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Themenabend: Freitag, 10. Februar 2006 > 22.05 bis 0.55 auf ARTE - 16/09/08

Gilda

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Die "Liebesgöttin"

"Gilda" stellt den Höhepunkt in der Karriere von Rita Hayworth dar: Dieser Film krönt sie in den Augen ihres Publikums zur "Liebesgöttin". Zwischen Pin-up-Girl und Femme Fatale verkörpert Gilda mit ihren prachtvollen rotblonden Locken und dem exquisiten Etuikleid aus schwarzem Satin eine temperamentvolle, provozierende Schönheit, die Verführung par excellence. Die raffinierte Erotik des Films, die bissigen, pointierten Dialoge tun das ihre, um den Mythos der schillernden Gilda zu nähren. Das Werk erscheint wie eine Huldigung des Regisseurs Charles Vidor an Ritas Charisma und Schönheit. Mit dieser Rolle macht er sie zur unsterblichen Liebesgöttin, verleiht ihr endgültig den Status einer Ikone: Rita Hayworth steht jetzt auf dem Gipfel des Ruhms.
Das Drehbuch dieses komplexen „Film noir“ basiert auf einer Erzählung von E.A. Ellington. Die exzentrische und zynische Fabel zeigt uns ein vom Krieg angeschlagenes Amerika in paranoider Angst vor Nazi-Gangstern, die im südamerikanischen Exil finstere Komplotte schmieden. Alfred Hitchcocks Thriller "Notorious" ("Berüchtigt"), der im selben Jahr erscheint, wartet übrigens mit einer ganz ähnlichen Story auf.


Subversion und Homosexualität

Dass "Gilda" ein solcher Erfolg beschieden war, lag sicher auch an der unterschwelligen erotischen Spannung, die von der amourösen Dreiecksbeziehung - fast einer Ménage à trois - der Hauptfiguren, ausging. Der Falschspieler Johnny Farrell (Glenn Ford) entgeht dank des steinreichen Casino-Besitzers Ballin Mundson (George Macready) auf den Straßen von Buenos Aires einem hinterhältigen Mordanschlag. Johnny schwört dem kaltblütigen, an ein Reptil erinnernden Mann, dessen Gesicht nach Scarface-Manier von einer Narbe verunstaltet ist, ewige Freundschaft und Loyalität und avanciert bald zu dessen rechter Hand. Bis Mundson ihm eines Tages seine frisch angetraute Frau vorstellt: die betörende Gilda. Die latenten homosexuellen Konflikte der männlichen Protagonisten werden mit knappen, doppeldeutigen Dialogen, Euphemismen und bestimmten Schlüsselszenen nur angedeutet, um sie sowohl an der Filmzensur wie auch am Hayes-Code (einer 1932 eingeführten Sammlung moralisierender Vorschriften zur Selbstzensur der amerikanischen Filmindustrie) vorbeizuschleusen. Der Spazierstock mit eingebauter Stichwaffe, der Johnny vor dem Tode gerettet hat - nach Freudscher Interpretation ein Phallussymbol - ist "der andere kleine Freund" ("other little friend") der beiden Männer, bevor Gilda in den Zirkel aufgenommen wird. Dabei hatte Ballin noch apodiktisch verkündet: "Glücksspiel und Frauen vertragen sich nicht miteinander!" Johnny seinerseits hatte vor Ballin erklärt: "Gestern abend wurde ich geboren, als Sie mich in dieser Gasse aufgelesen haben. Ich habe also keine Vergangenheit mehr, nur noch eine Zukunft, verstehen Sie? Und das gefällt mir." Die Doppeldeutigkeit sticht ins Auge, wie auch die Verachtung der Frau als ein wichtiges Thema des Films. Das kommt an einer Stelle besonders deutlich zum Ausdruck: "Laut Statistik”, äußert sich Farrell einmal gegenüber Gilda, “gibt es mehr Frauen auf der Welt als alles andere ... ausgenommen vielleicht Insekten."


Fantasie und ernüchternde Wirklichkeit

Das Filmplakat verkündet: "There has never been a woman like...Gilda!". Tatsächlich scheint der Frauentypus, den wir in Gilda verkörpert finden, in der Realität gar nicht zu existieren: Mal gefällt sie sich in der Rolle des Vamps, mal spielt sie die Unterwürfige. Sie erscheint wie das Produkt eines schizophrenen Hirns, oder wie das widersprüchliche Idealbild einer Frau, keusch und lasziv zugleich, das Männern vielleicht in ihren Träumen vorschwebt. In der legendären Striptease-Sequenz, einer der berühmtesten Filmszenen aller Zeiten, streift Gilda einen langen schwarzen Satinhandschuh ab, während sie singt "Put the Blame on Mame". Um ihn zu reizen, spielt Gilda absichtlich vor ihrem Geliebten Johnny die Rolle des leichten Mädchens, bis er sie von der Bühne zerren lässt und sie ohrfeigt.
In ihrem Leben hat Rita Hayworth immer wieder den Preis für die Rolle der Gilda bezahlen müssen: Eine so übermächtige Fantasie zu verkörpern, ist nicht ohne Risiko. Als sie eines Tages mit Harry Cohn über ihr Image und dessen Schattenseiten spricht, sagt sie, unendlich traurig: "Alle Männer, die ich gekannt habe, hatten sich in Gilda verliebt, aber aufgewacht sind sie immer neben mir."


Delphine Valloire


Themenabend Rita Hayworth
22.05 : Rita / Dokumentar von Elaina Archer (USA, 2003, 60')
23.10 : Gilda / Film von Charles Vidor
> Freitag 10. Februar 2006: 22.05 bis 0.55


Erstellt: 03-02-06
Letzte Änderung: 16-09-08