Im Sommer 1989 befindet sich Ungarn im Umbruch. In dem Donaustaat entsteht eine Oppositionsbewegung, deren Forderungen nach mehr Demokratie und Unabhängigkeit von Moskau auch bei offiziellen Staatsvertretern auf fruchtbaren Boden fallen. Aus diesem Grund halten sich auch Zehntausende Ostdeutsche im Land auf, die auf eine Fluchtmöglichkeit in den Westen hoffen, da sie zu Hause keine Zukunft sehen. Am 19. August 1989 fällt die Entscheidung. Ein Grenztor zwischen Ungarn und Österreich wird für kurze Zeit geöffnet. Die Grenzsoldaten entscheiden, nicht gegen Fluchtwillige einzugreifen. Das ist das Ende des Eisernen Vorhangs.
Ungarn ist 1989 ein Land im Umbruch. Hardliner und Altstalinisten sind auf dem Rückzug, aber immer noch gefährlich. Währenddessen fordert die Oppositionsbewegung freie Wahlen, Demokratie und mehr Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Obwohl es im Zeitalter von Glasnost und Perestroika unwahrscheinlich scheint, dass Moskau den Reformbestrebungen mit Waffengewalt begegnen wird, wissen die Politiker in Budapest genau, dass ihr Land weiterhin in den Warschauer Pakt und das sowjetische Imperium eingebunden ist.

BuchtippGyörgy Dalos: Der Vorhang geht auf.Das Ende der Diktaturen in Osteuropa.
1989 war der Kommunismus endgültig bankrott. Die Sowjetunion überließ ihre Satellitenstaaten dem eigenen Schicksal, von der "sanften" Revolution in der CSSR bis zum Massaker in Bulgarien. György Dalos hat eine fazinierende Zusammenschau verfaßt.

Gleichzeitig lockt die ungarische Öffnungspolitik im Sommer 1989 Zehntausende DDR-Bürger ins Land, die angesichts der starren Haltung ihrer Regierung zu Hause keine Zukunft sehen und auf eine Fluchtmöglichkeit in den Westen hoffen. Doch die Abkommen innerhalb des Warschauer Pakts verpflichten Ungarn, das Grenzregime mit unveränderter Strenge fortzusetzen. Dadurch stecken massenhaft DDR-Bürger in dem Donaustaat fest. Sie campieren in Zeltlagern und besetzen die BRD-Botschaft. Eine Rückkehr in die DDR verweigern sie.
Vor diesem Hintergrund findet am 19. August 1989 im Grenzgebiet zwischen Ungarn und Österreich nahe der Stadt Sopron ein symbolisches Picknick der Ost-West-Völkerverständigung statt. Lokale Reformkräfte haben es organisiert. Dabei soll auch ein altes Grenztor zu Österreich für ein paar Stunden geöffnet werden. Budapester Reformer haben unter fluchtwilligen Ostdeutschen gezielt Informationen über das Picknick lanciert. Insbesondere Staatsminister Imre Poszgay will testen, wie Moskau auf einen massenhaften Grenzdurchbruch am Eisernen Vorhang reagiert. Doch weder die Organisatoren vor Ort noch die diensthabenden Grenzbeamten sind informiert. Die Befehle der Grenzoffiziere haben auch für diesen Tag bestand: Flüchtlinge aufhalten, zurückschicken - und bei Zusammenstößen notfalls die Waffe benutzen.
Als Hunderte DDR-Bürger die Grenze stürmen, steht der diensthabende Grenzoffizier Árpád Bella vor der Entscheidung seines Lebens: ein Blutbad mit nicht absehbaren Folgen in Kauf zu nehmen oder entgegen seiner Befehle Menschlichkeit zu zeigen. Seine mutige einsame Entscheidung macht das Wunder möglich. Eine Massenflucht, die den Zusammenbruch des Ostblocks radikal beschleunigt. Nur wenige Monate später fällt die Berliner Mauer. Der Eiserne Vorhang war - für Millionen über Jahrzehnte undenkbar - Geschichte geworden.