Mit Viggo Mortensen, Naomi Watts, Armin Müller-Stahl, Vincent Cassel, Sinéad Cusack
Synopsis: Eine 14-jährige Russin stirbt bei der Geburt ihres Kindes. Die Hebamme Anna findet deren Tagebuch, und versucht, den Vater des Kindes zu finden. Das Tagebuch führt sie in ein nobles russisches Restaurant, das vom charismatischen Besitzer Semyon geführt wird. Anna ahnt nicht, dass dieser der Boss der russischen Mafia-Organisation Vory V Zakone ist und dass sie sich mit Leuten einlässt, von denen sie lieber nie gehört hätte.Kritik: TÖDLICHE VERSPRECHEN - EASTERN PROMISES ist ein hervorragender Thriller, aber er ist mehr als ein Thriller. Das verwundert nicht, ist er doch der neueste Film von David Cronenberg, und der ist ja auch nicht irgendein Regisseur. Angefangen hat der kanadische Filmemacher mit Filmen, die voller Utopien waren und exzessiv an ihre Grenzen gingen, egal wie klein ihr Budget war, u.a. VIDEODROME (1983) und DIE FLIEGE (1986). In den letzten Jahren hat sich Cronenberg in eine ganz andere Richtung entwickelt, die mehr auf eigentümliche Geschichten setzt, wie man dies an seinen letzten Filmen SPIDER (2002) und A HISTORY OF VIOLENCE
(2005) sehen kann. Aus beiden Filmen hat sich Cronenberg etwas mitgenommen, was in TÖDLICHE VERSPRECHEN wieder zu finden ist. Seine existenzialistische Geschichte um einen sonderbaren Eigenbrötler, die er in kontrastreichen Schwarz/Weiß-Bildern in SPIDER eingefangen hat, spielte ebenfalls in London. Viggo Mortensen war bereits der charismatische Hauptdarsteller in A HISTORY OF VIOLENCE. In TÖDLICHE VERSPRECHEN hat er sich nun absolut überzeugend in einen russischen Mafiosi verwandelt. Besser gesagt, in den Chauffeur Nikolai, der - wie er Anna gegenüber versichert - nur fährt, "rechts, links und geradeaus." Mehr weiß er nicht, auch nicht über die verstorbene 14-jährige, die angeblich als Prostituierte für Vory V Zakone gearbeitet haben und vergewaltigt worden sein soll. Mortensens Körper ist komplett mit Tattoos bestückt - ein Zeichen dafür, dass er viel Zeit in sibirischen Gefängnissen zugebracht hat, in dem den Häftlingen die Lebensgeschichte auf die Haut tätowiert wird. Mortensen hat die komplexeste Rolle in diesem dramaturgisch hervorragend getimten Thriller. Er ist für Semyon wichtiger als dessen eigener Sohn Kirill (Vincent Cassel), der immer nur Unsinn ausbrütet, den Nikolai dann wieder ausbügeln muss. Da kommt es dann schon mal vor, dass er eine tiefgefrorene Leiche wieder auftauen muss, um ihr die Finger abzuschneiden, damit diese nicht mehr identifiziert werden kann. Kirill hat den Mann aus einer Laune heraus entsorgt, aber mit den unbequemen Aufgaben will er nichts mehr zu tun haben.
Mortensen spielt nicht nur hervorragend seine Rolle als Verbündeter des Patriarchen Semyon, als bester Freund Kirills und als Vertrauter Annas, sondern er weiß auch physisch zu überzeugen. In einer der spektakulärsten Szenen des Films kämpft er in einem türkischen Bad komplett nackt gegen zwei Angreifer mit Messern. Die Kampfszene besitzt eine gute Choreographie, die den komplett tätowierten Körper von Mortensen ausgiebig in Szene setzt und dabei gleichzeitig ironisch bis schamhaft vermeidet, dass sein Geschlechtsteil auch nur für eine Sekunde zu sehen ist. Wahrscheinlich ist der gebürtige New Yorker Viggo Mortensen so etwas wie die neue Muse von David Cronenberg, die einem sicherlich demnächst wieder begegnen wird. Man darf gespannt sein wie und wo.
Überhaupt ist die Besetzung des Films äußerst gelungen. Der französische Star Vincent Cassel spielt überzeugend den unerzogenen Sohn des Patriarchen, der selbst auch etwas zu verbergen hat, der Deutsche Armin Mueller-Stahl verkörpert den charmanten Semyon, der mal als liebevoller Großvater den Enkelinnen zeigt, wie man die Geige zum Weinen bringt, um dann als gestrenger Patriarch der Russenmafia sich Respekt zu verschaffen. Die in England geborene Naomi Watts spielt die naive Hebamme Anna, die viel zu spät merkt, mit welchen Leuten sie sich eingelassen hat. Der polnische Schauspieler, Schriftsteller und Maler Jerzy Skolimowski hat die Rolle des russischen Großvaters von Anna übernommen, der sich erst weigert, das Tagebuch einer Verstorbenen zu übersetzen. Trotz ihrer internationalen Herkunft wirken sie doch alle als Russen sehr überzeugend. Dem Film kommt die Zusammenarbeit des Regisseurs mit dem Drehbuchautor Steven Knight zu Gute, der bereits mit seinem ersten Drehbuch DIRTY PRETTY THINGS (2002) auf sich aufmerksam machte. Verfilmt wurde die in London angesiedelte Geschichte über den Schwarzmarkt von Körperteilen von Stephen Frears. Steven Knight kennt London bestens und ist fasziniert von den diversen Parallelwelten, die in der Metropole zu finden sind. In TÖDLICHE VERSPRECHEN hat er die russische Mafia genauer betrachtet. Seine Art zu schreiben berührt, während David Cronenberg gemeinsam mit seinem langjährigen Kameramann Peter Suschitzky spektakuläre Bilder findet. Gemeinsam sind sie ein großartiges Team. TÖDLICHE VERSPRECHEN - EASTERN PROMISES ist sicherlich einer der spannendsten und besten Filme David Cronenbergs.
Nana A.T. Rebhan






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Spannender Thriller aus dem Milieu der Russenmafia
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