Der Europarat kann diesem Krieg kein Ende setzen. Doch die Staaten, die darin vertreten sind, haben die Kraft dazu. Die Verpflichtungen des Europarats als Schöpfer und Hüter der europäischen und universellen Werte besteht darin, auf diesen Krieg aufmerksam zu machen und ihn bei seinem richtigen Namen zu nennen. Es muss klar gesagt werden, dass es sich um einen Krieg gegen all die Werte handelt, die der Europarat in seinen Dokumenten ausdrückt, Werte, um die er sich kümmert, die er zu pflegen und zu bewahren versucht.
Europa – genau wie die gesamte heutige Welt – befindet sich an einem historischen Scheideweg. Entweder es gelingt ihm, eine neue Verantwortlichkeit zu entwickeln, die aus der universellen spirituellen Erfahrung des Menschen heraus entsteht und die moralische Botschaft respektiert, die diese Erfahrung an uns richtet, oder aber es begeht denselben fatalen Fehler, für den es im Laufe dieses Jahrhunderts bereits zweimal teuer bezahlen musste, wenn es nämlich die Augen vor dem Übel des Nationalismus verschließt, ein Übel, das wie jedes andere Übel auch, ansteckend ist.
Erlauben Sie mir zum Abschluss meine feste Hoffnung auszudrücken, dass der Menschenverstand, der Anstand, die Solidarität und der Wunsch nach Verständnis und einem annehmbaren Miteinander all das besiegen werden, was sie bedroht. […]“
Vaclav Havel, der tschechische Staatspräsident, hielt diese Rede am 29. Juni 1995 in Straßburg, als er anlässlich der Einweihung des neuen Palais der Menschenrechte den Vorsitz des Ministerkomitees des Europarats übernahm.






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Vaclav Havel (Prag, 1936), Dramaturg, Schriftsteller und Politiker, ist eine außergewöhnliche Person: Er ist ein engagierter Intellektueller und verleugnet, als er an die Macht kommt, nicht die Werte, für die er zu seiner Zeit als Dissident gekämpft hat.
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