Cannes 2005 - Wettbewerb - 23/05/05
The Election
Ein Film von Johnnie To
Eine Triadenwahl
im 21. Jahrhundert
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(Hongkong 2005, 101 Min.)
Mit: Nick Cheung, Louis Koo, Tony Leung Ka Fai, Andy On, Simon Yam
Synopsis: Alle zwei Jahre wird der Anführer der ältesten Triadenvereinigung Hongkongs, der Wo Shing Society gewählt. Wie es der Brauch ist, dürfen die ältesten Mitglieder der Triade den neuen Chef per Stimmabgabe ermitteln. Es gibt zwei Anwärter. Für Lok, den einen scheint die Mehrzahl der Entscheider zu sein, doch Big D verschafft sich mit unlauteren Methoden jede Menge Respekt. Zwischen den beiden Kandidaten bricht ein brutaler Krieg um den Chefsessel aus.
Kritik: Der extrem produktive Regisseur aus Hongkong, der zumeist mehrere Filme pro Jahr realisiert, hat einen weiteren Film fertig gestellt. Seine Triadengeschichte ist konventionell erzählt und setzt bisweilen auf die schockierende Wirkung brutaler Gewalt. Dass Big D bereit ist, darum zu kämpfen, mit allen legalen und illegalen Mitteln der neue Anführer der ältesten Triadenbewegung zu werden, wird gleich von Anfang an klar gemacht. In der ersten Einstellung fordert er ein Triadenmitglied auf, seinen Porzellanlöffel zu essen. Der zerreibt ihn und isst ihn. „Wie ein Hund“, kommentiert Big D zufrieden. Diese Szene ist nicht nur eine Hommage auf einen Triadenfilm des japanischen Regisseurs Fukasakus aus den 70er Jahren, indem ein Triadenmitglied die Knochen seiner Geliebten in pulverisierter Form zu sich nimmt. Der Film gibt damit auch gleich die Richtung vor, die er einschlagen wird.
Big D schreckt vor keinerlei Gewalt zurück. Ohne zu zögern bricht er die Regeln jahrhundertealter Traditionen, um zu seinem Ziel zu gelangen. Dargestellt wird er von Tony Leung Ka Fai, der bereits in diversen Wong Kar Wai Filmen durch seine körperliche Präsenz und sein gefühlvolles Spiel zu begeistern wusste. In seiner Inszenierung bleibt Johnny To dem Genre des Triadenfilms verhaftet. Die Dialoge klingen allesamt, als hätte man sie schon Dutzende Mal gehört, und auch die Gewaltszenen wissen nicht zu überraschen. Die Kamera von Cheng Siu Keung arbeitet actionorientiert, und ist dabei nicht besonders auffällig.
Das einzige wirklich Erwähnenswerte ist das Ende dieses Films, das aber selbstverständlich hier nicht verraten wird. Nur soviel: Es ist natürlich höchst brutal. Während wir minutenlangen Metzeleien in Echtzeit zusehen, wird immer wieder eine streitende und balgende Affenfamilie dazwischengeschnitten. Diese quasi dokumentarischen Anspielungen kommen äußerst überraschend und durchbrechen die Regeln des Genrefilms. Was aber genau will uns Johnnie To damit sagen? Dass wir genauso animalisch wie unsere Vorfahren sind? Dass uns unsere Jahrtausende alte Kultur nicht weitergeholfen hat? In dieser Szene liegt das eigentliche Geheimnis dieses Films, das es zu erforschen gilt.
Nana A.T. Rebhan
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The Election
Ein Film von Johnnie To
(2004, 98 min)
Mit:Nick Cheung, Louis Koo, Tony Leung Ka Fai, Andy On, Simon Yam
Erstellt: 14-05-05
Letzte Änderung: 23-05-05