30. Internationaler Tag der Frau am 8. März 2007
Fünfzig Jahre nach der Gründung der Europäischen Gemeinschaft, die von Männern ersonnen wurde, steht mit der Kanzlerin der größten europäischen Wirtschaftsmacht derzeit eine Frau an der Spitze des Europäischen Rates. Dies hat starken Symbolcharakter und beweist, dass sich die Lage der Europäerinnen beträchtlich verbessert hat. Doch in vielerlei Hinsicht kann von Gleichstellung der Geschlechter noch keine Rede sein.
GESELLSCHAFT
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| © Communauté européenne/Europäische Gemeinschaft, 2007. |
| Familien- und Berufsleben zu vereinigen: eine Herausforderung für viele Europäerinnen. |
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In Europa sind die Frauen den Männern noch längst nicht gleichgestellt, und auch unter den einzelnen EU-Ländern ist die Situation der Frauen nicht immer vergleichbar. Diese Differenzen spiegeln sich im Frauenanteil in den Institutionen der jeweiligen Staaten wider. Schweden liegt mit 52% weiblichen Abgeordneten klar auf dem ersten Platz. Auch Deutschland, Dänemark, Spanien, Finnland und die Niederlande gehören mit einem Frauenanteil von über 30% zur Spitzengruppe. Auf den hintersten Plätzen rangieren Malta (9%), Ungarn (10%) und Rumänien (11%). Frankreich und Griechenland stehen mit 13% ebenfalls ziemlich schlecht da (der Durchschnitt liegt bei 22%) – und das, obwohl beide Länder als Wiege der Demokratie gelten. Auch auf dem Gebiet der Beschäftigung ist die Gleichstellung von Mann und Frau im Europa der 27 noch eine Utopie. Nach einer neueren Umfrage bestehen nach wie vor Gehaltsunterschiede zwischen Mann und Frau: Der Verdienst von ca. der Hälfte der erwerbstätigen Frauen in der EU liegt im unteren Drittel der Lohntabelle. Außerdem stellen die Frauen mindestens 80% der Teilzeit-Arbeitskräfte, deren Lage durch wirtschaftliche Unsicherheit geprägt ist. Und nach Schätzungen von Eurostat betrug die Frauenarbeitslosigkeit im Dezember 2006 8,7% (gegenüber einer Männerarbeitslosigkeit von 6,6%). Erstaunlicherweise sind in den acht neuen mitteleuropäischen Mitgliedsstaaten die Frauenbeschäftigungsrate und der Anteil weiblicher Führungskräfte höher als im Europa der Fünfzehn. Ein Erbe aus der Zeit der Sowjetunion, in der Arbeitspflicht für alle bestand und durch angemessene Kinderbetreuung Beruf und Privatleben leichter zu vereinbaren waren. Diese Länder liegen gewissermaßen auf halbem Wege zwischen der weitgehenden Chancengleichheit von Mann und Frau in Nordeuropa und der traditionsgebundenen, sexistischeren Einstellung der Südeuropäer.
Es gibt also noch kein „Europa der Frauen“, in dem die Gleichstellung der Geschlechter über die Grenzen hinweg gewährleistet wäre. Was also tut Europa für die Frauen? Die Verbesserung und Harmonisierung der Lage der Bürgerinnen war schon immer ein Anliegen der europäischen Institutionen. Bereits 1957 wurde in den Römischen Verträgen das Prinzip der
„gleichen Bezahlung von Männern und Frauen für gleiche Arbeit“ festgelegt. Fünfzig Jahre später soll als weiterer Beweis für den Handlungswillen der EU das Europäische Institut für Gleichstellungsfragen gegründet werden. Seine Hauptaufgabe besteht in der Unterstützung der europäischen Institutionen und der Mitgliedsstaaten bei der Förderung der Gleichstellung in allen Bereichen der Gemeinschaftspolitik und beim Kampf gegen Diskriminierung aus Gründen des Geschlechts. Auch die Sensibilisierung der europäischen Bürger für dieses Thema gehört zu den Aufgaben des Gender-Instituts. Denn Brüssel ist zwar bei weitem nicht dazu befugt, ein einheitliches Gleichheitsmodell vorzuschreiben, kann aber wichtige Anstöße zu seiner Verwirklichung geben. Nach einem Vorschlag der europäischen Abgeordneten soll die Geschlechterparität im Aufsichtsrat des Instituts symbolisch verwirklicht werden, so wie im Kabinett des spanischen Premierministers José Luis Rodríguez Zapatero, das aus acht Frauen und acht Männern besteht. Ein nachahmenswertes Beispiel!
Aurélie Grosjean
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