01/09/08
Über Geister (Erster Teil)
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Nach der ersten Staffel von Geister und dem ungeheuren internationalen Erfolg von Breaking the Waves hätte man sich vorstellen können, daß Sie die Regie von Geister II einem anderen Regisseur anvertrauen. Warum liegt Ihnen daran, diese Arbeit selbst fortzusetzen?
Lars von Trier: Na ja...(langes Schweigen) schwer zu sagen. Ich habe die Geschichte zusammen mit Niels Vorsel geschrieben, und ehrlich gesagt, ich erinnere mich nicht mehr an meine anfänglichen Absichten. Es war aber mehr oder weniger ausgemacht, daß ich die Regie übernehme.
Und für die letzten Folgen gilt wohl dasselbe. Ich muß das Abenteuer nun auch zu Ende führen, meinen Sie nicht?
Ich muß aber zugeben, daß ich es schon schwierig finde, etwas zum zweiten Mal zu tun. Ehrlich gesagt, war mir das noch nie passiert. Wahrscheinlich habe ich mich geändert.
Geister II ist offenbar weniger ernst und tragisch als die erste Staffel. Liegt das daran, daß Sie mit den Personen vertrauter sind und deshalb auch mehr Sympathie für sie haben?
Ich glaube eher, daß das eine Frage des persönlichen Geschmacks ist. Mir gefallen einfach Dialoge, die sich ins Komische wenden, gleichzeitig bin ich auch für das Ergreifende einer Situation empfänglich. Abgesehen davon ist es richtig, daß die neue Staffel mehr Komik enthält als die vorherigen.
Was fanden Sie an dieser Serie am interessantesten: die Entwicklung der Handlung oder die Gestaltung der Personen?
Heikle Frage! In Geister II gibt es sehr viel mehr Verwicklungen, und die neue Staffel hat ein schnelleres Tempo. In Geister I baute die Handlung auf höchstens fünf Themen auf, in Geister II gibt es elf oder zwölf. Der Handlungsfaden, den Niels Vorsel und ich ausgearbeitet haben, ist jetzt viel komplexer, und die verschiedenen Themen spielen auf einer anderen Ebene, bleiben mehr an der Oberfläche. Es muß aber notwendig eine Beschleunigung eintreten, denn im zweiten Teil treibt die Geschichte ihrem Ende zu, und verschiedene Punkte, die bisher in der Schwebe geblieben sind, verlangen jetzt nach einer Auflösung.
Sie haben also schon eine Vorstellung davon, wie alles enden wird und wie die Elemente ineinandergreifen, um zu einer Auflösung zu kommen?
Natürlich weiß ich, wie alles endet.
Sie sagten, daß Dante sehr viel Spaß gehabt habe, als er Die Hölle für seine Göttliche Komödie schrieb, daß er aber sehr viel mehr Zeit auf Das Paradies verwendet habe. Geht es Ihnen genauso? Finden Sie es interessanter, bösartige Charaktere in Szene zu setzten als optimistische und wohlwollende?
So sah es bis jetzt in der Tat aus. Das Böse bringt mehr Bilder hervor. Das Böse ist visueller als das Gute. Wird das Gute in Bilder umgesetzt, wird es schnell langweilig. Es gibt weniger Möglichkeiten in diesem Bereich. Ein Sonnenstrahl über einem Menschen oder einer Situation, und schon wird alles ungeheuer platt und reicht ans Pathetische heran. Das war auch meine Schwierigkeit in Breaking the Waves, und ich habe mich infolgedessen bemüht, solche Bilder zu vermeiden. Mit dem Bösen lassen sich die Fäden besser ziehen. Ehrlich gesagt habe ich mich nie im Geringsten für die Psychologie des Bösen interessiert. Vielleicht, weil mich nicht das Böse an sich interessiert, sondern die Schattenseite des menschlichen Wesens. Ich habe beschlossen, das Problem vom Standpunkt der Menschen aus zu behandeln, und sicher ist es so, daß man auf diese Weise früher oder später zum selben Ergebnis kommt. Aber es interessiert mich nicht, das Böse an sich zu untersuchen.
Erstellt: 27-10-05
Letzte Änderung: 01-09-08