Schriftgröße: + -
Home > Summer of Love > Das Programm > Dokumentationen > Turn me on - 1967

31.07.07 : 22.30 - Turn me on - 1967 - 02/09/08

Turn me on - 1967

Utopien und Musik


Der "Summer of Love" des Jahres 1967 vereinigt zahlreiche kulturelle Strömungen, vom Rock 'n' Roll über gesellschaftskritische Philosophie und Interesse an fernöstlichen Kulturen bis zum Konsum halluzinogener Drogen. Der Dokumentarfilm beschreibt die Entwicklung dieser Gegenkultur anhand von Archivmaterial und Aussagen von Zeitgenossen und vermittelt einen lebhaften Eindruck der geistigen, politischen und künstlerischen Inhalte der Bewegung.

"Turn Me On" ist ein leicht abgewandeltes Zitat aus dem Beatles-Song "A Day In The Life", in dem es heißt: "I'd like to turn you on". Der Dokumentarfilm macht den Versuch, der geradezu magnetischen Anziehungskraft jener Bewegung nachzuspüren, die in einer Zeit aus England und den USA nach Frankreich schwappte, zu der im ganzen Land so genannte "neue Städte", die Trabantenstädte, entstanden und zu der die Hymnen auf den technologischen Fortschritt und das "Frankreich der Zukunft" die ersten Anzeichen der Proteste vom Mai 1968 übertönten.

Im Juli 1967, dem "Summer of Love", versammeln sich über 500.000 jugendliche "Drop outs", die mit der Gesellschaft gebrochen haben - "to drop out" bedeutet "herausfallen" - in der Bucht von San Francisco. Die so genannte Gegenkultur wird für eine kurze Zeit zur "Bohème der Masse". Sie ist eine Erscheinung der aus dem Untergrund stammenden Beat-Bewegung der 50er Jahre und gelangt durch die Medien schlagartig in die Öffentlichkeit. Viele Strömungen fließen hier zusammen: Rock 'n' Roll, radikale Gesellschaftskritik, Interesse an fernöstlichen Kulturen und Philosophie sowie Konsum psychedelischer Drogen.
Doch der "Sommer der Liebe" erlebt auch guerillaartige Aufstände in den schwarzen Ghettos von Newark und Detroit mit Dutzenden von Opfern. Innerhalb kurzer Zeit werden die Radikalisierung der "Black Power" und die Verschärfung des Vietnam-Krieges zu alles beherrschenden Themen. In den späten 60ern beschleunigen sich die Ereignisse auf schwindelerregende Weise. "Es war wie auf einer Achterbahn", beschreibt Bob Machover, Mitbegründer der Gruppe Newsreels, diese Zeit.

Die Dokumentation bewegt sich auf zwei Ebenen. Einerseits zeigt sie jenes "anderswo", nach dem sich damals so viele Jugendliche sehnten. Andererseits gibt er anhand von zum Teil sehr seltenem Archivmaterial Aufschluss über die Hauptwerke der Sixties-Kultur, darunter Gedichte von Ginsberg, Arbeiten des Living Theatre und Werke von William Burroughs, Stan Brakhage und Robert Kramer und den Schöpfern dieser Werke, außerdem über die Zeit prägende Musiker wie John Coltrane und Jimi Hendrix. Kommentare von Zeitgenossen wie Steve Ben Israel vom Living Theatre, Amiri Baraka, Dichter und polemische Leitfigur der Black-Consciousness-Bewegung, sowie vom Mitbegründer des Bread & Puppet Theater Peter Schumann vermitteln außerdem einen Eindruck von den geistigen, politischen und künstlerischen Inhalten der Bewegung.
Anhand persönlicher Erinnerungen und Eindrücke entsteht der subjektive und doch allgemein gültige Bericht über eine Zeitreise, die die Gegenwart im Spiegel der Vergangenheit und umgekehrt auch die Vergangenheit im Spiegel der Gegenwart betrachten lässt.
..............................................................
Turn me on - 1967: Utopien und Musik
Dienstag, 31. Juli 2007 um 22.30 Uhr
Dokumentarfilm von Marc Huraux.
ARTE France, F 2007, 75 Min., Erstausstrahlung
..............................................................

Erstellt: 02-09-08
Letzte Änderung: 02-09-08