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Montag, 15. Mai 2006 um 20:40 - 17/09/08

Sweet Sixteen

>> Video : der Vip-Tipp von Maria Schrader

Jeden Monat geben prominente Persönlichkeiten ihren Tipp für einen Film auf ARTE. Der „VIP-Tipp“ im Mai kommt von Maria Schrader. Die Schauspielerin (geb. 1965) feierte ihre größten Erfolge mit Filmen wie „Meschugge“, „Aimée und Jaguar“ und „Rosenstraße“. Gerade ist sie mit ihrer ersten Regiearbeit beschäftigt: der Verfilmung von Zeruya Shalevs Roman „Liebesleben“. ARTE erzählte sie, warum sie Ken Loachs Film „Sweet Sixteen“ (2002) auf besondere Weise berührt.

Sweet Sixteen
UK 2002, 106 min.
Regie: Ken Loach
mit Martin Compston, Michelle Coulter, Annmarie Fulton, William Ruane


Synopsis: In drei Monaten feiert Liam seinen 16. Geburtstag. Einen Tag vorher kommt seine Mutter Jean aus dem Gefängnis frei. Bis dahin versucht Liam Geld aufzutreiben, um mit Jean ein völlig neues Leben zu beginnen. Seine Schwester warnt ihn, denn sie ist enttäuscht von Jean, doch Liam lässt sich nicht abhalten. Er glaubt fest daran, dass es für ihn und seine Familie möglich ist, aus dem Kreislauf der Armut und der Kriminalität auszubrechen.

Kritik: SWEET SIXTEEN ist der zweite Teil der geplanten schottischen Trilogie des britischen Regie- und Filmfestivalveteranen Ken Loach. Mit dem ersten Teil, MY NAME IS JOE gewann sein Hauptdarsteller Peter Mullan vor vier Jahren in Cannes den Best Actor Award. Und auch in seinem neuesten Werk begeistern die Schauspieler, die fast alle noch nie vor der Kamera gestanden haben. Mehrere Monate lang hat Loach für die vier Hauptrollen gecastet. Das Casting ist für ihn einer der wichtigsten Prozesse beim Filmemachen, denn ‚die Schauspieler müssen absolut glaubwürdig sein, und der Zuschauer muss Lust haben, ihnen zuzusehen.’ Erneut ist es Loach gelungen, die geeignetsten Darsteller für seine Rollen zu finden. Um es seinen Laien etwas einfacher zu machen, dreht Loach chronologisch. Oft wissen die Darsteller nicht, was als Nächstes kommt. Loach liebt Überraschungen, denn auch sie sorgen für größtmögliche Authentizität. So gelingt ihm eine absolut dichte Atmosphäre - die sich auf den Zuschauer überträgt – und ihn in Bann hält. In jedem seiner Filme gibt es mindestens eine Szene, in der sich die ganze Anspannung und Aggressivität der porträtierten ‚lowerclass people’ bündelt. Einen Moment, der einem Vulkanausbruch gleicht, der den Zuschauer mitreißt und aus dem es kein Entkommen gibt. Bei SWEET SIXTEEN ist dies dieser Moment, in dem Liam realisiert, dass seine ganze Anstrengung umsonst war, er sich in seiner Mutter getäuscht hat, er aber aus Selbstschutz seine Schwester dafür verantwortlich macht. Beide liegen am Boden und fast wird er gewalttätig. Diese Emotionseruption trifft direkt ins Herz des Zuschauers. Es ist das Gegenteil des amerikanischen schnulzigen Pathos, und doch berührt es an derselben Stelle. Nur viel tiefgehender, die Wunde bleibt, auch wenn die Tränen getrocknet sind.

SWEET SIXTEEN bezieht sich auch auf Ken Loachs eigenen Klassiker KES, den er 1969 – vor über 30 Jahren – gedreht hat. Auch dort versuchte ein Junge seiner eigenen Herkunft zu entfliehen, und ein besseres Leben zu finden. Vergleicht man die beiden Filme miteinander muss man leider feststellen, dass sich die Zeiten eher verschlechtert denn verbessert haben. War Billy ein Vertreter der einfachen Arbeiterklasse, so ist Liams Arbeitslosigkeit und das Abrutschen in die Kriminalität beinahe vorprogrammiert. Liam kämpft hart, aber der Einzige, der fatalerweise sein Talent erkennt ist der Drogenboss Stan (Gary McCormack – der Einzige bekannte Schauspieler am Set).

Liams Schicksal ist eine universelle Geschichte. Überall, wo Armut herrscht, könnte etwas Ähnliches geschehen. Vielleicht ist es deshalb für Loach relativ einfach möglich, sein Budget aus mehr als einer Handvoll Ländern zusammenzutragen; u.a. steckt deutsches, belgisches, spanisches, britisches und italienisches Geld in SWEET SIXTEEN. Das Splitten des Budgets auf mehrere Länder erlaubt Loach und seiner langjährigen Producerin Rebecca O’ Brien größere Freiheiten. Beide sind sie ganz zufrieden so zu arbeiten, allerdings ist die Größe des Budgets limitiert. Auf die amerikanische Produktionsweise hat der sympathische Brite keine Lust: ‚Ich würde lieber auf halber Höhe eines Vulkanes oder in Nicaragua schwitzen als in L.A. zu drehen’, bekennt er. Diese Strapazen dürften allerdings überflüssig sein, denn das neue Projekt seiner soeben gegründeten Firma Sixteen Films, die Loach zusammen mit Rebecca O’Brien und seinem langjährigen Drehbuchautor Paul Laverty gegründet hat, hat schon den Teil drei der schottischen Trilogie in Arbeit: UNITED GLASGOW 2003.

Nana A.T.Rebhan

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Sweet Sixteen
Montag, 15. Mai 2006 um 20:40 & Sonntag, 31. Mai 2005, 00:10 auf ARTE

Erstellt: 12-05-06
Letzte Änderung: 17-09-08