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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 22. Februar 2007 - 26/02/07

Tagebuch eines Skandals

Ein Film von Richard Eyre


In „Tagebuch eines Skandals“ stehen sich zwei herausragende Schauspielerinnen in einem gespannten Verhältnis aus verbotenem Sex, Frustration und Erpressung gegenüber.

Notes on a scandal
USA/Großbritannien 2006
Länge 92 Min.
Format 35 mm, 1:1.85
Mit: Judi Dench, Cate Blanchet, Bill Nighy, Andrew Simpson, Phil Davis, Michael Maloney, Juno Temple, Max Lewis, Joanna Scanlan, Julia McKenzie, Shaun Parkes, Tom Georgeson, Emma Kennedy, Syreeta Kumar, Wendy Nottingham, Tameka Empson, Leon Skinner, Debra Gillett
Berlinale 2007 - Wettbewerb: Ausser Konkurrenz


  • Synopsis

.Die ebenso dominante wie einsame Lehrerin Barbara Covett leitet mit eiserner Hand ihre Klasse an einer heruntergekommenen Londoner Schule. Sie lebt alleine mit ihrer Katze Portia und vertraut ihre täglichen Ängste und Freuden einzig und allein ihrem Tagebuch an. Als eine neue Kunstlehrerin, die einnehmende und verletzliche Sheba Hart, an die Schule kommt, ist Barbara sicher, in ihr die verwandte Seele und Freundin zu finden, die sie immer gesucht hat. Doch ihrer beider Leben nimmt eine scharfe Wendung mit dem Tag, an dem Sheba eine leidenschaftliche Affäre mit Steve Connoly, ihrem 15-jährigen Schüler beginnt. Barbara ist eifersüchtig und versucht sich einzumischen, sie erpresst ihre Freundin und löst einen Wirbel aus, dem niemand mehr Herr wird.


  • Kritik

Bereits vor „Tagebuch eines Skandals“ beschäftigte sich Richard Eyre in zwei Filmen mit Ambiguität und Tabuthemen: In „Iris“ beschrieb er das Lebensende der unter Alzheimer leidenden Schriftstellerin Iris Murdoch (ebenfalls gespielt von Judi Dench), mit „Stage Beauty“ thematisierte er subtil die Verwechslung der Geschlechter im elisabethanischen Theater. In seinem neuen Film widmet er sich sehr viel beunruhigenderen, beinah verstörenden Themen, ohne dass dies wirklich gelingt. Die schöne und unerfahrene Lehrerin Sheba (gespielt von der strahlend schönen und leicht exzentrischen Cate Blanchett) beginnt eine stürmische Beziehung mit einem 15-jährigen Schüler, halb Kind, halb Mann. Auch einige Kollegen fühlen sich unwiderstehlich zu ihr hingezogen, darunter die herbe, frustrierte und alleinstehende Geschichtslehrerin Barbara Covett, präzise und nahezu perfekt verkörpert von Dame Judi Dench. Die schöne, gelegentlich zu aufdringliche Musik von Philip Glass bildet den atmosphärischen Hintergrund des Films, der gewissermaßen aus Barbaras subjektiver Perspektive heraus erzählt, aus dem Off kommen immer wieder Barbaras bittere Kommentare – von urkomischer Boshaftigkeit und äußerster Klarsicht in der Einschätzung ihrer Umgebung. Vielleicht ist genau das das Problem: Wie kann eine so brillant-zynische Person so sehr an Distanz gegenüber sich selbst, ihren Taten und sogar, was noch unglaubwürdiger ist, gegenüber ihren Wünschen verlieren?

Das Ganze mit ein bisschen Verrücktheit oder gar Obsession zu erklären, genügt nicht. Lesbisch, einsam, verbittert, autoritär, wütend, alt und rachsüchtig – vielleicht ist das ein wenig viel für eine einzige Figur, zumindest für eine, die nicht die x-te Ausgabe einer Aufseherin im Frauenknast darstellen soll. Ihre Suche nach einer engen Freundschaft ist so aufdringlich, dass sie zu einer Art blutsaugendem Vampir wird. Bezeichnenderweise hat der Regisseur seinen beiden Protagonistinnen beziehungsreiche Namen gegeben: Covett lässt an „to covet“, also „begehren“ denken, und Hart klingt wie „heart“, das englische Wort für Herz. Das mag ein bisschen übertrieben sein, wirkt aber immerhin direkt. Die hier dargestellte Bewunderung, die nicht erwidert wird, die Obsession, aus der eine Erpressung mit psychopathischen Zügen entsteht, findet man auf die Spitze getrieben in amerikanischen Thrillern wie „Eine verhängnisvolle Affäre“ oder „Misery“. Richard Eyre geht hier ein wenig subtiler vor, z. B. in seiner Analyse der Beziehungen zwischen den sozialen Schichten. Er gibt dem Zuschauer nicht lange Gelegenheit, die beiden Frauen zu verachten, sondern setzt alles daran, sie so menschlich wie möglich zu machen, ihnen Tiefe und Komplexität zu verleihen. Er umhüllt sie mit Drama, Tragödie und Pathos, wie man etwa Seide um zwei Diamanten wickeln würde.

Delphine Valloire

Erstellt: 20-02-07
Letzte Änderung: 26-02-07