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11/10/10

Tracks - B-Boys-Summit

Eine Reportage von Nicolas Torossian - Archiv Januar 2004

Seit 1994 wird Los Angeles einmal im Jahr zur Spielwiese der Streetdancer beim großen B-Boys-Summit. Hier werden, von Breakdance bis Graffiti, alle Disziplinen der Hiphop-Kultur durchgebattlet. Eine darunter ist ganz besonders im Kommen: Der Funkystyle.

Von aggressivem oder arrogantem Getue keine Spur, hier herrscht der funky Spirit der Poppers und der Lockers, die aus der ganzen Welt angereist kommen, sei es aus Japan, Finnland oder Frankreich.

Sally Sly war 2003 der Ober-Abräumer in der Kategorie Poppin'. Jahrelang war dieser Stil die direkte Konkurrenz vom Lockin'. Beide Tänze haben sich die schwarzen Kids aus den Ghettos ausgedacht, 10 Jahre vor Erfindung des Raps.



Ende der 60er waren es rituelle Kriegstänze der rivalisierenden Gangs in New York und L.A., die den Gegner einschüchtern sollten. Inspiriert von der Urban Culture in Los Angeles gründet der Tänzer Don Campbell 1969 die "Lockers". Lässiges Outfit, noch lässigere Hüte und rot-weiß gestreifte Socken sind ihr Erkennungszeichen.

Berühmt jedoch, werden sie durch ihren Tanz, den Lockin', dessen Choreografie sich bei alltäglichen Handbewegungen bedient. Auch 30 Jahre später, ist der Ehrengast des B-Boy Summit, Don Campbell, immer noch ein Star. Ein Platz in Hollywood trägt sogar seinen Namen. Nach dem Lockin' trat der Poppin' auf den Plan, eine Erfindung der Electric Boogaloos.



Die Tanzfiguren der Locker mimen Szenen aus dem Alltag: Beim "Kill the Roach" wird eine Küchenschabe platt gemacht. Der Name "Which Way to go" -"Wo geht's lang"- sagt eigentlich auch schon alles.

Den "Pointing" verdanken wir Oncle Sam Plakaten während des Vietnam Krieges. John Travolta's Rumgefuchtel mit ausgestrecktem Zeigefinger in "Saturday Night Fever" ist ein eher missglücktes Beispiel dafür. Eine wahre Fundgrube also, von der die Monster der Musikindustrie, ob Michael Jackson oder Missy Elliot, sich gerne ihre Choreografien schnorren.

Für den Organisator des B-Boy Summit, Ritchie Rich, ist das Come-Back des Lockin' eine Hommage an die Wurzeln des Hiphop. Poppin' und Lockin' bedeutet in erster Linie, die ganz große Klasse rauszuhängen.

Der Poppin' sucht seine Inspiration bei den Zuhältern Chicagos und bei den Hispano Zoot-Suitern der 30er, während der Lockin' voll auf den schillernden Funky-Style setzt. Beide Stile sind sich in einem Punkt einig: "Streetwear" ist Synonym für "ätzend". Anders als der Breakdance, wurde der Lockin' nie Opfer von Marketing-Strategen und blieb dem Spirit der Anfänge treu.


Erstellt: 12-07-10
Letzte Änderung: 11-10-10


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