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Jahrhundertaufnahmen Jazz

Ab sofort präsentiert ARTE-Online zusammen mit der SWR 2-Jazzredaktion in einer neuen Reihe die "Jahrhundertaufnahmen des Jazz" – von den Anfängen bis zur (...)

Jahrhundertaufnahmen Jazz

30 Jahrhundertaufnahmen des Jazz - 28/11/08

The Quintet: "Live At Massey Hall"

Mit: Charlie Parker – Altsaxophon, Dizzy Gillespie – Trompete, Bud Powell – Piano, Charles Mingus – Bass, Max Roach – Schlagzeug (1953)


von Bert Noglik

Die Auswahl im Überblick


Als “The Greatest Jazz Concert ever” bezeichnet, assoziiert sich die Aufzeichnung dieses als Event inszenierten Konzertes mit einer hohen Erwartungshaltung. Tatsächlich erweist sich die Qualität des Tondokumentes als keineswegs über alle Zweifel erhaben. Und dennoch werden mit diesem Mitschnitt einiger der wichtigsten Musiker des Bebop mit essentiellen Soli und in dichter Interaktion eindrucksvoll vorgestellt.

Die New Jazz Society in Toronto begann Anfang 1953 Kontakte mit einer Reihe von Musikern aufzunehmen, um die Protagonisten jenes neuen Stils, der rund zehn Jahre zuvor in New York entstanden und über eine Dekade gereift war, in einem Marathon-Konzert auf die Bühne der Massey Hall stellen. Der Plan reduziert sich schließlich auf die Vorstellung eines Trios mit Bud Powell, Charles Mingus und Max Roach sowie einer als „Quintett des Jahres“ bezeichneten Band mit dem Bud Powell Trio plus Dizzy Gillespie und Charlie Parker. Weiterhin spielte noch eine Großformation mit kanadischen Musikern in diesem Konzert, das nur spärlich im Vorverkauf lief und auch am Abend selbst vergleichsweise schwach besucht war, weil zur selben Zeit der Boxweltmeisterschaftskampf im Schwergewicht übertragen wurde.

Charlie Parker hatte seinerzeit einen Exklusivvertrag mit der Plattenfirma Mercury und durfte auf dem Cover der später von Charles Mingus und Max Roach auf deren Label „Debut“ veröffentlichten Plattenproduktion daher nur mit einem Pseudonym, „Charly Chan“, erscheinen. Der von Charles Mingus veranlasste Mitschnitt erwies sich von mäßiger Tonqualität. Aus diesem Grund entschloss sich der Bassist, seine eigene Tonspur später „nachzubessern“ und den Originalaufnahmen im Studio eingespielte Bassfiguren hinzuzumischen, was das Endresultat verbessert hat.

Charlie Parker kam ohne Saxophon in Toronto an und sah sich gezwungen, ein Instrument in einem Musikgeschäft auszuleihen. Bei der ersten Nummer hatte er hörbar damit zu tun, dem Klang dieses weißen Plastiksaxophons Herr zu werden. Die Musiker, insbesondere Dizzy Gillespie, waren zu Beginn des Konzertes auch eher am Verlauf des Boxkampfes als an der gemeinsamen Session interessiert. Doch im Verlauf des Spiels entwickelte sich eine erstaunliche Eigendynamik, die bei den Musikern wie auch beim Publikum das durchaus berechtigte Gefühl aufkommen ließ, dass es sich um ein einmaliges Zusammentreffen handelte. Der sich in hitzigen Spielprozessen steigernde Charlie Parker und der bei aller Vehemenz stets überlegt und zudem humorvoll agierende Dizzy Gillespie, die beiden Symbolfiguren des Bebop, liefen zur Hochform auf und brillierten mit Soli, die das dialektische Spannungsverhältnisse ihrer unterschiedlichen Individualstile innerhalb des von ihnen geschaffenen musikalischen Idioms erlebbar machen. Mit treibenden Rhythmik, reibungsvollen Harmonien und improvisatorischen Melodiefindungen, die weit über die im Swing übliche Behandlung von Standardmaterial hinausreichen, demonstrieren alle fünf Musiker den Anspruch des Jazz der Moderne.


The Quintet: Live At Massey Hall
aufgenommen am 15. Mai 1953, Toronto, Massey Hall
Mit: Charlie Parker – Altsaxophon, Dizzy Gillespie – Trompete, Bud Powell – Piano, Charles Mingus – Bass, Max Roach – Schlagzeug
(Original Jazz Classics OJC20 044-2 (Zyx) Zyx Music 0252 18731263 SACD)



Complete Jazz At Massey Hall
(Normale CD: JFac)

Erstellt: 20-03-06
Letzte Änderung: 28-11-08


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