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Venedig 2005 - Offizieller Wettbewerb - 24/10/05

Unruhestifter (Les amants réguliers)

Ein Film von Philippe Garrel


Mai '68, Liebe
und Revolte

(Frankreich, 2005, 178 Min.)
Mit Louis Garrel, Clotilde Hesme, Julien Lucas, Mathieu Genet, Maurice Garrel…

Synopsis: Eine Gruppe junger Pariser verschreibt sich einem Boheme-Leben, nachdem sie an den Ereignissen von Mai 1968 teilgenommen hat. Die Pariser Boulevards wurden von junge Leute belagert, die mit Pflastersteinen in den Händen die Hoffnung hegten, einer vorprogrammierten langweiligen Existenz zu entkommen. François (Louis Garrel) ist gerade 20 geworden. Wie seine Kamaraden fühlt er sich, als habe er nichts zu verlieren. Er geht eine leidenschaftliche hemmungslose Liebesbeziehung mit Lilie (Clotilde Hesme) ein. Ferienstimmung, künstlerische Kreation, Liebe und Opium bilden im großen Haus eines wohlhabenden Freundes den Rahmen ihres Alltags.

Im Gespräch mit Schauspieler Louis Garrel (Real Video)
Im Gespräch mit Schauspielerin Clotilde Hesme (Real Video)
Interview : Olivier Bombarda
Die Pressekonferenz zum Film (Real Video)
Der Trailer zum Film (Real Video)

Kritik: Im Laufe seiner langjährigen Karriere, die Mitte der sechziger ihren Anfang findet, hatte Philippe Garrel weder die Ereignisse von Mai 1968 noch die darauffolgenden Jahre direkt und offen erwähnt, sondern sich eher mit deren Konsequenzen (die Flucht mit "Le révélateur") oder mit deren Vorboten (mit "Marie pour mémoire) befasst. Das allgemeine Scheitern des politischen Kampfes, die Entdeckung der Drogen, die sich mit dem Alltag auseinandersetzenden Ideale, die Behauptung der Naivität oder der Unreife... Dies sind all die Elemente, woraus die ausgezeichnete schwarz-weiss Palette von Les Amants réguliers besteht.

In der Form einer Kapitel-Erzählung (der Schriftsteller und Dichter Marc Cholodenko arbeitete erneut am Drehbuch mit) beginnt Garrel diesen Epos-Film mit einer unglaublichen sachlichen Darstellung der Demonstrationen auf dem Saint-Michel-Boulevard in einem theaterhaften schwarzen Dekor mit brennenden Autowracks. Auf die rigide Haltung der Gestalten antwortet eine nuancierte und reichhaltige Musik. Im zweiten zugleich lustigen und pathetischen Teil wird in gleicher Weise fortgefahren: auch hier wirken die Körper steif, allerdings durch den Einfluss der Drogen. Die düsteren Töne eines Klaviers oder das Knirschen eines Stuhls verleihen jenen Gestalten eine schattenhafte Präsenz: als sehnten sie sich danach, einfach zu schwinden, wirken sie wie erstarrt, kurz vor dem Abbruch (Lilie nimmt von François Abstand) oder der enggültigen Auflösung (François behauptet von Anfang an, er wolle anonym bleiben) stehend.

Es ist eine durchaus subtile Kunst, drei Stunden lang den Faden jener Erzählung fortzuspinnen, in der eine zur Opferung bestimmten Gruppe und deren zum Scheitern berufenen Ideale langsam zugrunde gehen. Dank der hieratischen Partitur des Komponist Jean-Claude Vannier (Serge Gainsbourgs Histoire de Mélody Nelson), den prägnanten Bildaufnahmen von William Lubtchansky (Kameramann von Jacques Rivette) und der Anwesenheit von Louis Garrel (Philippes Sohn) - dessen ausgesprochenes Talent für Tragikomisches sich mit einer auffälligen Selbstverständlichkeit paart, seinen schwerfälligen Körper in einem heiklen vegetativen Zustand zu bewegen-, gelingt es dem Cineast seinen Film zu vollenden.

In dieser aus verschiedenen autobiographischen Elementen bestehenden Darstellung spürt man aber keineswegs Nostalgie. Indem er auf eine gewisse Schlichtheit setzt und auf eine wohl erprobte Form vertraut, die ihm schon einige Erfolge gebracht hat (Liberté la nuit, Sauvage innocence), überwindet Garrel das Risiko der Wiederholung und vertritt erneut eine anspruchsvolle Auffassung der Filmkunst, deren mühsames Streben nach Anerkennung der tragischen Sehnsucht seiner Gestalten gleicht.

Julien Welter


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Les Amants réguliers
Von Philippe Garrel
(Frankreich, 2005, 178 Min.)
Mit Louis Garrel, Clotilde Hesme, Julien Lucas, Mathieu Genet, Maurice Garrel…
Venedig 2005 - Offizieller Wettbewerb
Arte Koproduktion


Les amants réguliers von Philippe Garrel am 25. Oktober 2005 um 22.45 Uhr auf ARTE

Erstellt: 30-08-05
Letzte Änderung: 24-10-05