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Achtung: Überwachung… - 25/02/05

Videokontrolle in der Medienkunst

Seit es Kameras gibt, gibt es Künstler, die sie nicht nur zur Bilderproduktion nutzen, sondern auch auf die Rolle das Objektivs als Überwachungsinstrument militärischer Natur hinweisen. Im Film reichte dazu, die Protagonisten durch eine runde schwarze Maske ins Visier zu nehmen. In der Medienkunst ist Kunst zum Thema Überwachungskamera ebenso alt wie Videoüberwachungs-Kameras selbst. Wenn ein Festival wie die Transmediale heute einen solchen Dauerbrenner neu auflegt, so interessiert vor allem, wie Künstler heute über das bekannte Klischee einer Orwell'schen Big-Brother-Apparatur hinausgehen - zwischen politisch motivierter Kunst und abstrakter Ästhetik.

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Auf der einen Seite werden Kulturschaffende nicht müde anzuprangern, dass "Sicherheitsinteressen" oft aus massenmedialer Angstmache entstehen und Eingriffe in die individuellen Freiheiten nach sich ziehen. Neben den allgegenwärtigen Überwachungskameras kommen nun vernetzte biometrische Systeme für Fingerabdrucke und Stimmerkennung hinzu. Den Briten Chris Oakley beunruhigt vor allem die Verknüpfung von Videoüberwachung und globalen Datenbanken. In seiner Video-Arbeit "The Catalogue" wird der gläserne Kunde sofort via GPS-Sender geortet, per Kamera identifiziert, und nach Kaufkraft, Vorlieben und Gesundheitszustand sortiert… Big Brother verfolgt hier weniger politische denn wirtschaftliche Interessen.

Dagegen demonstriert die Kanadierin Michelle Teran in ihrer Strassen-Performance "Life: A User’s Manual", wie sich Privatsphäre und Öffentlichkeit durch die vielen neuen drahtlosen Überwachungskameras vermischen. Mit ihrer Antenne fängt sie auf der Strasse die Video-Funksignale auf, die in unseren Städten von privaten Überwachungskameras ausgesendet werden und macht sie auf ihrem in einen Koffer eingearbeiteten Monitor sichtbar - schliesslich liegen sie für jedermann verfügbar in der Luft: "Als Künstlerin interessieren mich das Zweideutige und diese Nischen zwischen privat und öffentlich, zwischen direkter und Medien-Erfahrung. Was diese drahtlosen Netzwerke so interessant macht, ist, dass sie sich nicht um Mauern scheren. Sie brechen aus auf die Strasse und werden zum Teil des öffentlichen Raumes." Hier ist es keine zentrale, überwachende Instanz mehr, vielmehr beobachten Privatleute Privatleute.

Und: "Warum nicht selbst überwachen statt sich überwachen zu lassen"?, fragt Marko Peljhan von der slowenischen Gruppe Makrolab. Dronen gehören heute immer mehr zur Spionage-Grundausstattung – die Künstlergruppe entwarf den Prototypen S-77CCR als taktisches Gegenüberwachungssystem für Globalisierungsgegner und andere Demonstranten, die damit nun selbst die Militär- und Polizeieinsätze überwachen können sollen, um unrechtmässiger Behandlung vorzubeugen und verhängnisvolles Beweismaterial aufzuzeichnen. Ein Paradox: Selbst Pazifisten setzen hier militärische Technologie ein, um mit den Kräften staatlicher Autorität auf Augenhöhe zu sein.

In die gleiche Kerbe schlägt auch James Patten: Er hat einen "Corporate Fallout Detector" entwickelt, der im Supermarkt die Strichcodes an Produkt-Verpackungen scannt und gleichzeitig mit Datenbanken verknüpft ist, die über Umweltverständnis und Geschäftsgebaren der Hersteller Auskunft geben. Das Gerät gibt Geräusche von sich, wenn moralische Standards ignoriert werden… statt dem gläsernen Kunden die gläserne Herstellerfirma? Es wäre wohl kaum Kunst, wenn sich ein solches Projekt eindeutig auf eine gebrauchsfertige und eindeutige Aussage beschränkte. Vielmehr veranschaulicht der Detektor die Absurdität einer realen Abhängigheit von mehr oder zufällig zusammengeschalteten Datenketten, die im Alltag jeden Normalbürger zu Kafkaischen Figuren im Spiel technologischer Selbstläufer machen können.

Allein Thomas Köner scheint der Überwachungstechnologie da eine rein ästhetische Komponente abzugewinnen – zumindest auf den ersten Blick. Für seine Video-Installation "Suburbs of the Void" (Vorstädte der Leere) hat er wochenlang Bilder einer Überwachungskamera an einer Straßenkreuzung in Finnland ineinandergeblendet. "In meiner Arbeit ist bedeutsam, dass Überwachungskameras Dinge beobachten, die sonst in einem ästhetischen Kontext niemand beobachten würde. -Ich guck' auch gern mal einfach nur an die Wand. Man sieht immer irgendetwas, es ist nicht der Mangel an visuellem Reiz, es kommt immer darauf an was man mit dem Material macht."

Minimaler als in "Suburbs of the Void" könnte das Ausgangsmaterial kaum sein: "Die ideale Kamera ist für mich die, die ins Nichts gerichtet ist - eine Überwachungskamera ist immer ins Fast-Nichts gerichtet, sie fixiert einen grösseren Ausschnitt. Den Bezug auf inhaltlich Relevantes muss der Betrachter immer selbst leisten." Drei Monate sind auf eine 14-Minuten-Schleife komprimiert. Der Effekt ist jedoch der entgegengesetzte: Der Betrachter nimmt die konzentrierte Leere als Zeitdehung war. Denn Köner hat ausschliesslich die Bilder ohne menschliche Präsenz ausgesucht. Köners "politische Botschaft" ist somit zweideutiger und subtiler als die jener direkt politisch engagierten Projekte. Denn ist es nicht vielleicht ja gerade die Technologie, welche die Menschen jene überwachten Orte meiden lässt?

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Die Reportage
Transmediale.05 - Basics - Die Reportage (real video - 2 Min. 58)

Links
>> Makrolab - Marko Peljhan
>> "The Catalogue" von Chris Oakley
>> "Life : A User's Manual" de Michelle Teran
>> "Corporate Fallout Detector" de James Patten
>> "Suburbs of the Void" von Thomas Köner

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Kultur Digital
Festival
Ein Artikel von Jens Hauser
Transmediale.05
Februar 2005
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Erstellt: 25-02-05
Letzte Änderung: 25-02-05


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