Kritik: "Vincere" beginnt mit einer starken Szene: Der junge Mussolini ist von der Nichtexistenz Gottes überzeugt. Vor Dutzenden von Menschen fordert er diesen heraus, ihn innerhalb von fünf Minuten zu zerstören, um seine Existenz zu beweisen. Da kein "deus ex machina" eingreift, ist dies für Mussolini Zeichen genug. Nur wenige Jahre später wird er ebenso die Existenz seiner ersten Heirat verleugnen wie seinen erstgeborenen Sohn, Benito. Aber da hat er eingegriffen und alle Dokumente vernichtet. Dann ist Mussolini auch kein überzeugter Sozialist mehr sondern ein Faschist, der sich auch mit dem Papst gut stellen will. Ein Mann, der Macht will und der bereit ist, dafür alles zu tun.

Italien 2009, 128 Min.
Regie: Marco Bellocchio
Mit Giovanna Mezzogiorno, Filippo Timi, Corrado Invernizzi, Michaela Cescon
Offizieller Wettbewerbsbeitrag

Wie in einer Oper inszeniert Bellocchio Akt für Akt. Kunstvoll künstliches Licht lässt Giovanna Mezzogiorno wunderschön in ihrem Leiden aussehen. Immer wieder mixt der Meister Archivmaterial unter, das er in zeitgemäßer Manier bearbeitet. In großen weißen Lettern etwa überschreibt er Wochenschaumaterial mit Krieg! Krieg! Krieg! und integriert somit den in den Gemälden und der Grafik der damaligen Zeit vorherrschenden impressionistischen Stil.
In einer wunderbar quirligen Szene lässt er Kriegsbefürworter und Kriegsgegner in einer Wochenschau aufeinander treffen. Sie beginnen eine arge Rauferei im Lichtspielhaus. Konsequenterweise sieht Ida ihren Duce nach dessen Leugnung auch nur noch in den Wochenschauen, die sie gerne besucht. Kameramann Daniele Cipri findet Bilder, die die Verzweiflung der zurück gewiesenen und verleugneten Frau zum Ausdruck bringen, etwa wenn sie in einer verschneiten Nacht das Gitter der Psychiatrie möglichst weit nach oben klettert, um die Briefe, die sie geschrieben hat - an den Papst, an die Regierung, an alle, die ihr einfallen - möglichst weit nach draußen, in die freie Welt zu werfen. Aber auch das misslingt.
Ihr Sohn Benito übernimmt ihr schweres Erbe, auch er ist davon überzeugt, dass sein Vater der Duce ist. Er imitiert die Reden des Führers so inbrünstig, dass man Gänsehaut bekommt. Filippo Timi hat gleich beide Rollen übernommen und beeindruckt darin: die des jungen Mussolini und die des erwachsenen Sohnes.
Nana A.T. Rebhan







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