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DVD-News - 11/08/08

Toto der Held

Ein Film von Jaco Van Dormael


Stilistisch brillant, formal einfallsreich und verschachtelt!

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  • Synopsis

Endlich, mit 80 Jahren, ist für TOTO, der Tag der Rache gekommen. Denn seit er klein ist, glaubt er, als Baby mit dem wohlhabenden Nachbarsjungen ALFRED vertauscht worden zu sein. Nun plant er den perfekten Mord an der Person, die ihm sein vermeintlich aufregendes Leben geraubt hat.


  • Der Kommentar zum Film

Als Arthur Rimbaud kein Dichter mehr war, sondern als Waffenhändler in Abessinien sein Auskommen fand, schrieb er: „Wir werden zu dem, was wir nie werden wollten, wir tun Dinge, die wir nie wollten, ohne irgendeinen Trost.“ Für seinen ersten Spielfilm wählte der belgische Filmemacher Jaco van Dormael ein eher trauriges Thema: das Chaotische der menschlichen Existenz, in der es keine Kontinuität, kein Schicksal zu geben scheint, nur unüberbrückbar nebeneinander stehende Zeitabschnitte, während derer sich die Menschen so verändern, dass sie sich am Ende ihres Lebens nicht mehr wieder erkennen. Dass aus dem drei verschiedene Zeitabschnitte, ein ganzes menschliches Leben umspannenden Regieerstling dennoch einer der sowohl künstlerisch als auch kommerziell erfolgreichsten Filme der 90er Jahre wurde, hat viele Gründe.

Jaco van Dormael erzählt seinen Film konsequent aus der Perspektive der 1. Person, aus der Ich-Perspektive. Der verbitterte 80-jährige Toto fügt in seiner Vorstellungswelt sein chaotisches Leben zusammen und entdeckt dabei doch so etwas wie einen roten Faden – die Fixierung auf seine Idee, ein Kuckuckskind zu sein. So fällt sein Beschluss, die losen Fäden, das Puzzle seines Lebens durch eine einzige Tat doch noch zusammen zu fügen.

Der Stil, in dem Toto le Héros gefilmt ist, ist konsequent dem Thema untergeordnet. Eine Kamera, die stets die Perspektive des Protagonisten einnimmt- im Falle des kleinen Toto ist sie untersichtig, im Falle des Erwachsenen auf Augenhöhe und beim Greisen Rächer stark übersichtig. Ein Licht- und Farbkonzept, das die Subjektivität der eigenen Lebenserfahrung konsequent unterstreicht. Verfremdende Toncollagen, die eher der Vorstellungskraft des Helden, als der Realität entspringen. Kurze, schnelle Schnitte, die das Assoziative der Gedankenwelt Totos unterstreichen. So trist seine Existenz auch gewesen sein mag, in seiner Phantasie und seiner Rachelust wird aus Toto im Moment des Todes doch noch ein erfüllter Mensch. Leben verpfuscht, Tod geglückt!

Van Dormaels Film ist in einer Reihe mit stilistisch ähnlich brillanten, formal einfallsreichen und verschachtelten Filmen wie Léolo oder Delikatessen und zuletzt auch Die fabelhafte Welt der Amelie zu nennen. 1991 erhielt er als bester Debütfilm in Cannes die „Goldene Kamera“ und fünf Europäische Filmpreise.

Martin Rosefeldt


Toto der Held
Ein Film von Jaco Van Dormael
Darsteller: Michel Bouquet, Jo De Backer, Thomas Godet u.a.
Belgien, Frankreich, Deutschland, 1991, 90’

Sprachen: Deutsch, Französisch (2.0 Dolby Stereo)
Extras: Interview mit Regisseur Jaco van Dormael, Trailer

Erstellt: 24-01-06
Letzte Änderung: 11-08-08