Mit Katharina Thalbach, Andrzej Chyra, Dominique Horwitz, Andrzej Grabowski, Dariusz Kowalski
Synopsis: Die Arbeiterin Agnieszka ist eine kleine Frau, einfach und bescheiden, eine Heldin der Arbeit, die für ihren Fleiß Auszeichnungen erhält. Doch ihr Sinn für Gerechtigkeit ist stark ausgeprägt. Mehr ungewollt als gewollt wird sie deshalb zum Auslöser für den historischen Streik auf der Danziger Lenin-Werft, dem Gründungsort der Solidarnosc-Bewegung. Kritik: Volker Schlöndorff hat den Mut, sich eines ur-polnischen Themas anzunehmen, der Gründung der Solidarnosc-Bewegung. Mag sein, dass Polen nach gut 20 Jahren selbst noch nicht genug Distanz zu diesem für das eigene Land so wichtigen Thema hat, und es deshalb nahe liegend ist, dass ein nicht-polnischer Regisseur das übernimmt. Dass er neben vielen polnischen Darstellern wie Andrzej Chyra, Andrzej Grabowski und Dariusz Kowalski die Hauptrolle mit einer deutschen Schauspielerin besetzt ist ebenfalls mutig. Aber immerhin handelt es sich bei diesem „ausländischen“ Regisseur um keinen anderen als Volker Schlöndorff, der schon jahrzehntelange Verbindungen ins Nachbarland Polen besitzt. Ende der 70er Jahre Jahre drehte er in Danzig seinen wohl berühmtesten Film DIE BLECHTROMMEL, für den er mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Katharina Thalbach war auch damals schon mit von der Partie, als Maria. In STRAJK spielt die energische kleine Frau die Hauptrolle, eine energische kleine Frau.
Diese stille, bescheidene Heldin ist eine Paraderolle für sie. Dank der ihr eigenen Schnoddrigkeit, ihrer seltsam holprigen Stimme, ihrem unebenen Gesicht und ihrer großartigen Schauspielkunst gelingt es ihr, jegliches potentielle Pathos aus der Rolle zu vertreiben. Agnieszka bleibt bis zuletzt eine einfache Frau, die täglich neu ums Überleben kämpft. An ihrer Seite bisweilen der elegant und witzig agierende Dominique Horwitz, der ihren Lebensgefährten mimt. Leider reißt der Tod ihn viel zu früh mit sich, und auch der Zuschauer fühlt sich dieser angenehmen Figur unangenehm beraubt. Vor allem diese beiden Schauspieler bewahren STRAJK – DIE HELDIN VON DANZIG davor eine bebilderte Geschichtsstunde zu werden, denn die Ansätze dazu trägt der Film – bisweilen recht offensichtlich – in sich. Die zwischendurch eingeschnittenen historischen Schwarz/Weiß Aufnahmen des Streiks wirken, als traue Schlöndorff seiner Inszenierung nicht ganz. Als wolle er mit ihnen die Glaubhaftigkeit seines Films unterstreichen. Aber eigentlich sind sie überflüssig, denn sie ergänzen nicht, sondern doppeln nur.
Vor zwei Jahren wurde der Musiker Jean Michel Jarre von Friedensnobelpreisträger Lech Walesa persönlich eingeladen vor 170.000 Zuhörern in den Docks von Danzig ein Konzert zu geben, dort, wo die Bewegung ihren Ursprung nahm. Er komponierte dafür zwei Werke, die „Shipyard Ouverture“ und „Solidarnosc“, die auch stark an den von ihm für STRAJK verwendeten hervorragenden Soundtrack erinnern. In seiner Komposition hört man den Rhythmus der Werft, das Dröhnen, Zischen und Rattern der Maschinen. Schlöndorff selbst betitelt seinen Film eine „Ballade nach historischen Ereignissen.“ Die junge Drehbuchautorin Silke Rene Meyer entdeckte in einem 1980 erschienenen Artikel der Zeitschrift Spiegel ein Bild das wie folgt untertitelt war: „Frau auf dem Lautsprecherwagen.“ Sie wollte wissen, welche Frau da zu den polnischen streikenden Werftarbeitern sprach und fand heraus, dass diese Anna Walentynowicz hieß und die eigentliche Urheberin der Solidarnosc-Bewegung war. Doch Anna Walentynowicz wollte nicht ans Rampenlicht gezerrt werden, und so macht STRAJK die energische Agnieszka zu seiner Heldin. Eine Frau, die Anna Walentynowicz – mit gewissen dramaturgischen Freiheiten – nachempfunden ist.
Silke Rene Meyer: „Ich habe während der Drehbucharbeit oft an Heiligenlegenden gedacht. Die heilige Anna, die für ihren Glauben verbrennt. Für mich hat sie (Anna Walentynowicz) ohne Zweifel Weltgeschichte geschrieben: ohne Anna – kein Solidarnosc, ohne Solidarnosc – kein Glasnost, ohne Glasnost – kein Mauerfall. Sie selbst würde mich jetzt wohl auslachen. Sie ist eine stille Heldin.“ Still – das ist die von Katherina Thalbach dargestellte Agnieszka sicher nicht. Über zwei Jahrzehnte folgen wir unentwegt dieser kleinen energischen Frau. Konsequenterweise endet der Film nicht mit den Erfolgen des Streiks sondern erst später. Dann sehen wir sie wie sie ganz allein am Strand von Danzig entlang schlurft, mit vom Alter hinab gedrückten Kreuz, im Hintergrund die Werft. Der Ort, an dem sie wohl die meiste Zeit ihres Lebens verbrachte, arbeitend und kämpfend.
Nana A.T. Rebhan






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Von der Heldin der Arbeit zur Heldin der Arbeiter
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