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Berlinale 2009

Verfolgen Sie vom 05. bis 15. Februar mit ARTE und arte.tv das Tagesgeschehen eines der bedeutendsten Filmfestivals der Welt.

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Berlinale 2009 - Offizieller Wettbewerb - 12/02/09

Storm

Ein Film von Hans-Christian Schmid


Politdrama um eine Anklage am Kriegsverbrechertribunal in Den Haag.

  • Interview mit Hans Christian Schmid

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Synopsis: Hannah Maynard ist Anklägerin am Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. Sie führt einen Prozess gegen Goran Duric, einen ehemaligen General der jugoslawischen Volksarmee. Als sich ein Zeuge in Falschaussagen verstrickt und sich kurze Zeit später umbringt, sieht es aus, als bräche die Anklage in sich zusammen. Doch da wagt Mira, die Schwester des Toten als neue Zeugin auszusagen...

Kritik: Wie auch sein Regiekollege Tom Tykwer mit dem Eröffnungsfilm "The International" wagt sich der deutsche Regisseur Hans-Christian Schmid an einen Genre-Film, eine internationale Ko-Produktion in englischer Sprache. In der Hauptrolle als Hannah Maynard ist die Neuseeländerin Kerry Fox zu sehen. 2001 spielte sie in Patrice Chereaus "Intimacy", der den Goldenen Bären der Berlinale gewann. Hannah Maynard steht zwischen allen Fronten, alle Fäden der Geschichte laufen bei ihr zusammen. Das heißt jedoch nicht, dass es um ihre Person ginge oder sie im Mittelpunkt stehen würde. Sie ist getrieben, droht, zwischen den Fronten zerrieben zu werden und hat die Kontrolle über die Situation verloren. Sie versucht nur noch ihren Fall zu retten.

Sturm
Deutschland/Dänemark, 110 Min.
Regie: Hans-Christian Schmid
Mit Kerry Foy, Anamaria Marinca, Stephen Dillane, Rolf Lassgård
OFFIZIELLER WETTBEWERBSBEITRAG
ARTE KO-PRODUKTION
Hannah ist eine sehr spezielle Frau, die sich dem Zuschauer nicht gerade einfach erschließt. Sie ist enttäuscht, dass ihr Kollege befördert worden ist, obwohl sie sich für geeigneter hielt. Sie führt eine Fernbeziehung mit dem EU -Abgeordneten Jonas Dahlberg, gespielt von Rolf Lassgård, der dem deutschen Publikum vor allem als Detektiv Kurt Wallander, in den Adaptionen der Mankell-Romane bekannt sein dürfte. Die Szenen zwischen den beiden sind geprägt von Intimität. Das sind die einzigen, ruhigen, schönen Momente für Hannah, die den Rest des Films durchs Bild hetzen und allen Parteien Rechenschaft abgeben muss.

"Sturm" ist von Fakten getrieben, er versucht die Komplexität der Vorgänge und die Interessenskonflikte der verschiedenen Parteien zu durchleuchten. Hannah versteht erst nach und nach, in was für ein Gerangel aus verschiedenen Interessen und Motivationen sie geraten ist. Der Angeklagte, Goran Duric wird in seiner Heimat als Nationalheld gefeiert, er will bei den nächsten Wahlen zur Verfügung stehen. Die Republik Srpska will der EU beitreten, und da kommen neue Kriegsverbrechen gar nicht gut.

Nach langem Hin und Her und großem persönlichen Einsatz hat Hannah Mira schließlich überzeugt auszusagen vor dem Tribunal. Doch als es so weit ist, sieht es aus, als könnten andere die Aussage verhindern. Es ist gar nicht in deren Interesse, dass Mira über ein Hotel berichtet, in das Frauen verschleppt wurden um dort von Soldaten vergewaltigt zu werden, tagelang, eingesperrt in Zimmern. Klug ist es, dass Hans-Christian Schmid völlig auf Rückblenden verzichtet, die das Hotel und Miras Erlebnisse dort schildern. Der Zuschauer kann sich dies sehr gut vorstellen, er braucht keine Rückblenden. Auch der sehr minimalistische Einsatz von Musik kommt dem Film sehr zu gute, und unterscheidet ihn angenehm von amerikanischen Großproduktionen.

„Sturm“ ist mehr als ein Politdrama, er will auch Plädoyer sein für eine Verlängerung des Tribunals in Den Haag. Vor den Dreharbeiten haben Hans-Christian Schmid und der Drehbuchautor Bern Lange viel Zeit damit verbracht, mit Richtern in den Haag über deren Fälle zu reden. Schmid: „Wir kritisieren, dass das Gericht so unter Zeitdruck steht. Der Zeitdruck ist vor allem für die Zeugen sehr belastend.“

Nana A.T. Rebhan

Erstellt: 30-01-09
Letzte Änderung: 12-02-09