Mit Isabella Rossellini, Mark McKinney, Maria de Medeiros, David Fox und Ross McMillan
Zu unserer Fotogalerie: The Saddest Music in the World
Inhalt: Während der Großen Depression, im Winter 1933, kehrt der in New York gescheiterte Impresario Chester Kent mit seiner vergesslichen Freundin Narcissa in seine Heimatstadt Winnipeg zurück. Das Wiedersehen mit der Familie verläuft alles andere als harmonisch. Ganz Winnigpeg ist aus dem Häuschen, da dort gerade der Sangeswettstreit "Das traurigste Lied der Welt" unter der Leitung der reichen, beinamputierten Brauereibesitzerin Lady Port-Huntley stattfindet, bei dem auch die Familie Kent gegeneinander antritt.
Kritik: Für das Drehbuch zu "The Saddest Music in the World" kam es zur Zusammenarbeit zweier höchst unterschiedlicher Künstlerpersönlichkeiten. Der Londoner Schriftstellers Kazuo Ishiguro, der bekannt ist für seine Tragöden voll von britischen Understatement, und der Kanadier Guy Maddin, der exzentrische Papst der neuen postmodernen Bewegung, haben ein höchst interessantes Gemeinschaftswerk vorgelegt, aus dem Regisseur Maddin, wie man es von ihm kennt, ein bizarr-groteskes Werk für die Leinwand geschaffen hat. Die klare Strukturierung des Films und das Thema der verdrängten Gefühle ist sicherlich auf Ishiguro, den Autor des Buches "Was vom Tage übrig blieb", zurückzuführen. Gleichzeitig spiegelt der Film jedoch auch die für Guy Maddin so typischen Obsessionen und seine ganz eigene Weltsicht wider. Der Film ist nicht aus dem für Kinofilme üblichen Stoff, sondern ein Konzentrat von Träumen und Albträumen.
Die Bilder, die an die Stummfilmzeit erinnern, gehen dem kreidebleichen Zuschauer unter die Haut. Sie lassen in ihm das Gefühl zunehmender Einengung entstehen, während blasse Schwarzweiß-Aufnahmen, in denen einzig der künstliche Schnee leuchtet, in sepia- oder lavendelfarbene Töne übergehen. Der Kentsche Familiestreit mit seinen absurden Auswüchsen erinnert an die amerikanische Seifenoper "The Young and the Restless", und dann wieder an Ödipus auf Ecstasy. Guy Maddin bleibt seinem Stil treu und greift wie ein routinierter Zauberer auf die Stilmittel aus seinen zwei besten Filmen zurück. So findet man in "The Saddest Music in the World" sowohl das atemberaubende Tempo des brillanten Kurzfilms "The Heart of the World" als auch die tödliche Bitterkeit des Kultfilms "Careful" wieder.
Ab und zu scheint das inszenierte Chaos außer Kontrolle zu geraten, wenn man auf der Leinwand Verstümmelungen wie aus Horror-Filmen und morbiden Fetischismus, das Ganze kombiniert mit einem Hockey-Spiel, erblickt; ein Flötenspieler aus Siam tritt alleine gegen eine Horde Schotten mit Dudelsack an, ein schönes junges Mädchen hat ihr Gedächtnis und eine perverse Frau ihre Beine verloren, das alles in einem improvisierten Musical, das in einer Katastrophe endet.
Wie zu Beginn des Films von einer Hexe vorausgesagt, ereilt der Tod, über den sich der Protagonist lustig gemacht hat, ihn schließlich in einem Durcheinander von Glassplittern. Der Film enthält, wie so oft bei Maddin, jede Menge Anspielungen. Mark McKinney verkörpert Chester Kent äußerst gekonnt. Sein Spiel erinnert an das dandyhafte Verhalten des Lermonow in Michael Powells Film "Die roten Schuhe" nach dem Märchen von Hans-Christian Andersen. Isabella Rossellini, die direkt aus "Blue Velvet" zu kommen scheint, erstrahlt in einem nostalgischen Licht und beschwört eine Stimmung wie in der Welt des David Lynch, die der Maddins so sehr ähnelt.Delphine Valloire






per E-Mail verschicken
Mit schwarzem Humor erzählt der Regisseur eine unheimliche Geschichte über den Trieb des Menschen, sich in schwierigen Situationen für das traurigste Wesen der Welt zu halten, und über das unsinnige Bedürfnis, die Mitmenschen selbst in ihrem Unglück übertreffen zu wollen.
Facebook
Twitter
RSS

