre 1965-68 sowie das von Romain Goupil damals selbst gedrehte Super-8-Material. "Ich möchte, dass die, die den Mai 1968 nicht erlebt haben, erfahren, was damals geschah, und dass die, die dabei waren, sich wiederfinden. Vor allem aber wollte ich verhindern, dass sich die Erinnerung an Michel verflüchtigt und er vergessen wird."

Romain Goupil, geboren 1950, begeistert sich schon sehr früh für den Film. Von seinem Vater, einem Kameramann, erbt er die Liebe zur Kamera und die Lust, mit ihr alles einzufangen. Als Heranwachsender filmt er selbst erdachte Geschichten mit der Super-8-Kamera. Später filmt er sich im Alltag - in seinem Zimmer, im Gymnasium, auf der Straße - und schafft erste Grundlagen für seine spätere Arbeit.

Für "Sterben mit 30" erhielt Filmemacher Romain Goupil 1982 die "Goldene Kamera" bei den Filmfestspielen von Cannes sowie den Preis des französischen Jugendministeriums. 1983 bekam er den César für den besten Debütfilm. Außerdem erhielt Romain Goupil den Josef-von-Sternberg-Preis beim Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg 1982.
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Sterben mit 30
Dokumentarfilm, Frankreich 1982, ARTE F, 97 Min.´
Regie: Romain Goupil
Wiederholungen: 29. April um 01.05 Uhr und 06.05.2008 um 09.55 Uhr

Erstellt: 28-03-08
Letzte Änderung: 21-04-08