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Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 15. November 2007 - 14/11/07

Takva - Gottesfurcht

Ein Film von Özer Kiziltan


Psychodrama eines zutiefst Gläubigen

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Deutschland/ Türkei 2006, 96 Min.
Mit Erkan Can, Güven Kiraç, Meray Ülgen, Öznur Kula, Erman Saban


Synopsis: Der 45-jährige Muharrem lebt ein zutiefst bescheidenes Leben in strenger Gläubigkeit in einem konservativen Stadtteil Istanbuls. Eines Tages wird er von seinem Klosteroberhaupt gebeten, die Mieten der Besitztümer des Klosters einzusammeln. Diese neue Aufgabe ändert sein gemächliches Leben. Aus dem einfachen Gläubigen wird über Nacht ein angesehener Geschäftsmann, der sich im modernen Istanbul mit all seinen Verlockungen und Reizen zurecht finden muss.

Kritik: Zu Beginn des Films gibt es eine Szene, in der Muharrem im Kloster an einer religiösen Zeremonie teilnimmt, bei der durch Musik und Gesang die knieenden Betenden mehr und mehr in Trance geraten. Auf Muharrems Gesicht mit den geschlossenen Augen ist ein Lächeln zu sehen. Hier kann Muharrem einmal loslassen von seinem Leben, das sonst sehr strengen Regeln folgt. Anfangs ist es nicht gerade einfach, einen Zugang zu diesem - auf den ersten Blick etwas spröde wirkenden Film - zu bekommen. Doch so wie Muharrem der Trance mehr und mehr erliegt, zieht auch der Film den Zuschauer in seinen Sog. Beschreibt er zu Beginn den ritualisierten, sehr einfachen Alltag Muharrems, so weiß er diesen in dessen Gegenteil zu wenden.

Hauptdarsteller Erkan Can überzeugt in jeder Szene. Man glaubt ihm seine Angst vor der weltlichen Welt, vor den glitzernden Fassaden der Einkaufspassagen, in denen er nun die Miete kassieren muss. Dieses neue Leben führt ihn in Versuchung, ihn, der von seinen Eltern gelernt hat, in Demut zu leben vor Gott und dem Scheich, dem Oberhaupt des Klosters. TAKVA bietet Einblick in eine Welt, die westlichen Blicken sonst versperrt ist, vor allem denen von Frauen.

Das innere Zerbrechen an dieser Aufgabe zeigt Regisseur Özer Kiziltan dabei sehr präzise, er seziert das Innenleben dieses hin- und hergerissenen Mannes, der dem Glauben treu ergeben sein will und deshalb bisweilen tagelang betet und doch in seinen Träumen und auch im Alltag den Versuchungen nicht widerstehen kann. Nachts besucht ihn eine geheimnisvolle schöne Frau in seinen Träumen, die sexuelle Fantasien mit ihm auslebt, für die in seinem Leben eigentlich kein Platz ist. Schweißgebadet wacht er dann auf und schämt sich. Eines Tages nimmt er einen Wucherzins an. Sein Leben verrückt daraufhin immer mehr und der strenge Muslim kämpft einen Kampf gegen den eigenen Wahnsinn.

Regisseur Özer Kiziltan ist Atheist. Er selbst musste sich die Geschichte aus der Feder von Önder Çakar - der auch als Produzent fungiert - erst einmal selbst erarbeiten: "In keinem Fall möchte ich werten, kritisieren oder jemanden absichtlich beleidigen," dies ist ihm ein wichtiges Anliegen. TAKVA wurde auf dem größten türkischen Filmfest in Antalya gezeigt und mit neun Preisen ausgezeichnet. Fatih Akin fungiert als deutscher Co-Produzent. Dessen eigene neueste Regiearbeit, AUF DER ANDEREN SEITE, geht ins Oscar-Rennen für Deutschland - und TAKVA ist der ausgewählte Film für die Türkei. So macht er sich schließlich selbst Konkurrenz. Drehbuchautor Onder Çakar gehört zu der Gruppe "Yeni Sinemacilar", das sind Filmemacher, die sich zusammen gefunden haben, um dem türkischen Kino innovative Filme zu schenken. TAKVA ist der sechste Film in dieser Reihe. Erkan Can spielte bereits in dem 1999 gedrehten GEMIDE mit, dem ersten Werk der "Yeni Sinemacilar“, und wurde dafür mit dem Schauspielerpreis in Istanbul ausgezeichnet. TAKVA führte in der Türkei zu einer wichtigen Diskussion um Glauben im 21. Jahrhundert und wird hoffentlich in Deutschland ebenso interessiert aufgenommen werden.

Nana A.T. Rebhan

Erstellt: 13-11-07
Letzte Änderung: 14-11-07