Kritik: Wie auch sein Regiekollege Tom Tykwer mit dem Eröffnungsfilm "The International" wagt sich der deutsche Regisseur Hans-Christian Schmid an einen Genre-Film, eine internationale Ko-Produktion in englischer Sprache. In der Hauptrolle als Hannah Maynard ist die Neuseeländerin Kerry Fox zu sehen. 2001 spielte sie in Patrice Chereaus "Intimacy", der den Goldenen Bären der Berlinale gewann. Hannah Maynard steht zwischen allen Fronten, alle Fäden der Geschichte laufen bei ihr zusammen. Das heißt jedoch nicht, dass es um ihre Person ginge oder sie im Mittelpunkt stehen würde. Sie ist getrieben, droht, zwischen den Fronten zerrieben zu werden und hat die Kontrolle über die Situation verloren. Sie versucht nur noch ihren Fall zu retten.

Deutschland/Dänemark, 110 Min.
Regie: Hans-Christian Schmid
Mit Kerry Foy, Anamaria Marinca, Stephen Dillane, Rolf Lassgård
OFFIZIELLER WETTBEWERBSBEITRAG
ARTE KO-PRODUKTION

"Sturm" ist von Fakten getrieben, er versucht die Komplexität der Vorgänge und die Interessenskonflikte der verschiedenen Parteien zu durchleuchten. Hannah versteht erst nach und nach, in was für ein Gerangel aus verschiedenen Interessen und Motivationen sie geraten ist. Der Angeklagte, Goran Duric wird in seiner Heimat als Nationalheld gefeiert, er will bei den nächsten Wahlen zur Verfügung stehen. Die Republik Srpska will der EU beitreten, und da kommen neue Kriegsverbrechen gar nicht gut.
Nach langem Hin und Her und großem persönlichen Einsatz hat Hannah Mira schließlich überzeugt auszusagen vor dem Tribunal. Doch als es so weit ist, sieht es aus, als könnten andere die Aussage verhindern. Es ist gar nicht in deren Interesse, dass Mira über ein Hotel berichtet, in das Frauen verschleppt wurden um dort von Soldaten vergewaltigt zu werden, tagelang, eingesperrt in Zimmern. Klug ist es, dass Hans-Christian Schmid völlig auf Rückblenden verzichtet, die das Hotel und Miras Erlebnisse dort schildern. Der Zuschauer kann sich dies sehr gut vorstellen, er braucht keine Rückblenden. Auch der sehr minimalistische Einsatz von Musik kommt dem Film sehr zu gute, und unterscheidet ihn angenehm von amerikanischen Großproduktionen.
„Sturm“ ist mehr als ein Politdrama, er will auch Plädoyer sein für eine Verlängerung des Tribunals in Den Haag. Vor den Dreharbeiten haben Hans-Christian Schmid und der Drehbuchautor Bern Lange viel Zeit damit verbracht, mit Richtern in den Haag über deren Fälle zu reden. Schmid: „Wir kritisieren, dass das Gericht so unter Zeitdruck steht. Der Zeitdruck ist vor allem für die Zeugen sehr belastend.“
Nana A.T. Rebhan







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