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Cannes 2009

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Cannes 2009 – Offizieller Wettbewerb - Außer Konkurrenz - 23/05/09

The Imaginarium of Doctor Parnassus

Ein Film von Terry Gilliam


( Arte Bewertung: 4 ) Ein neues extravagantes, finsteres Rokoko-Märchen von Terry Gilliam, ganz im Stil von "Die Abenteuer des Baron Münchhausen" und "König der Fischer". Der Film ist das letzte Werk von Heath Ledger…

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Synopsis: Doktor Parnassus bietet dem Publikum mit seiner Wandertheatertruppe "Imaginarium" die Möglichkeit, mittels eines Zauberspiegels in die Welt der Fantasie und der Wunder einzutauchen. Doch Doktor Parnassus umgibt ein entsetzliches Geheimnis. Seine Spielsucht hatte ihn tausend Jahre zuvor dazu getrieben, eine Wette mit dem Teufel einzugehen, die ihn unsterblich machte. Später trifft Doktor Parnassus endlich seine Liebe und schließt erneut einen Pakt mit dem Teufel, um seine Unsterblichkeit gegen Jugend einzutauschen. Allerdings verlangt der Teufel dafür, dass Parnassus' Tochter ab dem Tag ihres 16. Geburtstags Mr. Nick gehören soll. Nun ist der Tag gekommen, diesen Preis zu entrichten… Um seine Tochter zu retten, beginnt der Doktor einen Wettlauf mit der Zeit und reißt dabei eine ganze Schar ungewöhnlicher Persönlichkeiten mit sich - wild entschlossen, seine Fehler ein für alle Mal wieder gut zu machen…

The Imaginarium of Doctor Parnassus
Ein Film von Terry Gilliam
(Großbritannien/Kanada, 2009, 122 min)
Mit Heath Ledger, Christopher Plummer, Lily Cole, Tom Waits…

Kritik: Dieses außergewöhnliche, finstere Rokokomärchen erzählt von der seltsamen Welt des Doktor Parnassus, ein unsterblicher Mönch, der zum Gaukler wurde und versucht, seine Zuschauer zur Religion des Imaginären zu bekehren. Seine merkwürdige kleine Truppe bricht im Laufe der Pantomimevorstellungen, die sie des Nachts einigen Säufern bietet, nach und nach zusammen. Doch als der Teufel seinen Tribut fordert, hat der Doktor keine andere Wahl, als die Truppe zu Hilfe zu rufen, um seine Tochter Valentina (gespielt von der schönen Lily Cole) vor des Teufels Klauen zu bewahren. Der Anfang des Films gleicht einem anderen, vor 20 Jahren geschaffenen Werk von Terry Gilliam wie ein Ei dem anderen. In den "Abenteuern des Baron Münchhausen" versucht eine Theatertruppe in einer belagerten Stadt ihr Stück vorzutragen, als plötzlich ein alter Mann auftaucht, der behauptet, dass das Stück aus nichts als Lügen bestünde und dass er als der rechtmäßige Baron seine wahre Geschichte erzählen müsse. Der Baron und der Doktor haben - neben ihrer äußerlichen Ähnlichkeit (die herausragenden Darsteller sind John Neville und Christopher Plummer) und ihrem maßlosen Interesse an Geschichten - einiges gemeinsam: sie teilen dieselbe Weltanschauung, nämlich die eines zähneknirschenden Idealisten, wie sie auch Gilliam eigen ist. Und wie der "König der Fischer" (1991), ist auch der Geschichten erzählende Mönch Doktor Parnassus in seinem Innersten ein träumender Vagabund, ein herrlicher, wenn nicht gar himmlischer Streuner.

In dieser letzten Fantasiegeschichte bedient sich Terry Gilliam der Bilder aus Volksglauben und Märchen, der Mythen und der Tarotkarten. Zum Rivalen des Parnassus macht er den Teufel höchstpersönlich; jener trägt den Namen Nick, erhielt die Züge (und die raue Stimme) des großartigen Tom Waits und tritt als ein geckenhafter Satan und eingefleischter Spieler auf. Sein Gegenspieler Tony ist ein kleiner Betrüger, der mit der russischen Mafia gemeinsame Sache machte und vom verstorbenen Heath Ledger gespielt wurde, dessen letzter Film hiermit auf die Leinwand kommt. Es bricht einem das Herz, ihn noch einmal auf der Leinwand auftauchen zu sehen, zunächst als Gehenkter, an einem Seil unter einer Themse-Brücke in London baumelnd, dann als unwiderstehlicher Gaukler mit spitzer Zunge und schlussendlich als schönredender Pierrot, dessen Charme Columbine erliegt. Tony bekommt in Parnassus' Fantasiewelt im Folgenden die Züge von Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell, womit Gilliam einen Weg gefunden hat, mehrere Verwandlungen plausibel in die Handlung einzubauen. Wie man es von Gilliam gewohnt ist, verbirgt sich auch hier hinter scheinbarer Naivität eine zeitgenössische Analyse - halb Traum, halb Satire und voller zauberhafter Symbole. Im Spiegel des Doktor Parnassus lässt jeder sein eigenes Universum entstehen, die Grenze zwischen Wirklichkeit und Fiktion wird fließend. Alles wird Teil einer Geschichte, die es zu erzählen gilt - ansonsten könnte der Himmel über der Welt zusammenbrechen…

Diesen unwirklichen Spiegel auf der Leinwand trennt daher nur ein kleiner Schritt von Parnassus' "Imaginarium" des großen Kinos. Als Tony diese "Religion" einer Frau verkauft, zeigt er ihr im Übrigen Bilder der "Märtyrer" James Dean und Marilyn, denen die ewige Jugend geschenkt wurde. Wird eine Geschichte aber erzählt, so wird sie mitunter von der Wirklichkeit eingeholt. Und wie sagte der weise Parnassus doch so schön zur Frage nach dem Happy End: das ist nicht wirklich möglich… wenn es denn nur schön erzählt ist…

Delphine Valloire

Erstellt: 06-05-09
Letzte Änderung: 23-05-09