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Kino auf ARTE - 05/08/10

Ulzhan - Das vergessene Licht

Ein Film von Volker Schlöndorff


Irgendwo in der endlosen Steppe Zentralasiens liegt ein Schatz verborgen. Und nur ein Mann besitzt den Schlüssel, um ihn zu finden - das Fragment einer alten Landkarte. Doch in seinem ruhelosen Bestreben scheint Charles nicht nach Ruhm und Ehre zu suchen. Ulzhan, eine einheimische junge Nomadin, folgt dem fremden Mann durch die Einöde Kasachstans und verlässt sich auf ihr Gespür: Charles ist auf der Suche nach Liebe ...


Nach dem Verlust seiner Familie durch ein tragisches Unglück hegt Charles Simon nur noch einen Wunsch: Er will verschwinden, weit weg. Der einsame Franzose begibt sich zunächst zu Fuß auf eine Reise durch die Einöde Kasachstans, vermeintlich aus Abenteuerlust: Mit Hilfe eines antiquarischen Landkartenausschnittes gibt er vor, einen Schatz finden zu wollen. Doch in Wahrheit treibt die Todessehnsucht den vom Schicksal gezeichneten Mann an. Sein Ziel ist der heilige Berg Khan Tengri, wohin sich einst die Schamanen zurückgezogen haben, um in Ruhe und Frieden zu sterben. Obwohl er den Kontakt zu Menschen meidet, begegnet Charles eines Tages einer geheimnisvollen Gestalt namens Shakuni, der in die Rolle eines kauzigen Schamanen schlüpft. Auf dem Weg mitten durch die Steppe landet Charles zufällig in einem Dorf, wo er auf Ulzhan trifft, die schöne Tochter eines Pferdezüchters. Er kauft der jungen Nomadin ein Pferd ab, um seinen Weg zügiger fortsetzen zu können. Doch die sensible Frau spürt die Trauer des Fremden und heftet sich gegen Charles' Willen an dessen Fersen, angeblich um ihn bei seiner fluchtartigen Suche zu unterstützen. Ulzhan folgt dem Steppenwolf durch die karge Landschaft, durch ein nuklear verseuchtes Atomtestgebiet, über riesige Ölfelder, auf denen Bohrtürme wie Menetekel gen Himmel ragen, bis zum heiligen Berg an der Grenze zu China. Am Gebirge angelangt, kurz vor dem Ziel, bittet Charles seine hartnäckige Begleiterin endgültig darum, ihn seine Mission alleine erfüllen zu lassen. Doch Ulzhan will weiterhin verhindern, dass Charles in sein Unglück reitet, und hofft auf seine Wiederkehr.


"Ulzhan" ist ein archaisches Märchen des deutschen Regieurgesteins Volker Schlöndorff. Mit seinem neuesten Werk, das von intensiven Landschaftsaufnahmen, stimmungsvoller Musik und symbolisch aufgeladenen Orten lebt, hat der Regisseur eine kunstsinnige Hymne auf das Leben geschaffen. Konform zu der weiblichen Titelfigur, weist der gesamte Film, trotz aller Melancholie, etwas Tröstendes auf. Der Zuschauer wird mitgenommen auf eine meditative Reise in das Herz eines landschaftlich atemberaubenden Landes sowie in das verletzte Innere eines faszinierenden Mannes, gespielt von Philippe Torreton. Mit starkem Willen und ohne viele Worte initiiert "Ulzhan", überzeugend dargestellt von der jungen kasachischen Schauspielerin Ayanat Ksenbai, diese poetische Liebesgeschichte.
Mit am beeindruckendsten an diesem schweigsamen Kampf zwischen einem desillusionierten Mann und einer mutigen Frau sind die grandiosen Cinemascope-Bilder von Kameramann Thomas Faehrmann, der sich den Versuchungen des Dokumentarischen gegenüber resistent zeigte. Das Resultat: eine stimmungsvolle Odyssee in seelische Zwischenbereiche.

Ulzhan - Das vergessene Licht
Montag 27. September 2010 um 03.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Kasachstan, Frankreich, Deutschland, 2006, 101mn)
ARTE F

Erstellt: 05-08-10
Letzte Änderung: 05-08-10