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KrimiWelt auf www.arte.tv - Rezensionen aus der Jury - 28/08/09

Tana French - Totengleich

Mit dem aus England stammenden Autorenduo, das seine gänsehautträchtigen Thriller unter dem Pseudonym Nicci French veröffentlicht, hat die in den USA geborene und in Irland lebende Tana French sehr viel mehr gemein als bloß den Nachnamen. „Totengleich“, der gleichfalls bei Scherz erschienene Nachfolger ihres viel umjubelten Debüts „Grabesgrün“, ist wie die Krimi-Fiktionen ihrer Namensvetter voller fataler Volten, reich an Höchstspannung – und geadelt durch einen Plot, der individuelle Schuld in den Exzess sowie die Hauptfiguren beinahe in den Wahnsinn treibt. Unter der raffinierten wie perfiden Versuchsanordnung von French, die am Trinity College in Dublin eine Schauspielausbildung absolviert hat, muss diesmal die Polizistin Cassie Maddox leiden.

Als in einem abgewirtschafteten Cottage nahe Dublin der Leichnam einer jungen Frau gefunden wird, ist die junge Ermittlerin schockiert, weil die Tote ihr ähnelt. Und zwar so frappierend, dass sie kaum an einen Zufall oder eine ihr unbekannte Zwillingsschwester glauben mag. Cassie greift zu einem ungewöhnlichen Fahndungsmittel: Sie gibt ihr eigenes Leben auf – und schlüpft in die Identität der Toten. Zwischen spinnerten Freunden, mit denen die Ermordete in einem unheimlichen Herrenhaus gelebt hat, und argwöhnischen Dorfbewohnern entspinnt sich eine dichte Geschichte, in der zusehends fragwürdig wird, wer nun der Jäger ist und wer der Gejagte. Dabei ist das in der Schauerromantik bewährte Motiv des Doppelgängers nur einer von vielen Verstörungstricks der begnadeten Spannungserzählerin Tana French. Weiterer Bonus: Ein solches Preis-Seiten-Leistungsverhältnis findet man hierzulande äußerst selten.

Hendrik Werner/Die Welt, August 2009

Erstellt: 26-05-09
Letzte Änderung: 28-08-09


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