So etwa äußerte sich Wim Wenders, Jurypräsident der 65. Mostra, bevor er den Goldenen Löwen an „ The Wrestler “ von Darren Aronofsky vergab, was einer Abfuhr für Silvio Orlando (Il papà di Giovanna von Pupi Avanti) gleichkam, der einige Minuten zuvor bei derselben Gala die Coppa Volpi entgegengenommen hatte.
Die im großen Saal des Filmpalastes mit großem Beifall quittierte Auszeichnung von Darren Aronofskys Film „The Wrestler“ kam genau zum richtigen Zeitpunkt, um die Organisatoren des Festivals von Venedig (und insbesondere seinen Leiter Marco Müller) doch noch zu beruhigen. Die ganzen zwei Wochen lang waren sie wegen des in diesem Jahr angeblich zu trüben Wettbewerbs von der italienischen und internationalen Presse verspottet worden. Recht hämisch wirkte denn auch das „Morte a Venezia“ auf einer für alle sichtbaren Tafel direkt neben dem Casino, dem Herzen des Festivals.
So sorgten die strahlenden Gesichter von Mickey Rourke und dann von Darren Aronofsky beim Entgegennehmen des Löwen für doppelte Erleichterung auf der Mostra, getreu dem amerikanischen Regisseur, der seinem Schauspieler vor den Dreharbeiten sagte: „Deine Karriere ist den Bach runtergegangen, keiner will dich mehr. Aber wenn du machst, was ich dir sage, dann wird dieser Film dich retten.“
„Mit diesem Film werde ich all diesen Idioten zeigen, dass es mit mir noch nicht vorbei ist, ich werde einen Oscar holen!“
Auf der Bühne widmete Darren Aronofsky die Auszeichnung bescheiden „all den Catchern, die für zweihundert Dollar pro Abend in den Ring steigen, um das Publikum zu bespaßen“. Neben ihm stand der Schauspieler, stolz wie Oskar, und man dachte an die Provokationen an die Adresse der italienischen Journalisten von vor drei Tagen: „Ihr werdet sehen, mit diesem Film werde ich all diesen Idioten zeigen, dass es mit mir noch nicht vorbei ist, ich werde einen Oscar holen!“
Vor Glück strahlte auch Dominique Blanc, die die Coppa Volpi für die beste Darstellerin für ihre Rolle einer eifersüchtigen Frau in „L'Autre“ von Patrick Mario Bernard und Pierre Trividic erhielt. Mit diesem Film, der wohl in einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit „The Wrestler“ um den Goldenen Löwen konkurrierte, etabliert sich eine Schauspielerin, deren Talent bereits weit über die Grenzen Frankreichs hinaus geschätzt wird.
Zwei Filme wurden gleich zweifach prämiert: „Teza “ von Haile Gerima, ein Filmepos über dreißig Jahre aus der Geschichte Äthiopiens, wurde sowohl mit dem Sonderpreis der Jury geehrt als auch mit dem Preis für das beste Drehbuch. Der Film „Paper Soldier“ über die Anfänge der russischen Weltraumeroberung von Aleksey German Jr erhielt recht großzügig den Silbernen Löwen für die beste Regie sowie den Preis für die beste Kamera, der an Alisher Khamidhojaev und Maxim Drozdov ging.
Anstelle von Bernardo Bertolucci, der im letzten Jahr auf die Bühne gehinkt war, erhielt diesmal der deutsche Regisseur Werner Schroeter einen Spezial-Löwen für sein Gesamtwerk, den dieser sehr bewegt und aufgewühlt in Empfang nahm.
Bedauerlicherweise wurde keiner der Beiträge aus Japan ausgezeichnet: Takeshi Kitano (Akires To Kame) und Hayao Miyazaki (Ponyo on the Cliff by the Sea) hätten die nicht immer ganz nachvollziehbare Riege der Preisträger durchaus vervollkommnet.
Nach allen abschließenden Erklärungen über einen späteren Festivalbeginn im kommenden Jahr (2. September 2009) und Hollywood-Größen, die bereits ihre Filme für die nächste Mostra bereithalten, verabschieden sich die Organisatoren mehr denn je mit ausgefahrenen Krallen.
Olivier Bombarda
> Alle Gewinner der 65. Mostra







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