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Eine Reportage von Matthias Röckl - 08/02/11

Taqwacore

Provokant, wild und gesetzlos - das ist keine gewöhnliche Punkshow, sondern ein Mash-Up der Kulturen. Genannt: Taqwacore - zusammengesetzt aus drei Akkorden, Anarchie und Allah. Da trifft man schon mal auf eine Burka im Moshpit.

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Taqwacore ist eine Provokation für konservative Muslime, allein schon das Wort: Taqwa bedeutet gottesfürchtig, Core kommt von Hardore. Erfunden hat diesen Begriff Michael Mohammad Knight. Der Amerikaner ist Schriftsteller und konvertierte als Teenager zum Islam. Und plötzlich war nur noch verdammt wenig Platz für westliche Spaßkultur.


Michael M. Knight

Michael M. Knight: "Als Teenager dachte ich, dass Saiteninstrumente verboten sind und Gitarre spielen Sünde ist. Damals hab ich die muslimischen Regeln ziemlich strikt befolgt. Irgendwann war ich desillusioniert, und fing an mit den Punk Rockern abzuhängen. Ich hab ihre Haltung bewundert, ihre Ehrlichkeit und Kompromisslosigkeit. Genau das wollte ich auch für meinen Islam. Und so kam es zu dem Buch."

Michael Muhammads Roman "The Taqwacores" erzählt die Geschichte einer Punk WG in Buffalo New York. Die Mitbewohner sind gläubige Muslime. Dort wo unter der Woche die Gebetsteppiche ausgerollt werden, steigen am Wochenende wilde Rockshows.

Michael M. Knight: "Da gab diesen Typen in Texas, Kurosch. Der hat gedacht, das ist alles echt. Er wollte diese Leute unbedingt treffen. Ich hab gesag: Sorry, ich hab das alles erfunden. Taqwacore gibt es nicht. Und er hat gesagt: Aber ich bin Taqwacore. Also hat er sein Musikprojekt Vote Hezbollah genannt, nach der Band aus dem Buch. Eine echte Ehre. "


Kominas

Auch die Kominas haben Michael Knights Buch gelesen. Und cool waren sie nicht immer, die Amerikaner dissten sie wegen des pakistanischen Akzents und ihre Familien kritisierten ihren amerikanischen Lifestyle. Erst durch den Taqwacore-Roman kamen sie mit sich selbst klar.


Sarmust

Taqwacore ist nicht gleich Taqwacore, jede Band hat einen anderen Ansatz. Den typischen Taqwacore Sound gibt es nicht. Omar Waqar zum Beispiel ist mit Punk in Washington DC groß geworden. Auf amerikanische Popkultur steht er genauso, wie auf islamische Sufipoeten. Also bringt er auch in seiner Band Sarmust beides zusammen: Verzerrte Gitarren und Sitar.

Secret Trial Five

Was als kleine Community im Internet anfing, entwickelte sich zu einem amerikaweiten Taqwacore-Netzwerk. Der harte Kern der Szene ging 2007 zum ersten Mal gemeinsam auf Tour. Mit dabei war auch Sena Hussain. Die Sängerin aus Vancouver ist in der einzigen Taqwacore Mädchenband: Secret Trial Five. Ohne Kopftuch, dafür mit wütenden Texten.

Der Höhepunkt der Taqwacore Tour: der Auftritt bei der Isna Convention in Chicago. Bei bei der größten islamischen Versammlung Nordamerikas spielen die Muslim Punks zum ersten mal vor den eigenen Glaubensbrüdern und Schwestern und zetteln einen Kulturschock an. Beim Auftritt von Sena's Band Secret Trial Five kommt es zum Eklat. Die konservativen Veranstalter lassen die Show platzen, Hardcore und Islam geht für sie nicht zusammen. Doch das Publikum ist längst überzeugt, Taqwacore ist nicht mehr zu stoppen.

Was als Fantasie begann, steht längst in den Plattenläden, denn Taqwacore ist auf dem Vormarsch. Auch wenn die Muslim Punks den Strenggläubigen nicht in den Kram passen.

Buch

"The Taqwacores" von Michael Muhammad Knight
Telegram Books - London, 2007
der Britische Verlag zog es vor einige ihm blasphemisch erscheinende Passagen zu kürzen, ihre volle Version kann man auf den Webseiten des Amerikanischen Verlags Autonomedia nachlesen.
Dieses Buch kann man auch bei Soft Skull Press bestellen

Links

Dokumentation

"Taqwacore: The birth of Punk Islam"
von Omar Majeed

Film

"The Taqwacores" von Eyad Zahra
mit Bobby Naderi, Noureen Dewulf and Dominic Rains



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Dienstag 26. Januar 2010 um 05.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Deutschland, 2010, 52mn)
BR

Erstellt: 20-01-10
Letzte Änderung: 08-02-11


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