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Kino auf ARTE - 25/08/10

Unsere Idole

Ein Film von Marc-Gilbert Guillaumin (Marc 'O)


Unsere Idole, das sind Gigi la Folle, Charly le Surineur und Simon le Magicien - eine verrückte Dreierkombination. Die von Managern fabrizierten und gepushten Stars der Swinging Sixties besingen anlässlich einer Pressekonferenz Leben und Karriere, Frust und Überdruss: ein skurriles Livespektakel mit schiefen Tönen ...



Eine Pressevorstellung der besonderen Art: Drei Ausnahmestars der Swinging Sixties namens Gigi la Folle, Charly le Surineur und Simon le Magicien rekapitulieren und reklamieren, schräge Yéyé-Songs singend, ihren bisherigen Lebenslauf. Dieser ist gekennzeichnet durch programmierten Erfolg, unweigerlichen Aufstieg, Flops und den unabwendbaren Fall. Die Idole sind gefesselt an Kompromisse, Bedingungen und Pflichten samt arrangierter Hochzeiten und anderer künstlicher Sentimentalitäten.
Doch Gigi und Charly sowie Simon halten dem Druck nicht mehr stand: Sie halten ihre fremdbestimmte Existenz nicht mehr aus und richten sich verzweifelt an die Öffentlichkeit: Vor den Augen der versammelten Presse und den Fans denunzieren sie die Impresarios der Musikbranche, die sich als Diktatoren ihres Daseins aufspielen.
Denn auch das aus Einzelteilen geschickt zusammengesetzte Konsumprodukt "Idol" hat ein Recht auf menschliche Individualität. So rebellieren die drei Stars gegen ihre Manager, die Canassons. Die Abrechnung in Form einer öffentlichen Katharsis schafft schließlich den Ausgleich und markiert das Ende der Herrschaft. Unsere Idole werden überleben!

"Unsere Idole" ist ein satirischer Trash-Film über das Showbiz-Milieu und die Yéyé-Popszene im Frankreich der Swinging Sixties. Das Backstage Movie ist eine perfide Parodie auf die Produktion von künstlichen Vorbildern in den 60er Jahren. Doch die scharfe, äußerst plakativ formulierte Kulturkritik erscheint heute aktueller und moderner denn je: Die Maschinerie des Starsystems hat sich seit Anfang/Mitte des 20. Jahrhunderts stets weiter entwickelt und ihre "Produktion" sowie die Anzahl ihrer "Abfälle" immer weiter gesteigert. Damals wie heute avancieren Menschen zu Stars, Vorbildern, Idolen, Ikonen, Mythen und bleiben dabei letztlich Waren, auf die jedermann jederzeit durch die Regenbogenpresse Zugriff erhalten kann. Einzige Bedingung, das Konsumgut "Star" muss rentabel sein, wenn auch nur für begrenzte Zeit in einer kurzlebigen Wegwerfgesellschaft. Gigi la Folle, Charly le Surineur und Simon le Magicien verkörpern musikalische Talentfreiheit ebenso Idealbilder, aus denen leere Vorstellungen von Idolen geformt werden.
Drehbuchautor und Regisseur Marc-Gilbert Guillaumin, alias Marc 'O, hatte 1964 das Bühnenstück "Les idoles" geschrieben und dieses zwei Jahre später an einem Pariser Theater inszeniert, bevor er den Stoff für seinen gleichnamigen Film adaptierte, bei dem er sich exakt der gleichen Schauspielergruppe bediente. Diese Darsteller singen im unmusikalisch-musikalischen Filmmusical Yéyé-Chansons, eine zu Beginn der 60er Jahre in Frankreich und Québec aufkommende Musikrichtung im Stil des amerikanischen Twist und Rock'n'Roll. Doch es ist nicht zu überhören, dass hier auch die Sixties-Sounds auf die Schippe genommen werden.
"Unsere Idole" eröffnet einen politisch-kritischen Blickwinkel auf die Macht von Musik, Medien und Kulturindustrie; visuell wird diese Welt der Kunst und Künstlichkeit mit intensiven Farben und psychedelischen Klängen gestaltet.

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Unsere Idole
Freitag 3. September 2010 um 03.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 1964, 89mn)
ARTE F

Erstellt: 04-08-10
Letzte Änderung: 25-08-10