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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 01. März 2007 - 01/03/07

The Good German

Ein Film von Steven Soderbergh


Bei so einer Erzählhaltung verliert jede Femme Fatale ihr Geheimnis...

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USA 2006
Länge 108 Min.
Format 35 mm, 1:1.85
Mit: Jake Geismar George Clooney, Cate Blanchett, Tobey Maguire, Beau Bridges, Dominic Comperatore, Dave Power, Tony Curran


  • Synopsis

DER US-Kriegsberichterstatter JACK GEISMER (George Clooney) kehrt ins zerstörte Nachkriegsberlin zurück, um über die Potsdamer Konferenz zu berichten, wo vor allem zwischen den Siegermächten Amerika und der Sowjetunion die Zukunft Europas und der Welt verhandelt wird. Ausgerechnet sein Fahrer TULLY (Toby Maguire) ist der Liebhaber von LENA BRANDT (Cate Blanchett) – Jacks großer Liebe aus gemeinsamen Berliner Vorkriegs-Nachrichtenbüro-Tagen. Spätestens als Tully, ein versierter Schwarzmarkthändler, mit 100 000 D-Mark erschossen in der Havel aufgefunden wird, schwant Jack, dass der Krieg und die in dieser Zeit eingegangenen Kompromisse seine große Liebe Lena so verändert haben, dass er sie nicht mehr wieder erkennen wird.

  • Kritik

Einen Film wie aus den besten Zeiten des Film Noirs, des 40er-Jahre Schwarzweiß-Kinos aus den Warner-Brothers-Studios, garniert mit Zitaten aus dem Italienischen Neorealismus („Deutschland Stunde Null“) und Wolfgang-Staudtes „Die Mörder sind unter uns“– als das verspricht Steven Soderbergh zu Beginn seines in Berlin spielenden düsteren Nachkriegsdramas „The Good German“. Zu Archivmaterial vom grausam zugerichteten Berlin ein melodramatischer Soundtrack, wie ihn Fritz Lang nicht besser in Auftrag hätte geben können, dazu flackernde Filmtitel in der Typographie der 40er Jahre. Später imitiert das Liebespaar George Clooney/Cate Blanchett Bogart/Bergmann in „Casablanca“, Und die Schauspieler - allen voran Cate Blanchett – verfallen im Auftrag des Regisseurs in den Brechtschen, nach außen gekehrten, ironiefreien Sprechstil, wie ihn auch die Dietrich oder später die Knef aus dem Effeff beherrschten.

Dass Hexenmeister Soderbergh handwerklich dazu in der Lage sein würde, Rauchkringel im effektvollen Schwarz-Weiß-Gegenlicht kunstvoll schweben zu lassen, ausdrucksvoll-schmachtende Schatten in das in Großaufnahme gefilmte, leidende Gesicht seiner Femme Fatale oder ausgebleichte Totalen mit ausfransenden Bildrändern zu komponieren, stand nach seinen diversen Genre- und Stilexperimenten („Out of Sight“/ „Ocean’s Eleven“) außer Frage.
Dass aber so viel handwerklichem Können so wenig genretypische Doppelbödigkeit, Abgründiges in der Zeichnung seiner Figuren und erzählerische Finessen gegenüberstehen würden, ist die eigentlich – unangenehme – Überraschung dieses eklektizistischen Experiments.

Wie ein Trojanisches Pferd benutzt Soderbergh das Film-Noir-Genre, um seine beißende Kritik an der aktuellen amerikanischen Außenpolitik darin zu verstecken. Damals in Potsdam nämlich ging es Russen wie Amerikanern nicht um eine bessere Welt, sondern vor allem darum, wie man das in Deutschland noch vorhandene Kapital an Mensch und Material außer Landes schafft, um in der nächsten bevorstehenden – mutmaßlich atomaren Auseinandersetzung die Oberhand zu behalten. Die Amerikaner, wie man weiß, versorgten Hitlers Spitzenwissenschaftler mit einer neuen Identität, damit sie jenseits des Atlantischen Ozeans weiterforschen konnten. Nur ein paar wenig Aufrechte, wie auch heute im Irak (wo es ebenfalls nur um die Sicherung von Einflusssphären und den schnöden Mammon geht) wollten damals wie heute wirklich Frieden und Völkerverständigung. Wie Jack Beismer, der eigentlich nur einen Mensch retten will, dabei aber entdeckt, wie schmutzig die amerikanische Außenpolitik wirklich ist. Anders als die Großmeister des ‚Film Noir’ aber zünden Soderbergh und sein Autor Paul Attanasio weder Nebelkerzen, noch bedienen sie sich anderer Verschleierungsstrategien, um das Komplott und die politischen Machenschaften spannend zu halten. Im Gegenteil. Jedes noch so kleinste Geheimnis in der Vergangenheit der Figuren wird ausgeleuchtet, jede darin vorkommende Schlechtigkeit ans Tageslicht gezerrt. Bei so einer Erzählhaltung verliert jede ‚Femme Fatale’ ihr Geheimnis. Und George Clooney könnte noch hundertmal verprügelt werden, noch 1000 Filterlose lässig in die Ruinen schnippen und es würde immer noch wie eine auswendig gelernte Humphrey-Bogart-Pose wirken.

Martin Rosefeldt


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  • Biographie Steven Soderbergh

Geboren am 14.1.1963 in Atlanta. Als Schüler erste Kurzfilme im Rahmen eines Seminars an der Louisiana State University, Praktikum beim TV-Sender NBC in Los Angeles. 1989 Goldene Palme in Cannes für sein Regiedebüt SEX, LIES AND VIDEOTAPE, dann gelingt ihm 2000 mit ERIN BROCKOVICH erneut ein weltweiter
Kinoerfolg. 2001 Regie-Oscar für TRAFFIC. Nach OCEAN’S ELEVEN Gründung einer gemeinsamen Produktionsfirma mit George Clooney, die junge Regisseure fördert.

Erstellt: 27-02-07
Letzte Änderung: 01-03-07