08/02/11
Terry Gilliam
„And now for something totally different“ („Und jetzt etwas völlig anderes“) - mit dieser seltsamen Einführung beginnen die meisten Sketche der Monty Python. Der berühmten, von Graham Chapman, John Cleese, Eric Idle, Terry Jones, Michael Palin und Terry Gilliam gegründeten Komikertruppe lag von Anfang an wenig daran, den Fernsehzuschauern ein konventionelles Format vorzusetzen. Bereits 1969 brach der „Monty Python's Flying Circus" mit der Ordnung von „Auntie Beeb“, der guten, alten BBC. Die satirisch-anarchistischen, surrealistischen Werke der Monty Python setzten neue Maßstäbe für den britischen Humor, und tatsächlich bereicherte sich der britische Wortschatz um das offiziell anerkannte Adjektiv „pythonesk“.
Terry Gilliam, der einzige Amerikaner unter den Montys, wurde 1940 in Minnesota geboren und lernte sein Handwerk als Satirezeichner in New York bei Harvey Kurtzman, dem genialen Gründer des „Mad“-Magazins. 1967 hielt er es im puritanischen Amerika nicht mehr aus. Die Begegnung mit John Cleese motivierte ihn zur Übersiedlung nach London. Bereits ein Jahr später wurde er britischer Staatsbürger, und die BBC stellte ihn als Trickzeichner für die Animationssequenzen der Monty Python ein. Rasch wurde er zu einem wichtigen Pfeiler der Monty Python und führte zusammen mit Terry Jones Regie bei deren erstem Spielfilm, „Die Ritter der Kokosnuss“. Diese Groteske über den Mythos von König Artus, seiner Tafelrunde und der Suche nach dem Heiligen Gral liefert einen Vorgeschmack auf Terry Gilliams skurriles Filmschaffen. Dazu zählen unter anderem die „Abenteuer des Baron Münchhausen“ (eine fantastische Reise zwischen dem Mond und dem Erdmittelpunkt), „Angst und Schrecken in Las Vegas“ (die drogenvernebelten Verirrungen des Journalisten Hunter „Gonzo" Thompson) und „Tideland" (ein Film über das Schicksal einer Waise, eine Art „Alice im Land des Grauens“).
Die Filmwelt des britischsten aller amerikanischen Regisseure schwankt zwischen überbordender Fantasie und tiefgründigem Thriller. Terry Gilliams dystopische Vorstellungswelten sind - wie seinerzeit die von Jules Verne - zuweilen prophetisch: zum Beispiel die Überwachungsgesellschaft in „Brazil" und die Viruspandemie in „12 Monkeys" belegen schier wahrsagerischen Fähigkeiten.
Tracks
Samstag 14. November 2009 um 01.25 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2009, 52mn)
ARTE F
Erstellt: 05-11-09
Letzte Änderung: 08-02-11